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KITTY, DAISY & LEWIS
 
Psychopathische Breitwand-Suppe
Kitty, Daisy & Lewis
Manchmal ist die Sache viel unkomplizierter, als sie erscheint: "Superscope" war ein in den 50er Jahren entwickeltes Breitwand-Filmformat, mittels dessen sich Cinemascope-Filme auf einem gebräuchlichen 35 mm Negativ belichten ließen, indem die Aufnahmen anamorph gestaucht wurden - ähnlich wie bei gut codierten DVDs. Klingt eben kompliziert - aber wie gesagt: Manchmal ist die Sache einfacher, als sie erscheint. Denn an dieses "Superscope" haben die Geschwister Durham gar nicht gedacht, als es darum ging, das neue Album zu betiteln.
"Ich hatte gedacht, dass 'Superscope' ein neues Wort ist, das ich selbst erfunden habe", meint Lewis Durham, "dass es ein Filmformat war, wusste ich gar nicht. Ich dachte einfach, dass es ein groß klingendes Wort ist, dass eine große Bandbreite repräsentiert. Außerdem ist es verdammt cool - also haben wir es als Titel genommen." Okay - eine große Bandbreite bietet das neue Album tatsächlich. Neben den von Kitty Daisy & Lewis stets bevorzugten R'n'B-Elementen gibt es dieses Mal z.B. Glam-Rock, Lounge-Pop und Dicso-Anklänge zu bewundern. Und noch etwas ist neu: Wurde das letzte Werk "The Third" noch mit großem Aplomb von Mick Jones als Produzent in Szene gesetzt, so geht es dieses Mal weniger aufwendig zu, wie Kitty einräumt: "Wir wollten, dass es dieses Mal etwas zurückhaltender zur Sache geht", erläutert sie, "denn auf der letzten Scheibe waren immer eine Menge Leute im Raum, die Entscheidungen trafen - und dieses Mal waren es alleine wir drei. Wir haben alles alleine gemacht - vom Songwriting, über die Arrangements, die Produktion, die Tontechnik, das Mastering - einfach alles. Es war für uns sehr viel einfacher so zu arbeiten, weil wir so immer alle auf derselben Seite waren." Heißt das, dass auch die Songs zusammen geschrieben wurden? "Nein - das haben wir gemacht wie immer", meint Kitty, "denn wir schreiben unsere Songs jeweils immer alleine und arbeiten sie dann zusammen aus. Was sich aber immer ändert, ist die Art, in der man Songs schreibt, denn wir schreiben immer wieder über neue Sachen und probieren verschiedene musikalische Dinge aus und wir verwenden Einflüsse, die wir vorher noch nicht verwendet haben." Das erklärt die ständig expandierende Stilwelt von Kitty, Daisy & Lewis. Gibt es eigentlich irgend etwas, vor dem sie zurückschrecken würden? "Nein", meint Lewis empathisch, "wir wollen alles ein Mal ausprobieren."
In der aktuellen Bio bezeichnet Lewis die Musik des Trios gar als "psychopathisch" - wie ist das denn zu verstehen? "Das ist ein Witz", meint Lewis, "es gibt einen Song namens 'Suspicion', der es gar nicht auf das Album geschafft hat und der handelt von einem verrückten Mörder. Aber andererseits - unsere Musik ist ja vielleicht doch ein wenig psychopathisch?" "Sagen wir lieber mal 'leicht verrückt'", wirft Daisy sicherheitshalber ein. Wie gehen Kitty, Daisy & Lewis ihre Musik stilistisch an? Ist das eine natürliche Entwicklung - oder wird da ein bestimmtes Ziel verfolgt? "Es ist immer spannend neue Sachen auszuprobieren", führt Kitty aus, "auf diesem Album haben wir zum Beispiel mit einem Mini Moog Synthesizer experimentiert. Und die Art, in der wir Songs zusammensetzen, ist immer wieder anders. Wir haben dieses Mal auch zwei E-Gitarren gleichzeitig verwendet - was einen bestimmten Sound - oder sogar eine neue Dimension - ergibt. Wir machen jedenfalls nicht immer alles auf dieselbe Weise." "Wir tun alles, damit die Songs ihren Weg finden", ergänzt Lewis, "es gibt immer so viele Wege, die man wählen kann, dass es wichtig ist, den richtigen für den Song zu finden. Von dem, was wir gemacht haben, denken wir, dass es die richtige Entscheidung war. Man weiß nie, was dabei herauskommt, bevor man fertig ist. Man probiert dann dieses und jenes aus - aber das weiß man vorher alles nicht." "Nun, es kommt auf den Song an - denn manchmal hat man schon eine Idee im Kopf, die man gerne verfolgen möchte - wie zum Beispiel bei dem Glam-Rock-Song 'Down On Your Knees', weil wir alle Fans von T-Rex oder The Sweet sind", gibt Daisy zu bedenken, "aber manchmal muss man einfach loslassen und sehen, wohin der Song führt." Und wie muss der fertige Song dann sein? "Catchy, glaube ich", meint Lewis, "es geht um etwas, das du hörst und noch im Kopf hast, wenn du schon weiter gegangen bist." "Und ich schreibe immer zuerst eine Melodie - noch bevor ich an einen Hook oder eine Textzeile denke", überlegt Kitty, "es gilt also auch für mich, dass ich nach etwas suche, was hängen bleibt." "Ja und ich denke zwar auch, dass eine Melodie oder eine Hookline wichtig sind", ergänzt Daisy, "dass es aber auch darauf ankommt, wie diese dann präsentiert werden. Man muss ein bestimmtes Feeling treffen, damit es funktioniert." Worauf legt ein Songwriter heutzutage besonderen Wert? "Das weiß ich gar nicht", meint Daisy, "denn alles, was ich schreibe, ist irgendwie anders. Und wir schreiben ja auch alle unterschiedliche Sachen in unterschiedlichen Stilen, so dass man das nicht verallgemeinern kann. Es geht sogar so weit, dass die neuen Songs auf dem Papier eigentlich gar nicht zueinander passen sollten, dass sie es am Ende aber doch tun. Ich denke, dass jeder Songwriter kleine Vibes hat, die ihn auszeichnen und identifizierbar machen." "Es ist sowieso wichtig, dass du etwas schreibst, das du gut findest und das dich glücklich macht", gibt Kitty zu Protokoll, "denn wenn das so ist, dann wird sich definitiv auch jemand anderes finden, der das ebenfalls gut findet. Wenn du hingegen versuchst, etwas zu schreiben, von dem du denkst, dass es jemand anderes gut finden könnte, dann funktioniert das nicht immer." Gilt das alles auch für Themen und Texte? "Och weißt du - die kommen von überall her", meint Kitty, "wenn mich etwas besonders emotionell anspricht, dann regt mich das an, einen Song darüber zu schreiben. Anders als wenn ich mich hinsetze, um einen Song zu schreiben - dann muss ich drüber nachdenken, worüber ich schreiben könnte. Es kommt halt immer auf die Situation an und auf die Leute, mit denen du zusammen bist." "Als ich anfing Songs zu schreiben, waren meine Texte - nicht gerade generischer - aber doch ein wenig einfacher", gibt Kitty zu, "es ging um die Liebe und die Sachen, über die man halt Songs schreibt. Als wir dann mit Coldplay auf Tour waren, auf der Elbow den Support machten, hat mir Guy Garvey gesagt hat, dass das Beste sei, alles niederzuschreiben, was man denkt, wenn man einen Song schreiben wolle. Das mache ich zwar nicht, aber ich habe mir angewöhnt, beim Song-Schreiben nicht über das nachzudenken, worüber man typischerweise in einer solchen Situation nachdenken würde, sondern an kleine Dinge, die das Thema interessant machen. Das kann ein einziges kleines Wort oder ein Klang sein, auf dem man dann alles aufbauen kann." "Es gibt Zeilen, die in jedem Text vorkommen, an die man deswegen unweigerlich denkt, wenn man selbst einen Song schreibt", erklärt Daisy, "denen kann man sich dann nur schwer entziehen und muss drauf achten, dass man sie nicht selbst verwendet." "Ich denke aber, dass man ganz gut unterscheiden kann, was originär und aufrichtig ist", überlegt Lewis, "wenn der Groove stimmt und es gut klingt und funky ist, dann kann man damit durchkommen."
Kitty, Daisy & Lewis
Was ist denn für Kitty, Daisy & Lewis der Grund, einen rein analogen Prozess zu bevorzugen? "Weil das die Art von Studio ist, das wir haben", meint Lewis, "wenn wir es verwenden, dann verwenden wir es immer auf eine andere Art und Weise. Und wir sind da noch lange nicht am Ende. In der Tat haben wir da noch nicht mal an der Oberfläche gekratzt. Es gibt so viele Dinge, die wir noch ausprobieren können. Das heißt nicht, dass wir etwas gegen Digitaltechnik haben oder diese nicht verwenden könnten - nur sind wir momentan eben an dem Punkt, an dem wir analog arbeiten." Haben die Durhams denn ein bestimmtes Klangbild für die Scheibe im Sinn gehabt? "Ja, das haben wir", bestätigt Kitty, "es ist aber so, dass wir da gewisse Sachen ausprobieren mussten - etwa indem wir etwas aufbauten oder ausprobierten. Und es war wichtig, nicht zu viel zu machen. Es kommt auf den Mix an. Das ist ein wenig so, wie wenn man Suppe kocht - wenn man zu viel von einer Zutat drinnen hat, dann ..." "... muss man schnell Wasser nachkippen", fügt Daisy hinzu. "Und ich habe bestimmte Ideen im Kopf - wie zum Beispiel für die Drums oder die Gitarren - und gerate dann beim Mischen schon mal in Panik, weil ich Angst habe, dass sie nicht so klingen könnten, wie ich es mir vorgestellt habe." So richtig langweilig scheint es bei Kitty, Daisy & Lewis ja nicht zu werden. "Also manche Dinge klappen halt einfacher - wie z.B. die bluesigen Teile oder die Balladen - und bei den anderen Sachen muss man dann mal sehen, was passiert - und das sind dann die, die nicht so klingen, wie man sich das vorher ausgedacht hat", bringt Lewis das auf den Punkt. Was ist Kitty, Daisy & Lewis denn am Wichtigsten bezüglich der neuen Scheibe? "Das ist unsere Party-Scheibe", meint Kitty mit Nachdruck, "wir wollten eine gute Zeit haben und das sollte sich auf der Scheibe niederschlagen." "Und für mich war es wichtig, dass wir die Songs alle kurz und knapp gehalten haben", erläutert Lewis, "es sollte nichts zu sehr ausufern und die positiven Vibes sollten bis zum Ende erhalten bleiben. Das ist auch der Grund für das Instrumental 'Broccoli Tempura' am Ende der Scheibe." "Und es war uns wichtig, dass wir alles selber gemacht haben", ergänzt Kitty, "wir haben auch alle Instrumente selber eingespielt. Unsere Eltern, die uns auf der Bühne nach wie vor begleiten, waren dieses Mal nicht mit im Studio, sondern mussten ihre Parts lernen, nachdem wir die Songs fertig produziert hatten." Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen - außer vielleicht der Anmerkung, dass sich diese Änderungen bei den Konzerten von Kitty, Daisy & Lewis nicht niederschlagen. Diese sind nach wie vor große Parties mit Jam-Charakter, bei denen die Geschwister nach wie vor die Instrumente wechseln und auch Graeme Durham und Ingrid Weiss als integraler Bestandteil der Band fungieren.
Weitere Infos:
www.kittydaisyandlewis.com
facebook.com/kittydaisyandlewis
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Kitty, Daisy & Lewis
Aktueller Tonträger:
Superscope
(Sunday Best/Pias Cooperative/Rough Trade)




Kitty, Daisy & Lewis

 
 

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