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FÜNF STERNE DELUXE
 
10+10 - Die HipHop-Edition
Fünf Sterne Deluxe
Fünf Sterne Deluxe haben mit "Flash" ein tolles neues Album veröffentlicht. "Ein ganz feines Stück deutschen HipHop", nannten wir es in unserer Rezension. "Vollgepackt mit Hits und neuen Krachern." Und das satte 17 Jahre nach dem direkten Vorgänger "Neo.Now". Wir trafen uns in Hamburg mit dem Tobi und dem Bo zum Interview, um genau darüber zu sprechen. Doch weil es sich dabei schließlich um zwei wahre HipHop-Legenden handelt (und ganz nebenbei um zwei unglaublich sympathische Kerle), baten wir die beiden zur ersten HipHop-Edition unserer Interview-Serie 10+10. Allerdings wurden es am Ende dann doch ein paar mehr als nur zehn Fragen...
1. Was ist eure Definition von gutem HipHop?

Bo: Das ist sehr subjektiv, daher gibt es die Definition so nicht. Ein Straßenrapper, wenn er sein Ding ordentlich macht, kann, auch wenn man es selbst nicht im Alltag hört, genau so guter HipHop sein, wie alberne Sachen. Aber eigentlich lautet die Antwort in einem Satz: alles von Fünf Sterne. Sagen wir doch einfach, wie es ist (lacht).

GL.de: Setzt ihr euch HipHop-Grenzen?

Tobi: Wir setzen uns geschmackliche Grenzen und die sind nicht definiert. Denn die verändern sich während der Zusammenarbeit. Es gibt Sachen, die ich erst nicht gut fand, aber dann hat Bo mir Sachen vorgespielt und ich bin drauf geflasht.

Bo: Wir waren dieses Mal sehr offen, haben sehr viele Sachen gemacht, die wir uns so damals nicht getraut und nicht gemacht hätten, weil es komisch gewesen wäre. Aber bei diesem Album haben wir dann gesagt "Das fühlt sich komisch an, lass man weiter in die Richtung gehen und gucken, wo wir landen." Manche Sachen haben dann auch nicht geklappt, andere aber eben schon. "Monulani" im Speziellen mit Pauken und Opern-Gesang ist dann schon sehr extrem und das haben wir dann auch bis ins Extrem umgesetzt und wirkliche Opern-Sänger geholt. Wir waren verspielt, haben aufgemacht und einfach losgelassen und ich glaube, dass ist auch die große Stärke des Albums, dass man einfach merkt, dass wir Spaß dran hatten und dass wir uns keinen Rahmen gesetzt haben.

GL.de: War das früher denn anders? Oder habt ihr heute einen anderen Status und könnt andere Dinge machen?

Tobi: Es gab damals in den 90ern ja immer diese Realness-Diskussion, der wir uns allerdings schon immer entzogen haben. Aber ich glaube der Unterschied ist einfach 20 Jahre weiter Musik hören. Weil damals zum Beispiel waren Soul und Funk zwar auch Teil von HipHop, aber mehr ein Vehikel, als Sample. Und wir haben in den letzten 20 Jahren unseren musikalischen Kosmos jetzt so weit geöffnet, dass im Prinzip alles geht und eben nicht nur als Vehikel.

Bo: Damals war HipHop auch noch eine Subkultur, was heute ja nun auch nicht mehr so ist. HipHop ist größer denn je und auch wenn Straßenrap natürlich grad besonders präsent ist, ist auch die Bandbreite von Casper über Cro bis Jan Delay größer denn je. Die Leute sind generell offener und hören auch nicht mehr nur eine Musik, das ist schon eine andere Hörerqualität, die es so damals nicht gab. Damals hat man sich klar für HipHop entschieden.

GL.de: Wo du grad von Realness spricht. Als Curse zurück kam, gab es Krititk, er käme nur zurück, weil HipHop grad groß ist, auch die Beginner haben nicht nur positive Reaktionen bekommen. Macht man sich über so etwas Gedanken?

Tobi: Wir haben uns davon eigentlich frei gemacht.

Bo: Es ist eher so eine Spannung. Als Künstler ist doch so, dass das Album fertig ist und dann ist... es fertig. Und dann kommt irgendwann das Feedback und das ist das, was für uns spannend ist, weil das letzte Album so lange her ist. Ich glaube unsere Fans von früher werden derbe drauf flashen, interessant wird es, wie die neue Generation darauf reagiert. Aber wir sind keine Mathematiker und berechnend, dass wir sagen, wir machen das so und so, sondern haben sehr, sehr frei geflasht.

2. Was war der wichtigste Einfluss bei den Aufnahmen zum neuen Album?

Bo: Für mich Tobi.

Tobi: Wirklich wir gegenseitig. Weil wir uns immer wieder gegenseitig Sachen vorgespielt und so nach Inspirationen gesucht haben. Und wenn wir was gefunden haben, haben wir uns sofort an die Umsetzung gemacht. Manches war Quatsch, den wir gleich wieder weggeworfen haben, andere Sachen aber waren auch bemerkenswert, die so, wenn wir uns hingesetzt und ausgedacht hätten, nie entstanden wären.

Bo: Das Machen an sich war die Inspiration, losgelöst und ohne Definition haben wir viel mehr Tracks gemacht, als auf dem Album sind.

GL.de: Mit den kurzen Interludes sind 20 Tracks auf dem Album!

Bo: Das war auch eine neue Qualität, wir haben losgelassen und bis zu vier Skizzen am Tag gemacht. Einfach laufen lassen und wenn man gemerkt hat, dass es ein bisschen stagniert, hat man die Skizze losgelassen und was Neues gemacht. Und wir haben das so laufen lassen, bis dann genug Sachen da waren und wir gepickt haben. Wobei sich manche Sachen selbst aufgezwungen haben, so ein Song wie "SMS" zum Beispiel, der eigentlich unser Nemesis war, den haben wir auf dem letzten Drücker geschafft. Da haben wir endlos viele Strophen für geschrieben, die Idee war klar, dass wir mit klassischen Parts arbeiten wollten, um den HipHop-Background mit rein zu bringen, aber es war schwierig und wir haben es geschafft, es war unser Abschluss. Am letzten Produktionstag wurden wir fertig damit.

GL.de: Dann gab es auch keinen Plan, eine so musikalisch wie inhaltlich vielfältige Platte zu machen? Man erkennt euch zwar in jedem Moment, "Flash" ist schon typisch Fünf Sterne, aber es gibt chillige Sachen und welche, die nach vorne gehen, alberne und ernstere Stücke.

Bo: Es war sehr früh, dass wir gemerkt haben, dass die Arbeitsweise die alte ist und dadurch die eigene Handschrift wieder da ist.

Tobi: Die mussten wir gar nicht suchen.

Bo: Natürlich ist es eine andere Zeit mit anderen Einflüssen und wir sind da eher unbedarft rangegangen, offen und verspielt. Aber sag mal, wie findest du denn die Reihenfolge der Songs? Ist das zu sprunghaft?

GL.de: Ich finde es rund, es macht Spaß es durchzuhören.

Bo: Das war genau die Frage, wie bekommen wir es rund. Denn wir haben gemerkt, es ist sehr unterschiedlich ist und wir haben dann auf dem Album nicht die fünf stärksten Tracks nach vorne gepackt, denn es soll schon ein Hörgefühl entstehen. Das ist uns von meinem Gefühl sehr gut gelungen und schön, dass es dir auch gefällt. Hoffen wir, dass es ein Album-Album ist.

3. Warum sollte jeder eure neue Veröffentlichung kaufen?

Bo: Weil sie die Lebensqualität steigert. Es ist so viel Stress und Druck da draußen, es ist sehr viel Hass in den Schlagzeilen. Und "Flash" ist ein bisschen Liebe, ein bisschen Entschleunigung, ein bisschen Freiheit. Es flasht halt. Doch das ist ja die essenzielle Frage, ob sich die Leute heute noch flashen können, ob sie sich die Zeit nehmen, um sich damit auseinander zu setzen. Das wird spannend. Aber wir freuen uns, haben ein geiles Album und hoffen, dass die Leute es fühlen können.

4. Was habt ihr euch von eurer ersten Gage als Musiker gekauft?

Tobi: Ich habe mir tatsächlich ein Studio gekauft. Es war nicht die erste Gage, es war das erste Geld, was für unser allererstes Album von Der Tobi & das Bo bekommen haben. Und es war ein kleines Home Studio.

Bo: Es war 1992, beim Hot Hot Hot Festival in Elmshorn. Da haben wir mit fünf Leuten 250 Mark bekommen, also jeder 50 Mark. Ich glaub, ich hab mir Hasch davon gekauft.

5. Gab es einen bestimmten Auslöser dafür, dass ihr Rap-Musiker werden wolltest?

Tobi: Mein Bruder kam 1988 von einem Amerika-Austausch mit einem Rap-Tape zurück und für uns war das eigentlich komplett neue Musik. Klar, man kannte Run DMC oder Fat Boys, aber das war eben richtiger Rap, wir sind drauf steil gegangen und haben dann 1990 oder so auch angefangen, selber Rap zu machen. Allerdings noch auf Englisch.

Bo: Man war jung, hat Pop gehört und irgendwann kam das HipHop-Ding, bei mir mit einer Kassette mit Public Enemy und De La Soul. Und da war auf einmal eine ganz andere Qualität und Energie. Ich bin ja in Hamburg geboren, war in der Schanze in der Grundschule, eben ein Großstadtkind, und bin dann mit 12 auf's Dorf gezogen und Rap war im Grunde meine Großstadt, die ich mitgenommen habe. Durch die Isolation bin ich komplett auf Mucke hängen geblieben, immer nur HipHop, HipHop, HipHop. Und da hab ich dann auch 1990 angefangen, meine ersten Texte auf Englisch zu schreiben. 1992/1993 war ich dann auf einem Schulaustausch in Amerika und da wusste ich, mit meinem Schulenglisch brauch ich da gar nicht erst angekommen. Ich hatte aber eine deutsche Strophe und hab die da gedropt und alle "Oh shit, do it again, he got a German flow", das war halt besonders und so bin ich zum deutschen Rap gekommen. Das war witzig, weil es genau die Zeit war, nur in einer Art Parallel-Realität, als Die Fantastischen Vier hier das selbe Monumentum für deutschen HipHop hatten, wovon ich gar nichts mitbekommen habe. Und als ich wiederkam, bin ich relativ schnell Tobi zusammen gekommen, schon Ende 1993 haben wir unsere ersten Sachen gemacht. Das war schon eine andere Welt damals, eine ganz andere Vielfalt. Das war das Essenzielle am HipHop, jeder hatte seinen eigenen Style. Und genau das ist bei uns eben immer noch verankert.

6. Habt ihr immer noch Träume - oder lebt ihr den Traum bereits?

Bo: Was gerade passiert, war nicht abzusehen, ist aber traumhaft. Weil es unglaublich ist, was wir geschaffen haben, auch was Tobi für Strophen geschrieben hat. Das ist für mich schon außergewöhnlich. Als wir wieder angefangen haben, als Gruppe zu arbeiten, habe ich richtig gemerkt, wie eine alte Hirnregion wieder angesprungen ist.

GL.de: Ist es schwierig, wenn zwei Leute schreiben und daraus ein Song werden soll?

Bo: Es kann schwierig sein, aber bei uns hat es geil geflowt, das ist wirklich das Fantastische an der Situation.

Tobi: Wir waren 2013 das erste Mal wieder gemeinsam im Studio und es war sofort wieder diese Energie da, das Gefühl, dass zusammen etwas entsteht, was aus den Leuten nur rauskommt, wenn wir zusammen hocken. Seit dem ist schon einiges noch passiert und die Songs, die wir zuletzt produziert haben, sind schon zusammengehöriger, aber das Gefühl war von Anfang da.

7. Was war eure größte Niederlage?

Tobi: Vorband bei Die Ärzte.

Bo: Ich sehe das gar nicht als Niederlage an.

Tobi: Es war interessant, wir haben noch nie so viel Hass gespürt.

Bo: Wir haben gegen 3.500 Menschen gespielt. Und den anderen 3.500 Menschen war es scheißegal.

Tobi: Vier Leute fanden es gut. Die anderen haben sich hingesetzt.

Bo: Es war in Düsseldorf und ohne Ankündigung und für uns eine Vorbereitungs-Show auf die Festivals. Die Hälfte der Leute hat sich umgedreht, manche haben uns den Mittelfinger gezeigt und die Hose runter gezogen, aber wir haben einfach durchgezogen. Da wurden wir zu Diamanten geschliffen, weil wenn du gegen ein Publikum spielst und es durchziehst, kann dir nichts Schlimmeres mehr passieren.

8. Was macht euch derzeit als Musiker am glücklichsten?

Bo: Na ja, "Flash", das Album. Das ist was Besonderes, was einen neuen Lebensabschnitt einläutet und einen alten wieder mitbringt.

9. Welches ist das schlechtestes Rap-Lied, das je geschrieben wurde?

Bo: Das ist wieder die Frage, was ist Rap? Also ich würde sagen... Keine Ahnung (lacht).

10. Welcher Rapper - tot oder lebendig - sollte auf eurer Gästeliste stehen?

Tobi: Ich sag Redman.

Bo: Redman ist immer gerne gesehen, das ist smoother Dude. Ja, und Snoop Dogg, das ist so ein grundsympathischer geiler Freak. Ich glaube, mit dem können wir klar kommen.

Weitere Infos:
www.forceofthenorth.com
www.facebook.com/FuenfSternedeluxe
Interview: -Mathias Frank-
Foto: -Pressefreigabe-
Fünf Sterne Deluxe
Aktueller Tonträger:
Flash
(Warner Music)




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