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SIGUR ROS
 
Über das Instrument zum Song
Sigur Ros
Ob jemals wieder ein Album von Sigur Ros so eindrucksvoll in schönster Erinnerung des ersten Hörens bleiben wird wie "Ágaetis Byrjun", bleibt anzuzweifeln - damals hatte es einfach andere Voraussetzungen gegeben, man kannte die Band aus Island schlicht und ergreifend nicht, wusste nicht, was da auf einen zukommt und war genau deswegen so positiv überrascht. An das Nachfolger-Album "()" wurde dementsprechend anders herangegangen, sowohl auf der Band- als auch auf der Hörer-Seite. Beispielsweise hatten Sigur Ros vor der Studio-Session die Stücke live gespielt, diesmal, anlässlich der neuen Veröffentlichung namens "Takk...", war es anders, wie uns Bassist Goggi Holm erläutert: "Bei den Aufnahmen zur letzten Platte hatten wir das Gefühl, dass wir diese Songs eigentlich schon hinter uns gelassen hatten. Deshalb war es ziemlich hart, sie dann doch noch aufzunehmen. Die Platte, die dabei herausgekommen ist, finden wir keinesfalls schlecht, auch wenn sie sehr 'heavy' ist, aber das war halt die Atmosphäre, in der sie entstand. Diesmal konnten wir uns eine Zeit lang frei nehmen und als wir dann ins Studio gingen, standen wir vor dem interessanten Problem, keine Songs zu haben. Also mussten wir welche schreiben und dann sofort aufnehmen. Weil wir zudem alle sehr glücklich und energiegeladen waren, war die Ausgangssituation dieses Mal eine völlig andere. Der Prozess war auch nicht einfach, aber er war auf völlig andere Art und Weise kompliziert als beim Vorgänger."
Einfache Dinge scheint es ohnehin nicht im Sigur Ros-Universum zu geben - dennoch ist "Takk..." wohl die SR-Platte geworden, die gefährlich nahe an "normale" Song-Strukturen heranreicht, aber eben nicht ganz. Natürlich gibt es die typischen SR-Trademarks wie Soundwälle (gebaut aus entweder Gitarren oder Streich-Instrumenten), das Auf und Ab, die ruhigen wie die stürmischen Passagen, und natürlich die einzigartige Stimme. Diesmal allerdings wird auf Isländisch gesungen, und nicht wie zuvor in der Phantasie-Sprache Hopelandic, und mit "Gong" gibt es sogar fast einen richtigen Pop-Song. So schnell die Platte auch entstand - besteht nicht die Gefahr, auf Tour neue Möglichkeiten zu entdecken, die man - mit etwas mehr zeitlichem Abstand - auch schon auf der Platte hätte verwirklichen können? "Bei unserer Musik und der Art, wie wir sie live spielen, gibt es immer Raum für Verbesserungen", meint Goggi. "Wir sind sehr glücklich mit der Platte und ich glaube, sie ist perfekt so wie sie ist. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass wir sie uns in einigen Jahren anhören und denken: 'Uh, das hätten wir aber besser anders gemacht.' Sie ist, was sie ist! Trotzdem ist es sogar schon jetzt, wo das Album noch gar nicht draußen ist, so, dass wir einige der Stücke live ein wenig anders spielen. Unser Hauptaugenmerk liegt nun auf anderen Parts der Songs. Außerdem mussten wir die Stücke natürlich so umformen, dass es überhaupt möglich ist, sie live zu spielen, nachdem wir sie ja ausschließlich im Studio geschrieben haben." Was ist der größte Unterschied zwischen den Songs, die auf Tour bzw. im Studio entstehen? "Wenn wir Songs auf Tour schreiben, benutzen wir nur die Instrumente, die eh auf der Bühne sind, auf fast schon traditionelle Weise", erläutert er. "Es geht dann viel mehr darum, innerhalb dieser Grenzen das Bestmögliche zu erreichen. Allerdings benutzen wir neuerdings viel häufiger Sampler auf der Bühne als das früher der Fall war. Wir haben einige der neuen Stücke gesamplet und spielen während der Liveshow dazu. So bekommen die Zuschauer eine 'korrektere' Version des Songs zu hören. Im Studio haben wir mehr Möglichkeiten. Wir waren auf einem Flohmarkt in New York und sahen ein Vibraphone. Das mussten wir natürlich sofort haben! Also haben wir es gekauft und nach Island verschifft. Dadurch sind mindestens zwei Songs auf der neuen Platte entstanden. Dann hörten wir von einem Instrument namens Celeste und man sagte uns, Björk habe eine. Also liehen wir sie uns aus und wieder entstand ein neuer Song. Wir haben einfach ein wenig damit herumprobiert."
Sigur Ros
Obwohl man normalerweise davon ausgeht, dass es bei Sigur Ros keinerlei Grenzen zu geben scheint, haben solche Limitierungen doch aber auch ihren Vorteil, oder nicht?!? Goggi: "Ja, natürlich ist es manchmal gut, dass es Grenzen gibt. Für zumindest einen der neuen Songs existierten fast 200 Tonspuren! Das war natürlich lächerlich, aber letzten Endes benutzt du ja nicht alle, sie geben dir allerdings beim Mixing die Chance, auszuwählen. Unser eigenes Studio hat allerdings auch seine Grenzen. Manchmal weichen wir auf digitale Aufnahmen aus, vor allem für die 'extra bits', aber wir benutzen die alten Bandmaschinen wo immer es geht. Neu war bei dieser Platte auch, dass wir mehr Stücke zur Auswahl hatten, als wir auf der Platte unterbringen konnten. Das ist uns zuvor auch noch nie passiert! Dieses Mal hatten wir das Gefühl, dass wir zu Ende bringen wollten, was wir begonnen hatten und wir wollten etwas mit dieser Platte sagen." Mit "Takk..." veröffentlichen Sigur Ros ihren ersten Longplayer auf EMI, zuvor hatte es zum Einstand die "Ba Ba Ti Ki Di Do"-EP (eine Auftragsarbeit für die Merce Cunningham Dance Company) gegeben. Ist die neue Platte "nur" das nächste Sigur Ros-Album oder etwas Besonderes - vielleicht auch wegen des neuen Platten-Vertrages? Goggi: "Es ist schon so, dass wir uns beim Mastering hingesetzt und gesagt haben: 'Wow, das ist ziemlich gut!' Ich bin nicht ganz sicher, was die Platte zu etwas Besonderem macht, aber ich denke, in gewisser Weise vereint sie das Beste der beiden vorangegangenen Platten. Die Platte hat eine Menge Energie und sie ist sehr farbenfroh. Es passiert einfach eine Menge darauf. Es hat viel Spaß gemacht, sie zu machen und ich denke, es macht auch eine Menge Spaß, sie zu hören!" Apropos Mastering: Auch auf diesem Gebiet ist die Band neue Wege gegangen. "Wir haben einzelne Tracks an verschiedene Mastering Studios in aller Welt verschickt und haben sie uns angehört, als sie zurückkamen, ohne zu wissen, von wem sie waren", verrät Goggi. "Der Sound, der uns am meisten gefiel, kam von Ted Jensen in Amerika. Also dachten wir uns: Wenn das schon so gut klingt, ohne dass wir dort waren, um Anweisungen zu geben, lass uns hinfahren und mit ihm zusammen daran arbeiten. Es war ziemlich aufregend, fürs Mastering in die USA zu fahren, denn dort geht man den Prozess völlig anders an als in Europa: Alles ist viel lauter und 'more pumping'. Wir haben uns richtig in Ted Jensen verliebt! Er war großartig, alles, was er machte, war einfach phantastisch! Er ist ein Genie!" Der Albumtitel "Takk..." hat die Band beinahe schon in Teufels Küche gebracht... Goggi: "EMI hat Vorabversionen an die Presse verschickt, auf denen statt eines Titels 'final album' stand, obwohl es eigentlich nur 'final mix' hätte heißen sollen. Als sie dann hinterherschickten, dass die Platte nun 'Takk...', also 'Danke' heißt, dachten alle, dies sei unsere letzte Veröffentlichung."
Weitere Infos:
www.sigur-ros.co.uk
www.hafssol.co.uk
www.thespymachine.net
www.capitolmusic.de/xml/1/3252262/index.html
Interview: -Martin Nowak-
Fotos: -Pressefreigaben-
Sigur Ros
Aktueller Tonträger:
Takk...
(Capitol/EMI)




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