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KEITH CAPUTO
 
Expect The Unexpected
Keith Caputo
Anlässlich des Auftaktes der "Rolling Stone Roadshow", auf der er als Headliner im Paket mit den beiden britischen Newcomerbands Coldplay und Toploader auftrat, trafen wir in Hamburg einen äusserst gut aufgelegten Keith Caputo. Während des Interviews gesellte sich dann auch noch Schlagzeuger Steven Wolf (ein guter Freund Caputos, wie sich herausstellte) hinzu. Bei Tee und Zigaretten auf einem recht verwarzten Sofa ergab sich eine recht angeregte und entspannte Plauderei.
Dein Frühlingsalbum "Died Laughing" war ein ziemlicher Erfolg. Selbst eine Menge Leute, die dich vorher noch nicht kannten, waren begeistert und entdeckten Life Of Agony erst auf diesem Weg. Hat Dich der Erfolg der Scheibe sehr überrascht?

Caputo: "Ich rechne immer mit allem und denke, die Leute in meinem Umfeld glauben an was ich tue. Sie erwarten bestimmte Dinge, aber wenn sie dann etwas völlig anderes bekommen, reagieren sie erstaunt aber gleichzeitig aufgeschlossen. Ich versuche immer einen möglichst grossen Blumenstrauss anzubieten. Ich möchte mein Herz ausschütten, aber niemanden ausnehmen dabei. Meine Musik erlaubt, dass Menschen sich näher kommen, Kontakt zueinander finden. Ich möchte verschiedene Welten zueinander führen durch meine Musik oder Musik, die durch mich transportiert wird. Ich würde es nicht einmal immer als meine Musik bezeichnen. Manchmal funktioniere ich wie ein Filter, welcher kosmische Energien bündelt und bin sehr dankbar für diese Gabe. Manchmal ist es ein fast demütiger Prozess, benutzt zu werden von der geheimnisvoller Musik, um Menschen eine Idee, ein Gefühl von Mut und Selbstbewusstsein zu geben. Sie sollen sie einatmen und sich inspirieren lassen, der Welt mehr Kreativität zu schenken. Das ist meine Religion und jeder kann sie teilen. Ich glaube Life Of Agony war eine ziemlich kategorisierte Geschichte. Ich bin aber im Begriff dort wieder einzusteigen und mit ihnen ein neues Album aufzunehmen. Ich weiss, dass ihr das jetzt gerne hört - ich habe einfach mal zurückgeschaut und gesehen, dass es schon hätte weiter klappen können. Ich möchte also der Sache einen neuen Start geben. Wir sind alle noch am Leben - warum also nicht? Es wird eine Menge Menschen freuen, wird sehr intensiv und harmonisch werden. Weißt du, in der Zeit, als wir getrennte Wege gingen, gewannen wir wieder den nötigen Respekt und die Achtung füreinander. Du merkst erst dann richtig was du an jemandem hattest. Es war für mich nur zuletzt nicht mehr immer ehrlich genug und so musste ich diesen Schnitt wagen. Ich will nicht nur auf Tour sein um des Geldes wegen. Wir hatten monatelang ausverkaufte Shows. Ich sagte 'Fuck off', Agenturen riefen täglich an, ich wollte niemanden enttäuschen, aber ich wusste, wie ich mich fühlen würde, wenn es so weiterginge. So tat ich das einzig ehrliche mir gegenüber und bin immer noch überzeugt, dass es die weiseste Entscheidung war zu dem Zeitpunkt. Es mag sehr viele Leute enttäuscht haben, aber ich glaube sie haben gemerkt, dass es um meine Wahrheit ging und haben es am Ende auch verstanden. Sie wussten zu schätzen, dass ich mich dagegen entschied, auf die Bühne zu gehen und zu sagen: 'Ok...' [gelangweilter Unterton]. Ich fühlte mich zuletzt zu introvertiert auf den Konzerten und konnte mich nicht so öffnen und zeigen wie ich bin. Ihr habt in der Vergangenheit das beste und das schlechteste an mir erlebt. Rechnet immer mit dem Unerwarteten."

Du hast eine grosse Anzahl Shows gespielt dieses Jahr. Headliner und Support, akustisch, sowie mit Band, warst Opener in Roskilde usw... Ich denke an ein Konzert in Düsseldorf zurück, auf dem Rufe im Publikum zu vernehmen waren nach mehr Krach ("Go on rockin'"). Was geht Dir in solchen Momenten durch den Kopf?

Caputo: "Die Leute schreien nach etwas, was ich ihnen in dem Moment nicht geben kann. Ich bin nicht dort, um jeden einzelnen zufrieden zustellen oder irgendetwas nur ihnen zuliebe zu tun. Ich stehe da, um mein Anliegen, meine Sache rüberzubringen. Ich komme auf der Bühne in Kontakt mit Dingen, die nur möglich sind, während ich dort stehe. Es bringt mich näher zu etwas, was man vergleichen kann vielleicht mit dem Thunderdancing oder dem Raindancing. Ich möchte nicht bedienen oder gedrängt werden. Manchmal mag ich es, verdammt zu werden, kann und will es nicht jedem Recht machen aber es stört mich nicht."

Als Du nach der Trennung in Dich gegangen bist, sinniert hast und es schliesslich auch auf "Died Laughing" verarbeitetest, fiel auf, dass wiederholt Trouble mit Frauen in den Texten auftauchten...

Caputo: "Oh, ich bin eigentlich nur ziemlich offen, was das betrifft. Wir haben alle Probleme mit Frauen oder mit Männern. Wir sind allesamt kompliziert. Wenn Du eine Schwierigkeit mit einer anderen kombinierst, fordert es geradezu heraus, dass du jemanden findest, dem du wirklich vertrauen kannst...

Wolf: "Ich glaube im Moment hat bei uns in der Band nur der Gitarrist KEIN Problem..."

Keith Caputo
Caputo: "Ja, genau - ich glaube, wir sind Ladyguys, keine Arschlöcher. Nach ein paar Monaten merken sie immer, dass wir gar nicht die harten Kerle sind, die sie sich vorgestellt hatten. Wir erlauben ihnen zu erfahren, welche Knöpfe sie bei uns betätigen müssen, kontinuierlich oder eher zufällig und sie finden den Weg, diese zu benutzen. Jede dieser Erfahrungen ist wiederum Vorbereitung für eine nächste Erfahrung mit einer Frau, die Dein Leben betritt. Irgendetwas sagt mir zudem 'Keith, sei vorsichtig im Moment...'."

Wolf: "Es war die letzte Weisheit, die mir meine Mutter mit auf den Weg gab, bevor sie starb. Schaue Dir die Frau immer erst genau an, bevor Du etwas ernsthaftes beginnst. Ich habe nie auf meine Mutter gehört...".

Caputo: "Dabei ist sie die wichtigste Frau..."

Bereits auf dem letzten LOA-Album waren softere, melancholischere Tracks zu finden. Entsprangen diese alleine Deiner Inspiration?

Caputo: "Du meinst sicher 'Angry Tree'? Ja, es hatte zu der Zeit sicher auch mit meinem Vater zu tun, wohin er sein Leben oder wohin das Leben ihn getrieben hat. Auch wie er damals mit sich selbst umgehen konnte...oder auch eben gerade nicht umgehen konnte. Er ist jetzt 55 und durch so viel Scheisse gegangen...ich selbst kann mir vieles davon nur sehr schwer vorstellen. Ich bin durch mit all den Zusammenbrüchen und dem Dreck, durch den er ging. Es ist ein Leiden, welches sich über lange Zeit hinzieht, aber sich verarbeiten lässt in der Musik, die ich mache."

Im Zusammenhang mit Deiner Musik fällt auffällig oft der Name Jeff Buckley...

Caputo: "Ja, das stimmt! Viele Leute vergleichen mich mit Buckley. Ich glaube, es ist unfair...aber natürlich sehe ich es als ein Kompliment. Unfair meine ich, weil die Musikgeschichte generell sich immer wieder wie ein Rad im Kreis dreht. Alle Menschen, die sich damit beschäftigen, Dinge erlauben oder erfahren, um sie wiederzugeben, gehen auch verschieden damit um. Ich versetze mich vielleicht eher in das, von dem ich glaube zu wissen, wie Lennon es getan hätte und bleibe dabei trotzdem meinem eigenen Weg treu. Nimm Songs wie 'Honeycomb' , 'New York City' oder auch 'Selfish', in denen ich mich ein wenig an ihm aufhänge. Aber versuche ich damit dasselbe zu tun, was er tat? Es ist eher eine Referenz denn Kopie."

Wolf: "In meinen Augen passt der Vergleich mit Buckley gar nicht mal so sehr. Nach der ersten Tour mit Keith erinnerte er mich eher an jemanden irgendwo in der Mitte zwischen Kurt Cobain und Jim Morrison. Morrison während der LOA-Zeit und später dann selbstreflektierend wie Cobain es oft war. Ich sehe es nicht so in die Richtung eines Jeff Buckley gehend."

Keith Caputo
Caputo: "Das ist auch ein Grund für mich, es auf eine gewisse Weise als unfair zu empfinden und fasse es dennoch auf der anderen Seite als Kompliment auf. Er [Wolf] ist mir sehr nahe und kennt mich dementsprechend gut aus vielen, oft stundenlangen und tiefgehenden Gesprächen. Wir leben zusammen, teilen keine Oberflächlichkeiten in unseren Unterhaltungen. Lieber sprechen wir dann gar nicht. Tiefgang oder Stille sind die Dinge, die wir teilen. Er kennt mich sehr, sehr gut. Unsere Adern sind auf eine gewisse fremde und altertümliche Art magisch. Wir bewegen uns in denselben Gewässern. Die ganze Band ist eigentlich so eine sehr emotionale Gemeinschaft. Besonders auf der (Support-)Tour mit Travis im Frühjahr entzündeten wir gegenseitig etwas in uns, woran wir uns ein Leben lang festhalten, was wir bewahren können. Egal, wie lange wir in dieser Formation zusammen sind. Wir geniessen auch den Moment ohne grosse Erwartungen an die Zukunft, was sicher auch mit ein Grund dafür ist, dass die Dinge so gut laufen für uns."

Wolf: "Ich will es eigentlich nicht vergleichen, aber nimm zum Beispiel Led Zeppelin auf deren Alben und in der Live-Situation: Jede Nacht eine andere Show. Mit Keith erlebe ich das erste Mal etwas ähnliches. Er ist so frei im Kopf zu sagen 'Jungs, nehmt das Album als eine Art geistigen, spirituellen roten Faden und macht etwas daraus! Spielt was immer ihr fühlt.' In der aktuellen Zusammensetzung funktioniert diese Idee hervorragend. Wir lassen einander eine Menge Freiheiten auf der Bühne. Natürlich gibt es immer wieder Punkte, an denen wir uns an ihm orientieren und denken, was wohl als nächstes passieren wird. Es ist aber eine sehr organische Situation. Keith kann gegebenenfalls auch sehr kämpfen, um sich auf dieses Level zu begeben, wenn die Atmosphäre mal nicht so ist, wie wir sie gerne hätten. Jede Show ist verschieden und das ist etwas sehr spezielles."

Erinnert ihr euch an die Show vor kurzem in Hamburg auf dem GAMA 2000 (Verleihung des ersten deutschen Alternative Music Awards - siehe auch Bericht in den Live-Reviews)? Ein für die meisten Beteiligten denkwürdiger Abend...

Wolf: "Oh ja...was für ein Trip. Wir waren erst mal viel zu früh da, warteten und warteten...hatten einen Soundcheck ohne Wert, denn beim Auftritt war der Sound dann komplett anders als vorher. Es war einfach alles ziemlich fürchterlich. Eine Menge Leute schauen Viva und sie wollten das ausstrahlen [beide verziehen dezent gequält das Gesicht]. Wir haben zumindest versucht, es zu verhindern, aber ich weiss nicht, was daraus geworden ist."

Gibt es nach dem aktuellen Album irgendwelche Pläne für neue Songs auf einem Solo-Album? Weitere Coverversionen vielleicht wie zuletzt "Why" von Annie Lennox?

Caputo: "Oh ja, ich denke über eine Menge neuer Ideen nach, aber es ist noch nichts richtig konkretes dabei. Ich versuche Kopf und Bauch zusammenzubekommen auf einen Punkt, aber es ist fürchterlich, zu viele Pläne zu machen. Ich fühle mich nur wohl in dieser altertümlichen Stille und Gelassenheit Hollands, speziell in Amsterdam. Dort fühle ich mich wie eine Figur aus dem 17. Jahrhundert...New York ist weit weg, ich war fast mein ganzes Leben dort, aber ein Teil in mir will diese Veränderung. Es passiert, aber alles was passiert, geschieht langsam. Wenn Du Dinge zu sehr vorantreibst, klappt es viel zu oft nicht so, wie Du es Dir wünschst. Es ist relaxed, ich kann mir Zeit nehmen für all die Dinge. Ein neues Album wird aber keine reine Akustiksache sein. Wir haben das gemacht, weil so viele Leute unsere Homepage besuchten und danach fragten. Das entging dem Management natürlich auch nicht und sie sagten: 'Wir müssen das tun und...blablabla' - so geschah es dann eben. Wir nehmen es als eine weitere Erfahrung im Studio, akustische Tracks miteinander aufzunehmen und werden uns aber wieder anderen Dingen zuwenden.

Weitere Infos:
www.keithcaputo.com
Interview: -Michael Kellenbenz-
Fotos: -Roadrunner-
Keith Caputo
Aktueller Tonträger:
Died Laughing Pure
(Roadrunner Records)


Keith Caputo

 
 

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