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JACK ENDINO
 
Irgendwie Grunge
Jack Endino
Jack Endino hat seinen Platz in den musikalischen Geschichtsbüchern schon lange sicher. Schließlich war er ein überaus wichtiger Bestandteil der Grunge-Epoche in den Neunziger Jahren, in denen er Alben von unter anderem Nirvana, Soundgarden, Mudhoney und der Screaming Trees produzierte. Doch schon zuvor war Endino aktiv, erst mit seiner Band Skin Yard, anschließend veröffentlichte er zwei Solo-Alben. Ein drittes ist seit vielen Jahren geplant und seit 1993 in Arbeit. Doch erst jetzt erscheint "Permanent Fatal Error".
"Was in den letzten zwölf Jahren passiert ist? Das Leben und der Tod sind passiert", erzählt Endino im Gespräch mit Gaesteliste.de. "Ich bin ein erfolgreicher Produzent geworden und habe es genossen, durch die ganze Welt zu reisen und Platten aufzunehmen. Dann wurden meine Eltern alt und krank und ich musste mich um sie kümmern. Außerdem fand meine Ehe ihr Ende und ich habe Freunde durch Unfälle, Selbstmorde und Überdosen verloren. Tja, und dann kamen der 11. September und Bush. So war es für mich sehr schwer, kreativ und optimistisch zu sein. Zwar habe ich immer weiter geschrieben und aufgenommen, doch erst in den letzten drei Jahren war ich wieder wirklich inspiriert, Rockmusik zu machen." So schrieb er also und schrieb und ist nun nach all den Tragödien wieder so etwas wie glücklich. "Ich fühle eine große Befriedigung, wenn ich das Album höre. Denn es ist exakt die Scheibe, die ich machen wollte. Doch erst als ich sie mir im Ganzen anhören konnte und dabei nach all den Jahren und der Arbeit wirklich aufgeregt und glücklich war, wusste ich, dass sie fertig ist. Ich hoffe nur, dass sie anderen Leuten auch gefällt."
Davon darf man ausgehen, denn Endino hat ein schlicht tolles Album gemacht, deren Inhalt man vielleicht sogar als Grunge bezeichnen kann. Es ist mal Rock N Roll, mal Punk und meistens beides. Schmutzige Riffs treffen auf wundervolle Melodien, Endino singt dazu mit einer Stimme zwischen Wyndorf, Lanegan und Lemmy und wenn er sagt, ihn haben einige Bands inspiriert, mit denen er in den letzten 15 Jahren zusammen gearbeitet hat, glaubt man ihm das nicht nur sofort, man hört es tatsächlich auch. "Es ist ihre Energie, die mich beeinflusst hat. Allerdings machte es das für mich auch schwerer, denn ich hatte ständig das Gefühl, dass ich für mich persönlich ein ähnlich starkes Album machen müsste, wie ich es für die Bands getan habe." Um das zu tun, arbeitete er unter anderem mit seinen ehemaligen Skin Yard-Kollegen Barrett Martin (später bei den Screaming Trees und Mad Season) und Pat Pedersen zusammen. "Es war natürlich ein ungeheures Vergnügen, mit ihnen Musik zu machen. Denn die beiden sind großartige Typen und exzellente Musiker, die genau verstehen, was ich möchte. Zusammen haben wir ein paar Songs gemacht, die wie Skin Yard klangen, aber als ich dann meine Stimme dazu gab, wurde daraus Jack Musik. Genau wie auch bei meinen ersten beiden Solo-Alben, wobei sich dieses doch mehr nach einem richtigen Band-Album anhört." Diese Jack Musik ist ungemein abwechslungsreich und spannend, schnelle Songs wie der Album-Opener "Count Me Out", das brazzige "Bait" oder "Get Out" vermischen sich mit schleppenden, groovenden Nummern wie "Strangelove" oder "Schwang". Und auch die Stimmung des Albums wechselt immer wieder. "Manches ist schon sehr ernster Kram", meint Endino. "Vieles in den Neunzigern war kein wirkliches Vergnügen, also habe ich meinen Ärger und meinen Frust in den Songs verarbeitet. Das war übrigens auch noch ein Grund, warum das Album nicht fertig wurde. Ich hatte anfangs nur diese träge Musik, ich brauchte noch ein paar schnellere Songs, damit die Ballance stimmt."
Jack Endino
Produziert hat er natürlich persönlich und hatte somit mit sich selbst zu tun. "Ja, es gab eine Menge Probleme zwischen dem Produzenten Endino und dem Musiker Endino", erinnert er sich. "Denn der Produzent war nie mit dem Musiker zufrieden und verlangte von ihm, manche Dinge immer und immer wieder zu tun." Doch Endino hat in beiden Positionen seinen Spaß und möchte sich nicht wirklich für einen Job entscheiden. "Als es Skin Yard noch gab, war ich immer der Meinung, ich wäre in erster Linie Musiker, und zwar auch noch, als Grunge explodierte und der Rest der Welt entschied, ich wäre der 'Godfather of Grunge Produzent'. Doch nach 15 Jahren, in denen ich ausschließlich produziert habe, sehe ich mich als beides. Aber trotzdem ist live auf der Bühne zu stehen - ganz egal in welcher Band - das größte Vergnügen, das ich mir vorstellen kann und das ich so oft wie möglich mache." Ob er das in naher Zukunft auch mal in Europa tut, um seinen "Permanent Fatal Error" live zu präsentieren, ist leider nicht so sicher. "Wenn das Album gut läuft, würde ich drüber nachdenken, aber als kleine Rockband durch Europa zu touren ist einfach zu teuer. Ich liebe es, live zu spielen, aber nicht so sehr, dass ich dafür soviel Geld verliere. Das habe ich mit Skin Yard genug gemacht."
Weitere Infos:
www.jackendino.com
Interview: -Mathias Frank-
Fotos: -Pressefreigaben-
Jack Endino
Aktueller Tonträger:
Permanent Fatal Error
(Wondertaker/Cargo)




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