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NEW MODEL ARMY
 
Gefühle und Momente
New Model Army
In diesem Jahr feiert eine Band, die besonders hier in Deutschland eine große und treue Anhängerschaft besitzt, ihr 20jähriges Jubiläum - New Model Army. Sie sind in erster Linie eine Live-Band, und wer einmal bei einem NMA-Konzert dabei war, kennt die unglaublichen Emotionen, die Justin Sullivan mit seinen Leuten beim Publikum hervorrufen kann. Legendär sind nach wie vor die Menschen-Pyramiden, die auch die hinteren Reihen nicht kalt lassen. Kurz vor ihren beiden Jubiläums-Gigs in Köln hat die Gästeliste mit Justin Sullivan gesprochen.
Gästeliste: 20 Jahre New Model Army auf der Bühne - die beiden Konzerte in Köln sind ein Teil der Jubiläumsfeier. Habt ihr euch für die beiden Abende etwas besonderes ausgedacht?

Justin Sullivan: Auf jeden Fall werden wir ein paar besondere Gäste mit auf der Bühne haben. Ed Alleyne Johnson und Mark Feltham, die einige Songs von New Model Army mitgeprägt haben, werden mit dabei sein. Was sonst noch passieren wird, wissen wir zur Zeit selbst noch nicht. Eines können wir jedoch schon verraten: Es wird keine andere Band mit dabei sein. An jedem Abend werden wir zwei komplette Sets spielen. Und die beiden Nächte werden sich auch noch mal komplett voneinander unterscheiden. Insgesamt werden wir wohl so 50 bis 60 Songs in Köln auf die Bühne bringen.

GL: 20 Jahre New Model Army - wo waren die Höhepunkte? Erzähl doch mal eine Geschichte, die Dir immer in Erinnerung bleiben wird.

JS: Oh, Höhepunkte... Das waren viel zu viele. Aber das Bizarre-Festival auf der Loreley 1987, das war etwas ganz Besonderes. Die Atmosphäre war einfach ganz was Besonderes. Aber da waren einfach zu viele von diesen überaus schönen Momenten.

GL: Du hast mal gesagt: Lieder sind Lieder. Sie sind keine Definition, sondern beschreiben nur ein ganz bestimmtes Gefühl in einem ganz bestimmten Moment. Wenn wir uns nun NMA anhören - hören wir uns dann Deine Gefühle an, die Du zu einem bestimmten Zeitpunkt hattest?

JS: Ja, ich denke schon. Was ich damit meinte ist, dass Lieder keine philosophischen Aussagen sind. Das scheint die Leute jedoch zu verwirren, denn ein Teil von NMA scheint sehr philosophisch zu sein, mit sehr kräftigen politischen Aussagen. Ich denke, dass NMA da sehr zwiespältig ist.... Ich denke, dass Gefühle immer einen Gegenpart haben. So habe ich mich nicht davor gefürchtet einen Song zu schreiben, der das genaue Gegenteil von einem anderen Song ist. Denn rein emotional fühle ich an verschiedenen Tagen verschiedene Dinge für ein und dieselbe Sache. Aber ich denke, dass tut jeder. Trotzdem denke ich, dass es schwer zu begreifen ist. Denn meist ist es doch so, dass eine Band faszinierend ist, weil sie sich der Öffentlichkeit sehr zynisch und dunkel präsentiert. Oder sie repräsentiert in der Öffentlichkeit Hoffnung und den Glauben an die Menschheit. Und NMA hat niemals in eine dieser beiden Kategorien gepaßt. Und ich denke auch nicht, dass NMA die eine oder die andere Seite repräsentieren muss. Aber gerade das macht es auch schwer die Platten einer Band zu verkaufen.

GL: Aber ich denke nicht, dass ihr Probleme habt, eure Platten zu verkaufen.

JS: Nein, eigentlich nicht. Jede NMA CD enthält verschiedene Stimmungen. Und das ist einfach nicht üblich. Die meisten Bands werden aus einer bestimmten Stimmung heraus gebildet, damit sie genau diese Stimmung widerspiegelt. Bei NMA ist das anders. Man kann sich keine ganze NMA CD anhören, weil sie wie eine Reise sind - von einer Stimmung in die nächste. Aus diesem Grund macht NMA auch keine Hintergrundmusik.

GL: Man soll sich also auf die Texte konzentrieren?

JS: Ja. Wenn Du Dir eine NMA CD anhörst, dann ist das so, als ob Du Dir einen Film ansehen würdest. Du mußt Dich komplett fallen lassen. Es ist keine Sache, die im Hintergrund daher plätschert.

GL: Mal eine ganz andere Frage: Wo paßt NMA in die heutige Musikszene? Paßt NMA überhaupt irgendwo in die Musikszene?

JS: Ich weiß es nicht, aber es interessiert mich auch nicht. Wir haben niemals in die Szene hineingepasst. Als wir Ende der 80er Jahre zum Beispiel sehr Folk-lastig waren, wollte fast niemand Folk hören. Und als es Mitte der 90er Jahre eine Folk-Welle gab, da waren wir schon längst wieder davon weg. Wir haben niemals probiert Mainstream zu machen.

GL: Manchmal macht NMA klare politische Aussagen. Was ist Dir wichtiger: Die Musik oder die Texte?

JS: Auf jeden Fall die Musik. Ich bin kein Politiker. Zum Glück bin ich kein Politiker. Ich denke nämlich nicht, dass die Politik eine Definition der Welt ist, sondern eher eine Untersuchung darüber, wer die meiste Macht hat. Das schaue ich mir immer sehr genau an und manchmal schreibe ich auch darüber. Und ich glaube auch, dass uns das den Erfolg in Deutschland gebracht hat. NMA steht einerseits für die harte Realität und andererseits für Romantizismus. Und ich denke, dass das mit der deutschen Mentalität übereinstimmt. Deutsche sind in vielen Dingen sehr direkt, aber in machen Dingen auch sehr romantisch. Das ist sehr gegensätzlich und ich denke, dass sich eben diese Gegensätze auch durch unsere Musik ziehen.

GL: "You Weren't There" - ein sehr langsamer Song mit einer klaren Aussage. Was hat Dich inspiriert, diesen Song zu schreiben?

JS: Er hat sich quasi von selbst geschrieben. Ich liebe Songs, die sich von alleine schreiben. Im Grunde genommen geht es darum, dass man immer denkt, dass man weiß, was in der Welt passiert, weil man sich die Nachrichten ansieht. Aber in Wirklichkeit hat man eigentlich keine Ahnung, wie es wirklich da draußen aussieht. Wie zum Beispiel im Kosovo..... Wie es dort genau gewesen ist, können wir alle nicht sagen, weil wir nur Mund zu Mund Propaganda gehört haben. Die Nachrichten erzählen mehr über die Menschen, von denen sie gemacht werden und das Land in dem sie produziert werden, als über die Neuigkeit selbst.

GL: In den 20 Jahren hat NMA acht Studio- und zwei Live-Alben veröffentlicht, die Fans besitzen meistens aber weit über 10 Platten, größtenteils sind es Bootlegs. Ich habe gehört, dass Du Dich über Bootlegs nicht aufregst?!?

JS: Das stimmt. Ich denke nämlich nicht, dass die Fans Bootlegs anstelle von Studioalben kaufen. Viele Leute, die zu unseren Konzerten kommen, hätten gerne das Konzert für immer in Erinnerung. Und wenn wir kein Album rausbringen mit eben diesem Konzert, dann tut es halt jemand anderes. Wenn wir zum Beispiel ein Radiokonzert spielen, dann nimmt das meist jemand auf und brennt es dann auf CD. Ich denke, dass es viel schlimmere Dinge als Bootlegs gibt. Zum Beispiel MP3s. Eine Band verbringt mehrere Monate im Studio, um ein Album aufzunehmen und niemand bezahlt dafür - das ist doch wirklich nicht fair. Denn schließlich brauchen auch Musiker etwas zu essen - also muss und jemand für unsere Arbeit bezahlen und unsere Alben kaufen. Wir werden sehen, was in der Zukunft passieren wird, wenn jeder einen Computer hat und es für jeden möglich ist, MP3s aus dem Netz zu holen. Es ist halt eine merkwürdige Welt, in der wir mittlerweile leben. Wenn man sich Magazine ansieht und Zeitung liest, dann glaubt man, dass jeder auf der Welt den ganzen Tag vor dem Computer sitzt. Aber den Schlaf raubt mir die ganze Geschichte um die MP3s nicht, denn irgendwie finde ich es auch gut, dass die Musikindustrie zum Umdenken gezwungen wird.

GL: Wann und warum hast Du Dich dazu entschlossen, ein Solo-Projekt zu starten?

JS: Ich habe das eigentlich schon immer gemacht. Es begann damit, dass ich ein paar Songs nur für eine Akkustikgitarre geschrieben habe. Manchmal war ich dann mit verschiedenen Musiker auf Tour und dann gibt es da ja auch noch Red Sky Coven. Mein Part bei Red Sky Coven ist ja auch ein Solopart. Und ich denke, dass es völlig normal ist, mal nicht zusammen mit der Band aufzutreten. Die Atmosphäre, die Du alleine hervorrufen kannst, unterscheidet sich von der, die Du mit der Band machst. Und beides ist für mich gleich schön. Solo kann ich auch in Länder reisen, in denen ich zusammen mit NMA nie aufgetreten bin. Auf Tour sind wir mit dem Red Sky Coven-Projekt schon seit zehn Jahren. Im Januar werden wir auch wieder in Deutschland sein. Auf jeden Fall wird es eine sehr eigenartige Show werden. Ich bin dabei, Joolz, der Poet, ist dabei und Red Hammer gehört auch noch dazu. Seit über 20 Jahren sind wir die besten Freunde. Joolz wird Gedichte vortragen und Geschichten lesen, ich werde einige Solo-Stücke auf die Bühne bringen und Red wird ebenfalls singen und Geschichten erzählen. Einer nach dem anderen werden wir aufstehen und uns gegenseitig auf der Bühne ablösen. Wir sind zwar sehr verschiedene Künstler, doch einen Wettbewerb wird es zwischen uns niemals geben. Keiner von uns ist der Headliner, wir sind alle gleichgestellt. In Deutschland hatten wir bisher sehr viel Erfolg, was wir nicht vermutet hätten. Die Show ist nämlich eine englische Show, mit viel englischem Humor und sehr vielen englisch gesprochenen Texten.

GL: Vielen Dank für das Interview!

JS: Gern geschehen!

Weitere Infos:
www.newmodelarmy.org
Interview: -Esther Mai-
Foto: -Pressefreigabe-
New Model Army
Aktueller Tonträger:
Eight
(Zomba)


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