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CUBA MISSOURI
 
Traurig macht glücklich
Cuba Missouri
Es tut sich was in Münster. Denn hier sind nicht nur Muff Potter und die H-BlockX beheimatet, auch die Herren von Cuba Missouri haben hier ihre Herkunft. Und die sind derzeit mächtig beschäftigt. Nicht nur, dass sie jüngst ihr überaus tolles Album "This Year's Lucky Charms" veröffentlichten, sie machten auch den Support für die derzeit so gefeierten Two Gallants, die neuesten Superstars aus dem Saddle Creek-Stall.
Während andere Bands vermutlich ganz aus dem Häuschen wären, bleiben Cuba Missouri aber sympathisch ruhig und auf dem Boden. "Ich muss zugeben, wir kannten Two Gallants vorher kaum, aber jetzt bei der ersten Show fand ich sie sehr interessant und intensiv - und sympathisch noch dazu", erzählt Schlagzeuger Roland Peiler im Gaesteliste.de-Interview. "Wir sind natürlich froh, mal in so einem Rahmen unsere Musik vorstellen zu können. Diesen Hype mit 'Saddle Creek' finde ich dagegen persönlich überhaupt nicht wichtig. Ich meine: Two Gallants und andere wären doch genau so gut auf jedem anderen Label. Entweder dir gefällt eine Band oder nicht. Ob bei EMI oder bei Castrop-Rauxel Records, ist doch eigentlich egal." Cuba Missouri veröffentlichen ihr neues Werk auf dem jungen Label Make My Day Records. Basser Georg Holtz erklärt, wie es zu dem Deal kam und wie sie zu Labelmates von The Break, The Ocean, Saint Thomas oder Schtimm wurden: "Make My Day war eine der Plattenfirmen, denen wir die Vorproduktion unseres Albums geschickt hatten - also eine ganz normale Sache ohne persönliche Kontakte o.ä. Mit der Zusammenarbeit sind wir bisher sehr zufrieden, und wir stellen immer mehr fest, was für ein großes Glück wir mit dieser Wahl hatten." Und Roland ergänzt: "Ich muss für mich sogar sagen, dass meine Erwartungen an die Zusammenarbeit mit Make My Day jetzt schon übertroffen worden sind! Ich war da vorher zum Teil doch schon etwas desillusioniert - was natürlich auch daran lag, dass wir schon zweimal näher mit kleineren Labels zu tun hatten, die dann beide aus unterschiedlichen Gründen wieder eingegangen sind. Da wird man dann automatisch ein bisschen skeptischer. Aber inzwischen sind wir wirklich alle extrem glücklich und fühlen uns prima aufgehoben!" Schon ihre letzte EP "Three Tracks" erschien auf Make My Day, war aber nur über Mailorder, das Internet und auf Konzerten erhältlich. Für Roland keine schlechte Idee: "Die 'Three Tracks'-EP war ja sozusagen als 'erstes Lebenszeichen' der Zusammenarbeit zwischen Make My Day und uns gedacht, sollte schnell rauskommen und ganz bewusst zu einem sehr günstigen Preis zu kaufen sein. Ich denke, zum ersten Kennenlernen unserer Musik ist das eine feine Idee." Auf jener EP coverten sie auch den Bowie-Klassiker "Heroes", der es im Gegensatz zu den anderen beiden Tracks aber nicht auf das neue Album geschafft hat. Das verwundert, denn auch wenn ihre Version sicher keine weltbewegende war, überaus gelungen ist sie doch. Doch Roland erklärt diesen Umstand: "Dazu muss man sagen, dass wir diese langsame Version von 'Heroes' ursprünglich für einen - bisher noch nicht veröffentlichten - Bowie-Sampler aufgenommen haben und wir diese Aufnahme gar nicht so furchtbar ernst genommen haben. Das soll nicht bedeuten, dass wir die Aufnahme nicht schön finden, aber eigentlich war es doch mehr ein kleiner Gag am Rande, jedenfalls von Anfang an nicht für das Album geplant. Ich seh' uns auch nicht als Band für Coverversionen. Wir haben manchmal aus Spaß fremde Songs zu besonderen Anlässen oder als Zugaben gespielt, aber mehr steckt da an sich nicht dahinter."
Gut so, denn Cuba Missouri haben auf ihrem aktuellen Album genügend eigene Hits. Und zwar für Jedermann! Denn die Band lässt sich nicht in ein Genre packen und macht einfach alles. Da treffen psychedelische Klänge und Stoner Rock-Riffs auf Pop-Elemente, Elektronika-Spielereien und ganz viel Indie-Charme und Gitarren-Gefrickel. Spannend muss man es nennen und irgendwie ohne festen Stil. Man könnte annehmen, dass das von Anfang an ein Ziel der Band gewesen sein könnte. Doch nein, wie Georg erzählt: "Wir bedienen uns einfach der stilistischen Mittel, die uns gerade passend erscheinen, um die Stimmung zu erzeugen, die wir erzeugen wollen. Ein Ziel war allerdings, die Platte so abwechslungsreich zu gestalten, dass beim Durchhören keine Ermüdung oder gar Langeweile beim Hörer eintritt." Und Roland fügt an: "Es ist auch so, dass wir im Zusammenhang mit unserer eigenen Musik selten - wenn überhaupt - über Musikstile diskutieren. Eigentlich ist das gar kein Thema, so lange uns der Song gefällt." Nicht über Stile, wohl aber über Atmosphären lassen die beiden mit sich reden. "Für meine Begriffe ist es schon eine ziemlich melancholische Platte geworden", sagt Roland. "Zwischendurch gibt's zwar mal etwas auf die Nase, aber bei den meisten Songs ist die Schlacht doch wohl schon vorbei. Nur gut, dass wir im normalen Leben nicht ständig so drauf sind, wie die Songs klingen, sonst wäre das ja eine eher triste Angelegenheit. Wobei: Von mir aus kann ein Song gar nicht traurig genug sein. Traurige Songs machen letztlich glücklich, das ist irgendwie die Ironie." Georg relativiert die Sache dann aber doch ein bisschen: "Ich denke aber, es sind sowohl tanzbare Songs dabei als auch solche, die eher für das intensive Musikhören zu Hause geeignet sind. Auf Konzerten ist das 'Hören und Mitwippen' weit verbreitet, hier und da kann man aber durchaus auch einen Hüftschwung beobachten." Kommentar des Drummers: "Unser Ideal ist sozusagen der aufmerksame Mitwipper mit gelegentlichem Hüftschwung."

Eher schwingen als weinen dürften auch Cuba Missouri, wenn sie ihre Platte dann mal selber hören. Jedenfalls meistens: "Als Musiker hört man die eigene Platte ja sehr viel kritischer als andere Menschen, und an schlechten Tagen hört man hauptsächlich die Details, die man eventuell hätte noch besser machen können", meint Georg. "An anderen Tagen wiederum berührt mich die Musik auch nach dem hundertsten Mal Hören noch sehr stark. Dann weiß ich, dass wir etwas Gutes geschaffen haben." Daran beteiligt war auch wieder Kurt Ebelhäuser, der nach der EP auch den kompletten Silberling produzierte, dessen Einfluss laut Roland aber nicht so groß war, wie es manche sicher erwarten würden: "Ich weiß ja nicht, wie die Platte mit einem anderen Produzenten geklungen hätte, und mir fehlt da vielleicht auch der Abstand. Einerseits hatten wir die Songs fertig und haben manchmal auch recht sturköpfige Vorstellungen, andererseits ist es sicher unmöglich, von jemandem wie Kurt Ebelhäuser im Studio nicht beeinflusst zu werden, dessen eigene Musik wir ja auch gerne mögen. Ich glaube, der Einfluss ist letztlich am stärksten beim Sound und einigen Arrangements zu hören." Zur Zusammenarbeit mit Ebelhäuser kam es übrigens wie schon im Falle Make My Day recht unspektakulär. "Wir hatten irgendwie gehört, dass sich Blackmail ein eigenes Studio gebaut hatten, und dass man da analog aufnehmen kann", erinnert sich Roland. "Wir waren da noch ein bisschen dogmatischer auf dem Analog-Trip, inzwischen sehen wir das auch nicht mehr so eng. Jedenfalls hat unser Sänger und Gitarrist Ingo dann unsere damalige EP ans Tonstudio 45 geschickt. Das hat ja keine Geheimadresse oder so, sondern ist auch ein ganz offizielles Studio. Natürlich hatten wir dann das Riesenglück, dass Kurt das auch tatsächlich mit uns machen wollte und es hat dann auch super viel Spaß gemacht, da aufzunehmen! Das würde ich sofort wieder machen. Ok, nicht mehr unbedingt während einer Fußball-Europameisterschaft, das war schlechtes Timing - es ist prinzipiell schwer, Songs über zerstörte Illusionen aufzunehmen, wenn man weiß, dass nebenan die deutsche Innenverteidigung wackelt."

Cuba Missouri
Doch sie haben es geschafft, die Platte ist draußen und Cuba Missouri nach beendeter Tour erstmal zum kurzen Warten verdammt. Erstmal. Denn "als nächstes müssen wir natürlich erstmal abwarten, wie die Veröffentlichung des Albums so läuft", schaut Roland in die Zukunft. "Wir haben zwar bisher vorab sehr viel positives Feedback auf die Aufnahmen bekommen und freuen uns natürlich auch darüber, aber letztlich kommt ja dann doch alles darauf an, ob die Platte den Leuten gefällt. Wenn es gut läuft, wird es uns in diesem Jahr sicherlich verstärkt live zu sehen geben, nachdem wir im letzten Jahr wegen der Aufnahmen und so weiter viel zu wenig gespielt haben." Jetzt wird das Verpasste nach geholt, wer sie vor den Two Gallants verpasst hat: die ersten neuen Termine sind bereits bestätigt (am 21. April in Münster und am 29. April in Osnabrück). Und auch hier werden sie wieder als Quartett auf der Bühne stehen: "Live werden wir von einem vierten Mann, Stephan Lindner, unterstützt", erzählt Georg. "Er hilft uns, die atmosphärische Dichte des Albums auch an den kritischen Stellen umsetzen zu können. Wir legen live viel Wert auf ein stimmiges Gesamtkonzept. Genauso wie auf der Platte ist die Reihenfolge und Verknüpfung der Songs wichtig, um die einzelnen Songs richtig zur Geltung zu bringen. Des Weiteren ergänzen oder verändern wir die Songs der Platte live von Zeit zu Zeit, bauen z.B. eine etwas freiere Stelle in einen Song ein oder verknüpfen zwei Songs durch einen Part, den es dann nur live zu hören gibt, der aber nicht auf der Platte auftaucht." Und Roland ergänzt: "Das mit Stephan hat sich als ein weiterer Glücksgriff entpuppt. Seitdem macht es live irgendwie mehr Spaß." Es sei hinzu gefügt: Für Band und Hörer...
Weitere Infos:
www.cubamissouri.de
www.myspace.com/makemydayrecords
www.tonstudio-45.de
Interview: -Mathias Frank-
Fotos: -Pressefreigaben-
Cuba Missouri
Aktueller Tonträger:
This Year's Lucky Charms
(Make My Day/Alive)




Cuba Missouri

 
 

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