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SPERMBIRDS
 
Man gönnt sich ja sonst nichts...
Spermbirds
Die Platte ist draußen, die Tour läuft. Die Spermbirds sind zurück auf der Straße, um ihr neues Album "The Columbus Feeling" zu präsentieren. Wir klingelten bei Drummer Matthias "Beppo" Götte - der übrigens auch bei Kick Joneses und der Walter Elf singt - am Tag der ersten Deutschland-Show in Saarbrücken einmal durch und plauderten über die Platte, die Reise und den Luxus, den man sich gönnt.
Sechs Jahre sind seit "Set An Example" vergangen. Was für manch andere Band einen konsequenten Neubeginn bedeuten würde und müsste und nicht wenigen das musikalische Genick brechen würde, ist für die Spermbirds keine große Sache. Die Band existierte weiter. Immer mal wieder jedenfalls. "Wir sind keine Band mehr, die ständig, sondern eine Band, die nur noch phasenweise aktiv ist", sagt Beppo. "Jeder in der Band hat einen Beruf, manche haben Kinder. Man trifft sich halt mal am Wochenende und spielt ein paar Konzerte, dann passiert wieder zwei Monate nichts. Doch eine Band muss nun mal ab und zu ein Album machen, damit sie nicht langsam einschläft und wie eine Ü30-Band klingt." Und irgendwann passiert eben etwas Großes, etwas Einschneidendes. "Einer sagt dann, wir müssten mal wieder 'ne Platte machen und dann sagen die anderen, ja stimmt eigentlich, die letzte ist lange her." Und schon schaut Hardcore-Deutschland genau hin, hört zu, freut sich ’nen Ast. Denn ey, es sind die Spermbirds. Gegründet 1983 in Kaiserslautern, heute eine Institution. Und kein bisschen müde.
Doch es sind eben nicht mehr die Jungs von früher. Sie leben anders und sie arbeiten anders. "Früher gingen wir ins Studio und haben alles auf einmal gemacht", erinnert sich Beppo. "Wir haben meistens sogar noch gemischt und nach ein bis zwei Wochen war die Platte fertig. Diesmal war es konzentrierter, aber es zog sich über einen längeren Zeitraum. Wir haben immer mal wieder was aufgenommen, immer wenn ein Zeitfenster da war und es mit Job und Familie passte." Doch in den Zeiten der Digitalisierung und tollen Tools standen die Spermbirds nicht stets gemeinsam im Studio. Die Musiker nämlich wohnen in ganz Deutschland verstreut, in Saarbrücken, Berlin, Köln. "Das schaffen wir einfach gar nicht, alle gemeinsam ins Studio zu holen, nur weil für drei Songs die Gitarren aufgenommen werden. Manches haben wir direkt im Proberaum aufgenommen, im Studio waren auch immer nur einige dabei. Und Lee zum Beispiel hat seinen Gesang in Saarbrücken gemacht", erzählt der Schlagwerker. Nur Gitarrist Roger Ingenthron war stets am Start. "Er ist sozusagen der Produzent der Platte. Dem mussten wir alle vertrauen, dass er das gut macht, denn wir alle haben das endgültige Resultat erst ganz am Ende gehört." Was auf der einen Seite Zeit und Kosten sparend und im Grunde auch praktisch klingt, hat natürlich auch seine Schattenseiten. Findet auch Beppo. "Es ist nicht mehr dieses Gesamtprojekt, wie es früher war. Das schon ein bisschen schade. Damals haben alle im Studio gesessen und ihren Senf dazu gegeben. Man hat sich zwei Wochen eingeschlossen, intensiv an der Platte gearbeitet und abends noch gemeinsam ein Bier getrunken. Mir hat das schon mehr Spaß gemacht, aber das lässt sich heute nicht mehr so machen, ist zeitlich und finanziell nicht mehr zu schaffen. Das ging, als wir studiert und lange Semesterferien hatten."

Ähnliches gilt für's Touren. Und genau deshalb ist auch ein alter Hase wie Beppo tatsächlich ein klein wenig aufreget: "Wir waren zwar im letzten Jahr mal zwei Wochen in Australien, aber sonst ist es die erste längere Tour in Deutschland und Europa seit Jahren. Da ist man aufgeregt. Doch es überwiegt die Vorfreude, weil wir auch schon lange nicht mehr über einen längeren Zeitraum so zusammen auf Tour waren. Es ist ja schon so ein bisschen wie Urlaub mit alten Kumpels, die man nicht so häufig sieht." Und das wird dann auch richtig ausgenutzt. Nichts ist es mit Minivan, mit Schlafsäcken auf Küchenböden von Kumpels, mit harter Arbeit. "Wir haben dieses Jahr tatsächlich den fetten Nightliner", freut sich Beppo. "Das ist ganz witzig, denn Youth Of Today, die ja auf einem Teil der Tour der Haupact sind, fahren mit so einem kleinen Mietbus durch die Gegend. Aber wir wollten uns diesen Luxus leisten, auch wenn es dafür etwas weniger Gage gibt, weil das Ding bezahlt werden muss. Aber ich genieße das schon." Außerdem arbeiten die Spermbirds bei dieser Tour mit einer Agentur zusammen, die ihnen viel Arbeit abnimmt. "Normalerweise kümmert sich Roger, der auch die Konzerte bucht, während der Tour um alles. Aber diesmal kann auch er mal die Beine hochlegen und hat nichts mehr mit der Organisation zu tun. Das ist schon alles sehr bequem so."

Wenn es nach dem Drummer der Spermbirds geht, wird es noch viele Touren und viele Platten der Band geben. Denn zwar hat "die Band schon zurückstecken müssen, weil sie nicht mehr der einzige Fokus im Leben ist. Früher gab es Studium, Freundin und Musik, heute hat man durch seinen Beruf und seine Familie - ich habe drei Kinder - eine ganz andere, größere Verantwortung. Da ist die Band nur noch ein Lebensmittelpunkt von mehreren. Aber die Spermbirds sind mir immer noch sehr wichtig und es wäre ein großer Verlust, wenn ich keine Songs mehr schreiben würde oder keine Band mehr hätte. Wir wollen so lange weitermachen, so lange uns noch jemand hören möchte und die Leute zu unseren Konzerten kommen. Sobald das nicht mehr der Fall ist, sollten wir uns vielleicht überlegen, mal was anderes machen. Aber so lange ist es eben noch eine schöne Abwechslung zum normalen Alltag und macht einfach Spaß. Ich hätte nichts dagegen, dass auch noch in zehn Jahren zu machen."
Weitere Infos:
www.spermbirds.com
www.myspace.com/spermbirds
Interview: -Mathias Frank-
Foto: -Pressefreigabe-
Spermbirds
Aktueller Tonträger:
A Columbus Feeling
(Rookie Records/Cargo)




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