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SELIG
 
Dieses komische Ding...
Selig
Es gibt Reunions und es gibt Reunions. Diese gehört zu den guten. Selig veröffentlichen ihre zweite Platte ihrer zweiten Phase und wie schon "Und endlich unendlich" ist auch "Von Ewigkeit zu Ewigkeit" richtig, richtig schön geworden. Natürlich typisch Selig und ohne die ganz großen Überraschungen, aber dafür mit der gewohnten Qualität und reichlich frischen Hits. Wir treffen uns mit Sänger Jan Plewka und Bassist Leo Schmidthals in Hamburg. Die Stimmung? Von Anfang an gut. Die beiden sind stolz auf diese Platte, sie freuen sich über ihre Band, über das Jetzt und über alles. Und sie sind spürbar dankbar, was in den letzten Monaten passiert ist. 2008 haben sie wieder zusammen gefunden, es folgte die Platte, die Touren, der Erfolg. Die Shows waren voll, Selig in den Charts. Comeback geglückt, Band glücklich.
"Wir haben so viele tolle Sachen erlebt, das ist der Wahnsinn", sagt Schmidthals. "Wir wussten ja nicht, ob 'Und endlich unendlich' erfolgreich wird. Klar, Selig kanten vielen und es würde schon auf Interesse stoßen. Aber wir waren erstmal für uns froh, dass wir unsere Musik gefunden haben. Und dann wurde das so toll aufgenommen. Die Tour im Herbst letzten Jahres zum Beispiel war die beste Tour, die ich je gespielt habe, alles stimmte. Wir fünf hatten eine gute Phase. Also haben wir einfach gleich weitergemacht, haben Lieder geschrieben und sind ins Studio gegangen. Wir haben im Januar angefangen und waren dann ein halbes Jahr später fertig. Es gab eben viele Ideen und die mussten raus, denn es war klar, dass es weitergeht." Das Ergebnis ist ein Album, auf dem es reichlich wunderbare Sachen zu entdecken gibt. Lieder, für die man der Band danken möchte, weil sie sich schnell als stärkste Songs der Band überhaupt outen. Weil sie unglaublich viel Spaß bereiten, einen beschäftigen und berühren.

Für Plewka ist es "wie eine Reise. Es gibt zwei Grundpfeiler. Einer ist das erste Lied '5.000 Meilen', von wo wir abheben, der andere ist das letzte Lied 'Ich hoffe, es hat noch Zeit' und die Schönheit des Moments des Lebens. Und dazwischen gibt es eine Reise durch unterschiedliche Räume und Geschichten aus dem seligen Haus." Leo findet es "ein bisschen farbiger als der Vorgänger. Es geht weniger um uns, sondern man guckt ein bisschen nach recht und links, in die Welt." Für den Bassisten ist das neue Werk sogar das wichtigste Selig-Album überhaupt. "Wir haben eine ganze Menge Kraft durch die Leute bekommen. Es war ja eine andere Situation als bei der 'Und endlich unendlich', wo man nicht genau wusste, wie die Leute reagieren würden. Aber wir haben so viel Zuspruch bekommen, dass wir jetzt auch so ein bisschen aufgeladen sind und noch eine extra Portion Energie dabei haben." Sein Sänger stimmt ihm zu. "Bei dem letzten Album steht zwischen all den Zeilen und Tönen unsere Wiedervereinigung, das haben wir für uns gemacht. Als große Wiederkunftherapieplatte. Was dieses Album angeht ist, dass wir diese positive Emotionen, die wir - seit wir wieder zusammen sind - eingeatmet haben, auf dieser Platte wieder ausatmen, um sie an die Welt wiederzugeben." Plewka redet, wie man es erwartet. Bunt, bildlich und manchmal ein bisschen wirr. Beispiel: "Wir wollen ja was erreichen, nämlich einen positiven Zustand, einen wahn- und rauschartigen Zustand. Das ist etwas sehr psychedelisches und spirituelles. Und diese Rockmusik, die wir machen, beruht ja auch auf einem spirituellen Grundakkord, Rockmusik ist ja was, wo man sich mit dem großen Zusammenhang unterhält, da unterhält man sich nicht einfach nur so, da bemüht man sich schon, um etwas zu spüren, um was auf die Erde zu holen, aber auch um was in die große weite Welt abzugeben. Es hat schon was Schamanisches und um diese mystischen Kreis hinzukriegen, muss man voll und ganz bei sich sein und seine ganzen Gaben, jeder von uns hat verschiedene, tut man zusammen in diesen Kessel der großen Selig-WG und kocht dabei dieses Süppchen, das wir zärtlich 'Von Ewigkeit zu Ewigkeit' nennen."

GL.de: Ich muss zugeben, ich hab jetzt nicht alles verstanden.

Jan und Leo lachen laut.

Leo: Ich bin auch grad ein bisschen platt.

Jan: Aber du hast es aufgenommen oder?

GL.de: Spürt ihr jetzt mehr Druck, weil die Leute wissen, dass ihr es noch könnt?

Jan: Wir haben immer Druck. Aber von uns selbst. Denn es ist unsere Aufgabe auf dieser Welt, Musik zu machen. Und das will man halt so gut wie möglich machen, da bemüht man sich natürlich. Wir sind eigentlich fünf egomanische Workaholics, die so lange schleifen, bis es Selig ist.

Leo: Das ist schon wahr, wir haben uns dieses Mal ein bisschen mehr Zeit gelassen, um am Sound zu feilen, an den Übergängen zwischen den Songs zu arbeiten, an der Reihenfolge.

GL.de: Habt ihr mal überlegt, den Leuten richtig vor den Kopf zu stoßen und etwas komplett anderes zu machen?

Jan: Nein, da haben wir überhaupt kein Bedürfnis. Wir haben mit der "Blender"-Platte mal versucht, ein paar elektronische Elemente reinzubauen, aber da waren wir schon keine Band mehr, da war jeder woanders und größenwahnsinnig. Diese Platte war eigentlich ein Abschiedsbrief von uns an die Musikindustrie und Fans geworden. Und jetzt sind wir wieder mit den drei Grundakkorden und der Wahrheit zurückgekommen.

GL.de: Was wäre größte Kompliment, dass man euch machen kann?

Jan: Das haben wir heute schon gehört. Jemand hat uns gesagt, dass man eine ungeheure Leichtigkeit hört und das ist was, was wir auch sagen wollten. Wir wollten die Welt ein bisschen leichter machen, ein bisschen Zeit und Raum schenken. Wenn das bei den Leuten ankommt ist das das größte Kompliment.

GL.de: Habt ihr euch die neue Selig-Zeit so vorgestellt?

Jan: Wir sind sehr momentane Menschen und denken Schritt für Schritt. Das größte Glück, das wir hatten, war, als wir wieder zusammen im Studio waren. Wir haben wir nicht an die Konzerte gedacht, sondern waren glücklich, dass wir wieder zusammen im Studio sind und was machen. Und das war unser größter Erfolg. Dass wir uns wieder verstehen und wieder in die Augen schauen können. Und was die Tour angeht, dass die Läden ausverkauft waren, dass so ein emotionaler Wechsel von Bühne zu Publikum stattfand, das war wirklich unfassbar und ein unglaubliches Geschenk, mit dem wir nicht gerechnet haben. Und so machen wir eigentlich weiter. Es ist eine sehr gute Zeit, aber wir arbeiten sehr hart daran, dass es sehr gut bleibt. Und wir denken auch in den guten Zeiten an die schlechten.

GL.de: Ist die Trennung denn noch ein Thema?

Leo: Nein. Wir haben vor "Und endlich unendlich" ein halbes Jahr geredet und klar Schiff gemacht, jetzt kann ich mich eigentlich an keine brenzligen Situationen erinnern.

Jan: Weil man dem anderen größeren Raum lässt. Ich dachte immer, ich könnte die anderen verändern, so ist das wohl bei jüngeren Menschen. Jetzt weiß man, dass der andere diese Gabe hat, so toll Gitarre zu spielen, weil er eben er ist. BB King zum Beispiel wollte sein halbes Leben wie Robert Johnson spielen. Doch eines Nachts kam der Heilige Geist zu ihm und meinte: "Du kannst nicht wie Robert Johnson spielen, du bist BB King" und seit dem hat er es akzeptiert. Und so ähnlich ist es auch bei uns, man sieht, dass das Leo Schmidthals ist und der kann so Bass spielen, weil er Leo Schmidthals ist. Das war damals nicht so. Das Schöne am älter werden ist ja auch, dass die Paranoia wegfällt. Wenn jetzt Bandkollegen über dich lästern, ist dir das egal, damals hat es dich getroffen.

Leo: Vor allem darf man nicht vergessen, dass wir alle wissen: "Mein Bassriff ist nur so geil, weil ich mit den anderen zusammen spiele." Denn was soll ich alleine meine Bassriff spielen? Weil Christian gerade so gut an der Gitarre gespielt hat, fällt mir gerade was ein. Das zahnt ineinander. Das ist ja das Verrückte, dass wir nach zehn Jahren festgestellt haben, dass wir fünf so eine Charakterzusammensetzung sind, wo ein spezieller Sound rauskommt. Wir haben ja alle in der Zeit Musik gemacht, aber dieses komische Ding, was dann eben Selig ist, haben wir ja nicht wieder erlebt. Das ist eben die Zusammenkunft dieser fünf Menschen, von denen alle einen Spleen haben. Aber alle wollen was erreichen. Im Unterschied zu früher lassen sie aber auch mal los. Deshalb ist diese Platte auch eine sehr leichte Platte. Es würde uns freuen, wenn sie leicht klingt. Das heißt natürlich nicht, dass wir uns keine Mühe gegeben haben. Ganz im Gegenteil, vielleicht haben wir uns Mühe gegeben, damit sie leicht klingt, damit sie den Leuten ein bisschen Leichtigkeit mitteilt."

Weitere Infos:
www.selig.eu
www.myspace.com/seligmusik
Interview: -Mathias Frank-
Foto: -Pressefreigabe-
Selig
Aktueller Tonträger:
Von Ewigkeit zu Ewigkeit
(Vertigo)




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