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SELIG
 
Verrückt
Selig
Selig haben seit ein paar Tagen ein neues Album draußen. "Magma" heißt es und klasse ist es. "Auf den ersten Blick allerdings kommt das neue Album der Hamburger ein bisschen lahm. Zu soft, zu zahm, zu unspektakulär. Doch dann, ganz bald, schon bei der zweiten oder dritten Runde wird aus dem Ding hier das neue Lieblingsalbum mit ganz vielen neuen Lieblingssongs", schrieben wir bereits in unserer Rezension. Und weil wir das ernst meinten mit dem Lieblingsalbum, mussten wir doch noch mal drüber sprechen. Wir trafen uns in Hamburg mit Gitarrist Christian Neander zum netten Plausch. Und das nicht an irgendeinem Promo-Tag...
GL.de: Heute ist der 1. Februar 2013 und eure Platte erscheint. Aber du sitzt hier mit mir beim Interview. Solltet ihr nicht mit der Band die Veröffentlichung feiern?

Christian: Ja, stimmt. Da hast du Recht. Aber wir haben in der letzten Zeit so viel gemacht, da ging das nicht anders. Und am 6. März bekommen wir unserer erste goldene Schallplatte, für unsere Reunion-Platte "Und endlich unendlich" und das und dann feiern wir dann.

GL.de: Das bedeutet dann also nicht, dass euch eine Plattenveröffentlichung nicht mehr so wichtig ist?

Christian: Auf keinen Fall. Gerade mit dieser Platte sind wir brutal glücklich. Wir haben hier viel verändert, wir haben uns sehr viel Zeit gelassen. Wir wollten ja eigentlich schon im vergangenen Februar ins Studio gehen und hatten eigentlich auch schon alles zusammen, aber dachten dann, das wäre alles noch nicht Magma-mäßig genug. Also haben wir uns noch mal für zwei Monate eingeschlossen und Musik gemacht. Wir haben uns dann auch das erste Mal wieder einen Produzenten gesucht, nämlich Steve Power, gearbeitet. Wir hatten auf dieses Zweigeteilte keine Lust mehr. Bei den letzten beiden Platten haben wir es ja selber gemacht und da hast du dann gerade die Gitarre eingespielt und denkst, ob du noch was am Drumsound machen musst. Und diese Verantwortung hatten wir eben nicht mehr. Aber es war nicht einfach, einen passenden Produzenten zu finde. Unser Toningenieur hatte dann die Idee, Steve Power zu fragen. Vor 15 Jahren hatten die zusammen gearbeitet. Und Steve meinte dann, er hätte die Band gecheckt und Bock drauf, eine Rockplatte zu machen. Dann kam er nach Hamburg und als dieser ruhige, höfliche, humorvolle Engländer durch die Tür kam, waren wir alle gleich verknallt in ihn. Es war die der Moment, wenn du auf Wohnungssuche bist und in eine Wohnung kommst: "Das passt!" Und für die Produktion sind wir dann in ein Dorf nach England gefahren, da war gar nichts, nicht mal ein Pub. Das war ganz Robin Hood-mäßig in sanften Hügeln. Es war wahnsinnig schön, als wir im August da waren. Es war warm und wenn wir Zeit hatten, sind wir im Meer baden gegangen.

GL.de: In England ward ihr fünf und eurer Produzent?

Christian: Und unser Toningenieur ist auch mitgekommen, mit dem wir immer arbeiten. Aber keine Freunde oder Familie, wir waren einen Monat weg, was schön, aber auch blöd war. Aber es war auch die entspannteste Aufnahmesession, die wir je hatten. Denn wir waren gut vorbereitet. Wir hatten zwölf Stücke und die dann einfach eingespielt. Sonst hatten wir immer noch im Studio und unter Druck geschrieben. Ich bin sonst auch immer sehr kritisch mit allem und meistens halte ich mich, wenn wir fertig sind, sogar noch zurück und sage den anderen nichts, aber denke "nein" und "hätte man" und "sollte man", aber dieses Mal hatte ich das nicht. Das liegt einmal sicherlich daran, dass ich das sehr schön finde, was da entstanden ist. Aber auch, weil der Prozess vorher schon so weit war. Wir hatten die ganzen Zweifel und Kritikpunkte schon hinter uns gelassen: "Das ist gut so, lass mal aufnehmen."

GL.de: Klang es dann am Ende auch so, wie ihr euch das vorgestellt habt?

Christian: Ja, sehr.

GL.de: Aber wenn du jetzt sagst, ihr habt die Songs vorher geschrieben und am Ende klangen sie so, wie ihr sie euch vorgestellt habt - welchen Einfluss hatten da noch Studio, Produzent oder Abgeschiedenheit?

Christian: Steve Power ist nicht so der technische Typ, sondern völlig auf Musik fixiert. Das beste Beispiel ist, wie es beim ersten Song - "Magma" - den wir aufgenommen haben, abgelaufen ist. Wir haben aufgebaut, den Song dreimal durchgespielt und dann meinte er mit seiner ganz ruhigen Stimme: "Yes. That was good. Come in. Let's listen." Und ich so: "Moment! Das kann doch nicht sein." Aber wir haben es uns dann angehört und es war gut. Wir hatten natürlich anfangs etwas Skepsis, aber hat ein sehr feines Gespür und wir haben uns dann auf ihn verlassen. Ich glaube, wenn wir es selber gemacht hätten, dann hätten wir den Song noch 20-mal gespielt und drüber nachgedacht und auch zerredet. Es war dieser Blick von außen, der einen darin bestätigt, was man tut. Es gab aber auch Situationen wie bei "Sie scheint", da war der Anfang eigentlich das Outro und er meinte, wir sollen es doch mal vorne spielen. Wir haben es mal gemacht und plötzlich stand das ganze Lied in einem anderen Licht. Es sind einfach solche Kleinigkeiten, die dich wo anders hinbringen. Und auch, dass wir einfach Musiker waren, dass ich einfach Gitarrist war. Die ersten Tage habe ich mir schon viele Gedanken gemacht, aber das habe ich dann irgendwann abgelegt, weil Steve ja unglaublich erfahren ist. Er hat auch ein paar Dinge technisch anders gemacht, was für mich total spannend war. Ich hab echt von ihm gelernt.

GL.de: Im Presseinfo zu "Magma" wurden eure letzten zwei Platten als Reunion-Platten bezeichnet. Also beide. Warum ist "Magma" denn jetzt nicht die dritte Reunion-Platte?

Christian: Faktisch ist sie das natürlich. Aber wir haben ein starkes "Angekommen!"-Gefühl. Bei der ersten war diese Euphorie, "wir sind wieder zusammen." Bei der zweiten waren wir lange auf Tour und konnten uns fallenlassen. Und jetzt ist es klar, jetzt ist es kein Versuch mehr, der hoffentlich gut ausgeht, sondern jetzt ist es Bestimmung. Wir haben halt Bock, ganz viele Platten zu machen und es war noch nie so einfach, eine Platte aufzunehmen. Deswegen ist ein Unterschied.

GL.de: Ist die Trennung denn überhaupt noch ein Thema bei euch?

Christian: Es gibt immer mal Situationen, in denen es stressig wird und wir dann merken, dass wir aufpassen müssen, nicht wieder in so einen Sog zu kommen, wie damals. Denn dieser Sog ist irgendwie immer da. Ich hab im vergangenen Jahr zum Beispiel schon wieder so viel gearbeitet, dass ich gaga wurde, ich bin richtig krank geworden. Im August haben wir aufgenommen, dann habe ich noch eine andere Produktion gemacht, wir haben geprobt und sind auf Tour gegangen. Ich saß im Tourbus und hab Vocals für die andere Band geschnitten. Und das war dann für mich wie früher. Und dann merkt man, dass es gefährlich werden kann.

GL.de: Du hast am Anfang von "Magma-mäßig" gesprochen. Was ist Magma-mäßig?

Christian: Bevor wir angefangen haben zu schreiben, haben wir überlegt, wie man das benennt, was passiert, wenn wir zusammen Musik machen. Wir sind ja ganz unterschiedliche Typen, aber wenn wir zusammen Musik machen, dann ist das was sehr Spezielles und ein sehr großes Geschenk. Und wir haben dann nach was gesucht, das diese Energie beschreiben kann und dann kamen wir auf Magma. Das Innere, Energie, es brodelt. Jan hat es schön beschrieben: Wenn Selig der Körper ist, ist Magma die Seele. Sehr plakativ, aber es stimmt. Und das war ganz geil, einen Albumtitel zu haben, bevor man das Album schreibt. Das ist wie eine Bewertungsgrundlage oder ein guter Geist, der darauf aufpasst. Wir hatten 40 Stücke oder so, weil wir wie die Irren geschrieben haben. Aber vieles war eben nicht Magma-mäßig.

GL.de: War es das erste Mal, dass ihr euch nicht unbedingt ein Konzept, aber so eine Idee ausgedacht habt?

Christian: Es gab schon immer irgendwelche Zustandsbeschreibungen, aber so konkret haben wir das noch nie gemacht. Das war aber eine gute Idee, weil man gleich so was wie eine Vision hatte. Wir hatten in den vergangenen eineinhalb Jahren aber viele Ideen, es gab Gedanken über ein Buch, einen Film, über "Wir nennen uns um" - es war ziemlich wild, ein echter Kreativ-Schock. Aber ziemlich geil. Und die Magma-Idee war so was wie der Peak, wo wir alle völlig verrückt waren.

Selig
GL.de: Ich finde die Platte klasse, fand sie beim ersten Durchlauf aber etwas zahm. Es dauert etwas, bis man den Biss, die Ironie, die Feinheiten erkennt. Und am Ende ist "Magma" ja überhaupt nicht brav oder poppig, sondern ein sehr emotionales Album.

Christian: Ich find es schön, dass es da so einen Verlauf gibt. Wir haben uns noch nie so lange mit einem Album und der Auswahl der Songs beschäftigt. Wir hatten zum Beispiel auch mal eine Phase, da hätte das Album ein Kracher-Album werden können, es gab heftige Sessions, aber am Ende haben wir die - wie wir finden - besten Lieder genommen.

GL.de: Wie wichtig beim Schreiben und Aufnehmen ist eure Erfahrung? Arbeitet ihr inzwischen anders, weil ihr mehr wisst, oder macht ihr es im Grunde wie früher?

Christian: Es hat sich nicht großartig geändert. Nur kommt man vielleicht schneller durch gewisse Situationen, in denen man festhängt. Du weißt dann, was das Problem ist Denn auch wenn du nichts falsch gemacht hast, ist eben manchmal etwas langweilig oder bedeutet nichts. Man probiert dann schneller Sachen aus und merkt, ob was nicht zusammen passt. Aber weiterhin sucht man halt den Moment, der einen berührt.

GL.de: Erwischt man sich auch manchmal, dass man sich unbewusst textlich oder musikalisch wiederholt? "Mist, das haben wir ja auf 'Blender' schon gemacht."

Christian: Das passiert, auf jeden Fall. Bei "Sie scheint" war ich zum Beispiel sicher, dass ich das Riff schon mal gespielt hatte, wusste aber nicht wo. Die anderen auch nicht und am Ende hatte ich es wohl noch nicht gespielt.

GL.de: Ihr habt dieses klasse Video zu "Love & Peace" gedreht.

Christian: Das ist genial, aber nicht von uns. Ich dachte auch "Boa, ist das geil!", als ich es gesehen habe. Mein Lieblingsmoment ist der mit den Glücksbärchen.

GL.de: Was muss passieren, damit du sagst, "Magma" ist ein Erfolg?

Christian: "Magma" ist jetzt schon ein Erfolg. Im November haben wir eine kleine Tour gespielt, auf der wir das Album vorab gespielt haben. Alle zwölf Stücke, in der Reihenfolge wie auf der Platte. Und das hat so gut funktioniert, die Lieder haben live so gut funktioniert. Ich bin wahnsinnig zufrieden, dass wir so ein geiles Album hinbekommen haben.

Weitere Infos:
www.selig.eu
www.facebook.com/seligmusik
Interview: -Mathias Frank-
Fotos: -Pressefreigaben-
Selig
Aktueller Tonträger:
Magma
(Vertigo/Universal)




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