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GENTLEMAN
 
MTV Unplugged
Gentleman
Seit über 20 Jahren schon bittet MTV Künstler auf die Bühne, um akustisch Konzerte zu spielen. Große und kleine, Rockbands, Rapper und Popstars. Nirvana und Sido, die Fantastischen Vier und KISS, Udo Lindenberg und R.E.M., Miley Cyrus und Neil Young. Nur ein Reggae-Künstler war bisher noch nicht dabei. Umso größer ist da die Ehre für Gentleman, diese Tradition zu brechen und als erster Reggae-Künstler ein MTV Unplugged-Konzert spielen zu dürfen. Das dazu passende Album ist seit wenigen Tagen erhältlich. Und es ist fantastisch.
Gentleman hat sich eine großartige Band, reichlich tolle Musikanten und feine Gäste wie Shaggy, Marlon Roudette (gemeinsam singen sie "Big City Life"), Milky Chance, Ky-Mani Marley, Martin Jondo und Campino von Die Toten Hosen eingeladen, hat eine vor Hits nur so überlaufende Setlist zusammen gestellt und präsentiert obendrauf noch nagelneue Songs. Anfang Dezember erscheint Gentlemans "MTV Unplugged" auf DVD, im kommenden Frühjahr geht er auf Unplugged-Tour. Heute ist er bei uns im Interview.

GL.de: Okay, erste Frage - mal ganz doof und direkt gefragt: Wie wird man MTV Unplugged-Künstler? Fragt MTV einen oder muss man sich bewerben?

Gentleman: Nein, bewerben tut man sich nicht, das ist so ein gegenseitiges Ding. Ich hab das MTV Team bei Max Herres MTV Unplugged kennengelernt, als ich als Gast dabei war. Und da wurde mir schon Interesse signalisiert. Und ich bin selber halt auch Fan von der Reihe, das ist einfach eine sehr schöne Art und Weise, mal Musik ganz anders zu interpretieren. Und irgendwie hatten wir damals auch schon Interesse bekundet. Aber dass es jetzt tatsächlich dann zwei, drei Monate danach eine Anfrage gab, das hätte ich jetzt so auch nicht gedacht.

GL.de: Wenn dann also feststeht, dass man so was machen darf, wie geht man dann vor? Denkt man sich ein Konzept aus oder bespricht man mit MTV, was man machen kann? Wie läuft die Planung für so einen Event?

Gentleman: MTV hat sich da überraschenderweise extrem rausgehalten. Es gibt aber bestimmte Vorgaben. "Unplugged" heißt jedoch jetzt nicht, dass man nur mit einer Klampfe spielt, es ist im Prinzip einfach nur unverstärkt, also zwischen Gitarre und Verstärker gibt es keine Plug-Ins, keine Effekte, es gibt keine Synthie-Sounds, keine elektronischen Instrumente. Das heißt, man muss natürlich komplett umdenken. Dann gibt es von MTV die Vorgabe, dass alle sitzen müssen. Das war mir auch neu – und das hab ich auch nicht geschafft! Weil es einfach merkwürdig ist, manche Songs im Sitzen zu singen.

GL.de: Wenn man an MTV Unplugged früher denkt, an Nirvana, an Eric Clapton, an die Stone Temple Pilots, dann war das alles sehr reduziert. Mit der Zeit wurde es dann immer größer. Udo Lindenberg baute zum Beispiel ein Hotel auf und Die Fantastischen Vier spielten in einer Höhle. Bei dir scheint es nicht ganz so opulent.

Gentleman: Von der Location her war es sehr, sehr intim. Teilweise hatte ich das Gefühl, dass wir mehr Leute auf der Bühne sind als im Publikum. Es war schon ein bisschen so wie früher.

GL.de: War das eine bewusste Entscheidung?

Gentleman: Für die Instrumentierung haben wir uns viele Möglichkeiten bereitgestellt. Das heißt, wir hatten wirklich viele: Acht Streicher, ein großes Percussion-Set, drei Orgeln. Aber es hat selten alles zusammengespielt, da hab ich schon was reduziert. Manche Songs sind bis auf die Instrumentierung sehr nah am Original dran, weil Roots Reggae an sich schon unplugged ist. Viele Songs, die elektronisch, produziert worden sind, wurden aber auch komplett arrangiert, da musste man schon echt kreativ sein. Aber es war für mich auch toll, einfach Songs nochmal komplett neu zu entdecken und eben auch langsamer zu spielen. Im Gegensatz zu normalen Shows war das etwas, worauf ich mich erst mal einlassen musste. Aber dadurch konnten die Songs eben auch viel besser atmen und ich habe es wirklich sehr, sehr genossen, sie mal aus dieser Perspektive zu sehen.

GL.de: Wonach wurden die Songs denn ausgewählt? Rein nach Geschmack oder gab's auch Songs, die wolltest du machen, aber die funktionierten unplugged nicht?

Gentleman: Ja, also wir haben erst mal ganz viele Songs geprobt. Wir haben das Glück gehabt, dass wir schon drei Wochen vorher in dem Raum im Stadtgarten proben konnten und haben einfach ganz viel ausprobiert und dann einfach geguckt, was gut funktioniert und was nicht. Aber es wird wirklich immer schwieriger, eine Setlist zu erstellen, weil einfach mittlerweile viele Songs da sind. Und was sowohl von der Plattenfirma als auch von MTV auch von Fans mal gewünscht wurde, war eben, dass man die bekannten Songs spielt, also die Single-Auskopplungen. Aber das waren dann schon mal so 16 bis 20 Songs. Und dann wollten sie aber auch ein paar Songs haben, die wir auch live nie gespielt haben, so wie "Tranquility" zum Beispiel. Und ich wollte ein paar exlusive Songs haben, die nur für MTV Unplugged aufgenommen wurden. Das war zum Beispiel das Ding mit Shaggy, Ky-Mani Marley oder auch mit Marlon Roudette. Am Ende war die Mischung wichtig.

GL.de: Und wonach hast du die Gäste ausgesucht? Hast du denn gesagt, der Gast passt zu dem Song oder der Song passt zu dem Gast?

Gentleman: Das ist eine gute Frage. Also ich glaube, es ist dasselbe: Wenn der Gast zum Song passt, passt der Song auch zum Gast. Wir haben zwar auch ein paar Leute aus Jamaica einfliegen lassen, Christopher Martin, Tanya Stephens, und Ky-Mani Marley ist aus Miami gekommen, aber ich habe erstmal geguckt, wer erst mal überhaupt verfügbar ist, wer im Lande, wer in Europa ist. Und dann wollte ich auf der einen Seite Gäste haben, die man vielleicht nicht so erwartet, ich wollte Songs, die ich noch nie performed habe. "Another Melody" mit Tanya Stephens zum Beispiel, das ist persönlich eins meiner Lieblingslieder, und wir haben den Song noch nie live gespielt, das war mir irgendwie ein persönliches Anliegen. Und dann hat man halt geguckt, was in dieser kurzen Zeit, weil es war wirklich ein sehr kurzer Zeitraum von der Anfrage bis zur Masterabgabe, möglich ist. Ich war dann echt überrascht, was nachher da aufgetaucht ist an Gästen. Und es hat wirkliche alles ineinander gegriffen.

GL.de: Es ist eine ziemlich bunte Liste - einer wie Campino ist natürlich im ersten Moment sehr überraschend. Aber ihr habt ja nun schon ein paar Mal in den letzten Jahren zusammen gespielt. Wie kam's denn eigentlich dazu?

Gentleman: Wir haben uns öfter auf Festivals getroffen, sind uns immer wieder über den Weg gelaufen sind. Ich schätze Campino sehr als Mensch und auch für das, was er so musikalisch auf die Beine gestellt hat. Und ich fand es ganz, ganz wichtig, auch bei MTV Unplugged genreübergreifend was mit andere Leuten zu machen und da fiel dann der Name Campino. Ich hab ihn angerufen, er hatte tierisch Bock und auch Zeit. Und auch grade der "Redemption Song" mit Ky-Mani zusammen in der Konstellation, das ist halt was, wo viele Leute erst mal sagen "Was ist denn das für ein Trio?". Aber ich glaube, das ist genau das, was es auch so interessant macht, weil es wirklich sehr unerwartet ist auch.

GL: Stichwort "genreübergreifend": Glaubst du, dass so eine Produktion wie MTV Unplugged dich in der Zukunft beeinflussen könnte?

Gentleman: Also, ich weiß nicht, ob das an MTV Unplugged jetzt hängenbleibt, weil ich schon immer auch mit Künstlern zusammengearbeitet habe, die nicht im Reggae sind. Ich hab mit HipHop-Artists gearbeitet, ich hab mit Mustafa Sandal was gemacht, ich hab auch vorher schon mit Campino gearbeitet - also MTV Unplugged ist jetzt nicht das Ding, was mich genreübergreifend Musik machen lässt. Obwohl Reggae immer das zentrale Ding sein wird, find ich immer interessant und auch wichtig, auch andere Dinge zu tun und mit Leuten zusammenzuarbeiten, die aus einem anderen Genre kommen.

GL.de: Zurück zur Show. Warst du eigentlich aufgeregt, als du das aufgenommen hast?

Gentleman: Ja! Absolut, ja! Es ist halt ein Ding, was du nicht ein paar Mal, sondern nur einmal im Leben machst. Da war schon eine Anspannung da. Und trotzdem war es eine ganz besondere Zeit und es hat mir tierischen Spaß gemacht. Wir haben auch schon bei den Proben sehr viel Freude gehabt, das für alle etwas ganz, ganz Besonderes in der Art und Weise und in der Konstellation Musik zu machen und für die Ewigkeit festzuhalten.

GL.de: Und wie wirst du jetzt dieses Event auf die Tour bringen?

Gentleman: Das planen wir gerade. Musikalisch wird es sehr, sehr nah dran sein, wir werden wahrscheinlich nicht mit acht Streichern touren, aber vielleicht mit vieren oder so. Aber es wird dieselbe musikalische Konstellation sein, die auch bei MTV Unplugged war. Und dann müssen wir mal gucken, wer, wo und wann von den Gästen kann, das kann man jetzt noch nicht sagen. Es werden natürlich nicht immer alle Gäste dabei sein können, aber es wird schon Gäste geben. Und es ist auf jeden Fall mal komplett was anderes, Konzerte in dieser Konstellation zu spielen. Ich freu mich tierisch drauf.

GL.de: Und eine allerletzte Frage - relativ früh hört man auf der Platte, wie du nach Ginger-Tee verlangst – gibt es einen bestimmten Grund, das auf dem Album zu lassen?

Gentleman: Ähm, ne, also ich, das war einfach was, ist das noch drauf, ja?

GL.de: Ja.

Gentleman: Okay (lacht). Nein, also der Ginger-Tee ist etwas, das bisschen so wie ein roter Faden durch die Konzerte geht.

Weitere Infos:
www.gentleman-music.com
www.facebook.com/Gentleman
youtu.be/rGnXniaYgfM
youtu.be/VCnrLkQSvPY
youtu.be/RyQbHD7t3og
Interview: -Mathias Frank-
Foto: -Pressefreigabe-
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Aktueller Tonträger:
MTV Unplugged
(Vertigo/Universal)




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