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CURSE
 
Reduziert vs. opulent
Curse
Neulich in Hamburg. Curse ist mit "Uns" auf Promo-Tour und schaut auf dieser auch bei N-Joy Radio vorbei, dem Jugendradio des Norddeutschen Rundfunks. Anschließend hat er auf dem NDR-Gelände einen Termin mit Gaesteliste.de. Und die Tage und Wochen zuvor sprach er mit allen wichtigen HipHop-Medien des Landes. Oder anders gesagt: Jeder hat Bock auf Curse und Curse hat Bock auf alle.
GL.de: Du warst bei rap.de, bei 16 Bars und bei Backspin, klar. Eben dann noch bei N-Joy und jetzt kommt da auch noch ein Rockmagazin wie wir und möchte mit dir sprechen.

Curse: Ist doch super – perfekt!

GL.de: Dann hast du es noch nicht bereut, wiederzukommen? Kein "Alter, das ist grad echt zu viel"?

Curse: Ne, das ist doch gut! Ich bin ja aus der alten Schule und freue mich darüber, wenn Leute Bock haben, über meine Musik zu sprechen. Ich find's sogar supergeil!

GL.de: Hast du denn so etwas erwartet oder geht man da eher so "Oh, mal gucken, wie das wird?" an die Sache?

Curse: Ich war total auf "Okay, mal gucken wie's wird". Ich war jetzt zwar nicht so negativ nach dem Motto "Ach herrje, wer weiß, was da passiert und ob überhaupt noch irgendjemand" eingestellt. Das hab' ich nicht gedacht, weil ich hätte das Album natürlich gar nicht veröffentlicht, wenn ich nicht das Gefühl gehabt hätte, dass es auch zumindest irgendwie Hand und Fuß hat. Aber ich war dann doch schon sehr gespannt. Aber überhaupt auf alles. Weil ich mein', mein letztes Album ist sechs Jahre her, es hat sich viel verändert in der deutschen Musiklandschaft, und da bin ich schon gespannt. Aber eher in freudiger Erwartung und hab mir gedacht "Okay, gucken wir uns das mal so an".

GL.de: Aber wenn du jetzt so merkst, dass die Leute Bock drauf haben und alle berichten drüber und alle reden drüber und das Album ist noch nicht mal draußen (zum Zeitpunkt des Interviews, d. Verf.), spürst du dann so einen gewissen Druck, dass du jetzt auch echt was abliefern musst, oder ist das eher ein entspanntes Gefühl, weil du weißt, da ist Interesse da und das kann nicht so schiefgehen?

Curse: Es ist ein entspanntes Gefühl, weil ich halt einfach weiß, dass ich das Album gemacht habe, was ich persönlich einfach machen wollte. Und ich glaube, wenn man irgendwie zufrieden ist mit dem, was man da abgeliefert hat, dann kann man sich auch irgendwie freuen. Natürlich bin ich ein bisschen nervös und bin gespannt, aber am Ende des Tages bin ich sehr happy über das Album und auch über das ganze Ding! Das Artwork ist mega geworden und das ganze Team hat echt super Arbeit geleistet. Und alles andere hat man dann nur noch bedingt in der Hand. Da tut es auch gut, sich ein bisschen locker zu machen.

Vor wenigen Wochen erschien "Uns" von Curse. Es stieg auf Platz 5 der Charts ein – und hat genau das auch verdient. Weil "Uns" wirklich stark ist. "'Uns' ist ein unfassbar atmosphärisches, ein musikalisch sehr beeindruckendes Album. Große Soundwände, aufregende Effekte, Gesänge, Klaviere, Drums", stand in unserer Rezension. Und außerdem: "'Uns' ist auch ein sehr persönliches und dabei sehr intelligentes Album. Es ist HipHop und noch viel mehr."

GL.de: Wie würdest du das Album in einem Wort oder einem Satz beschreiben?

Curse: Das Wort, das es eigentlich beschreibt, ist "Uns", der Titel des Albums - tatsächlich. Im Gegensatz zu "Wir", das wäre mir ein bisschen zu viel Parole. "Wir schaffen das" oder "Wir gegen den Rest der Welt" oder so. Und "Uns" ist ein bisschen offener und lässt ein bisschen mehr Raum für Interpretationen. Was im ersten Moment irgendwie komisch klingt, aber wenn man drüber nachdenkt, ziemlich treffend ist und was ich sehr schön finde: Jemand anderes hat gesagt, "Uns" ist ein Beziehungsalbum. Aber es geht eben nicht um Liebesbeziehungsalbum, sondern um Menschen und das Miteinander.

GL.de: Als du gesagt hast "Okay, jetzt machen wir das Album" - hast du dir da vorgenommen, irgendwas Bestimmtes zu machen?

Curse: Musikalisch war es relativ klar, da wussten wir von Anfang an ziemlich genau, wo wir hin wollten. Wir wussten "Okay, es soll so und so klingen, das und das sind die Inspirationen, die Referenzen, das ist der Cosmos, in dem wir uns da bewegen wollen." Das Feeling und die Texte sind dann peu à peu entstanden. Und die sind auch wirklich ganz viel durch Wegstreichen und Weglassen und bestimmte Dinge nicht zu tun entstanden. Die Texte sind immer mehr zusammengeschrumpft aus so 'nem Riesenkosmos von "Ach, man kann darüber 'nen Sound, und man kann das und das..." zu "Okay, worum geht's nun wirklich und was will ich vielleicht wirklich sagen und was will ich nicht machen". Es hat eineinhalb Jahre gedauert, bis das Album inhaltlich so ist, wie es jetzt ist, das war echt ein langer Prozess.

GL.de: Musikalisch ist es das Gegenteil von reduziert. Die Chöre, die Klaviere, die ganzen atmosphärischen Geschichten. Hast du dir denn trotzdem irgendwie Grenzen gesetzt und gesagt, das darf ich jetzt nicht mehr machen oder warst du da so frei musikalisch, dass so alles passieren durfte, worauf ihr grade Bock hattet?

Curse: Es durfte theoretisch alles passieren, aber ich habe irgendwann im Laufe der Produktion mal ein Gitarrenverbot ausgesprochen (lacht), weil wir uns da teilweise in so Richtungen von Bands wie Wu Lyf bewegten, die so einen sehr großen, atmosphärischen Sound herstellen. Und ganz viel in der Indie-Musik funktioniert es ja über Gitarren-Layer, da gibt es tausend Indie-Band-Beispiele, die diese großen gestackten Gitarren machen und dann hast du so einen ganz bestimmten Sound und genau das wollten wir halt vermeiden. Unsere Grundelemente sind zum Beispiel Pianos und große Drums. Und bei den Drums haben wir gesagt, dass wir viel Toms und Pauken möchten. Es gab also keine Grenzen, sondern eher Referenzen und die Referenz war, ganz klar, mein Musikgeschmack: Die Musik, die ich gerne höre und dieses Gefühl dabei möchte ich mit dem Album erzeugen.

GL.de: Und ist dieser Gegensatz - reduzierte Vocals und opulente Musik – bewusst entstanden, weil ihr gesagt habt, da passiert schon so viel mit der Musik, dass wir mit den Texten wirklich auf den Punkt kommen müssen?

Curse: Ich glaube, das ist gar nicht so sehr durch die Größe der Musik entstanden, sondern einfach durch meine Überlegungen eben zum Text. Was will ich sagen und wie will ich es sagen. Was ich aber tatsächlich zum ersten Mal nicht versucht habe ist, wie viele andere Rapper das Instrumental zu dominieren, zu sagen "So, da ist jetzt ein Beat und ich mach mir den jetzt zu eigen, ich unterwerfe den jetzt". Ich habe gesagt "Okay, die Stimme ist auch ein Instrument in diesem Gesamtgefüge und was zählt ist der Song und nicht das Ego der Stimme oder das Ego des Gitarren-Solos." Und ich habe zum Beispiel dieses Mal auch eigentlich nicht sehr viel am Blatt, sondern die meisten Texte erst beim Aufnehmen geschrieben, was ein sehr musikalisches Arbeiten war. Die Hälfte der Texte von meinem ersten Album zum Beispiel habe ich dagegen auf Musik geschrieben, die gar nicht auf dem Album ist, sondern auf irgendwelche Instrumentals von irgendwelchen amerikanischen Rappern. Und dann hatte ich meinen Song fertig und hab dafür dann irgendwo den passenden Beat gesucht.

GL.de: Jetzt hast du ja in deiner Pause auch für andere Künstler geschrieben, hat das irgendwie die jetzigen Arbeiten beeinflusst?

Curse: Absolut, absolut! Weil da das zum ersten Mal so war, dass Leute gekommen sind und gesagt haben "Wir haben hier schon 'ne bestehende Melodie, wir haben hier schon daaa, daaadadaaaaaa, dadaddaaadaa - und jetzt schreiben wir den Text auf die Melodie." Das heißt, die Silben müssen genau auf der Melodie sitzen und du musst die Sprache so bauen, dass sie genau auf diese Silben passt und trotzdem diese Aussage hat. Und das war eine sehr interessante Arbeitsweise und hat mich auch auf jeden Fall sehr beeinflusst und inspiriert, meine Stimme noch musikalischer zu denken als vorher.

GL.de: Feierst du dich als erfahrener Textschreiber noch dafür ab, wenn du was geschrieben hast und denkst "Boah, wie geil ist das denn?"

Curse: (Lacht) Ja, das ist interessant. Euphorie ist eher so ein Gefühl, was sich nach einer Zeit in einem Gesamtding entwickelt. Also, wenn sich da die Musik entwickelt und der Text entwickelt sich und man merkt irgendwann, es geht in die richtige Richtung und es wächst, dann entsteht so etwas. Manchmal dauert es das auch, manchmal nehme ich den Song auf und hab erst zwei Wochen später das Gefühl "Wow, okay, krass." Ich hab zum Beispiel ganz oft eher das Gegenteil. Das ich etwas schreibe und das Gefühl hab "Boah, das ist Müll, das ist Müll", und wenn ich dann merke, dass ich mich ständig immer selbst krass kritisiere und hinterfrage, dann lasse das Ding liegen und gehe ein paar Tage später wieder dran. Mit Abstand, und dann merke ich meistens, okay, gut, es war gar nicht so kacke.

GL.de: Gibt es Momente oder Sounds oder irgendwelche Teile auf dem Album, auf die du besonders stolz bist?

Curse: Das ändert sich immer. Also es gibt manche Tage, an denen ich den einen Song oder den anderen Song jetzt irgendwie mehr feiere. Aber "Millionen mal schon" ist schon einer meiner Lieblings-Songs auf dem Album. Genau wie "Kristallklarer Februar", "Menschen" und "Tatooine" - also es gibt schon so ein paar Sachen. Aber das kann sich auch morgen ändern. Aber das sind jetzt nicht so Sachen, wo ich stolz bin oder so, sondern es ist eher etwas, wo ich das Gefühl habe, dass die Songs es irgendwie geschafft, das Gefühl, das ich vermitteln wollte, am besten einfangen. Bei manchen Songs glaube ich "Okay, gut, wir haben's zu 87 Prozent oder 93 Prozent getroffen". Und bei manchen Songs sind es 98 oder 99 Prozent.

GL.de: Anderes Thema, Curse live, was erwartet uns da, was gibt's da, wie wird's?

Curse: 2001 hab ich angefangen, mit einem Live-Drummer zu spielen, 2003 mit einer kompletten Live-Band und das war damals im HipHop, im deutschen HipHop irgendwie sehr, sehr ungewöhnlich. Und das hab ich eigentlich immer weiter verfolgt. Also ich hab immer schon irgendwie versucht, mit einer Live-Instrumentierung zu arbeiten, um den Leuten wirklich ein Konzerterlebnis irgendwie zu geben. Dieses Mal ist es so, dass wir in der Mitte so das Herzstück haben, das ist ein Typ mit mehreren Keys, Synthies, Drum Machines, Abletons, Samplern und so weiter. Links und rechts sind zwei Drummer, um diese paukigen, diese großen brachialen Drums und so weiter umzusetzen. Also es wird es eine sehr wuchtige Angelegenheit mit einem massigen Sound geben.

Weitere Infos:
www.curse.de
www.facebook.com/curseofficial
Interview: -Mathias Frank-
Foto: -Pressefreigabe-
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Aktueller Tonträger:
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(Indie Neue Welt/Groove Attack)




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