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DONOTS
 
Stolz wie ein Donot
Donots
Es war Ende der 1990er Jahre und auch Anfang bis Mitte 2000, dass die Donots die netten Poppunker aus Münster waren. Man mochte sie, man schaute sie sich als Vorband der großen, der wichtigen Bands an. Aber irgendwie nahm man sie nicht so wirklich ernst. Weil sie eben nicht wichtig waren. Aber das änderte sich. Und wie. Die Donots gründeten ihr eigenes Label, machten ihr eigenes Ding und klangen noch immer nett. Aber auch eigen. Erstmals 2008 auf dem Album "Coma Chameleon", dann auch auf "The Long Way Home" und "Wake The Dogs". Das war noch immer Pop und das war noch immer Punk, aber das waren jetzt nur noch die Donots und nicht mehr anderen.
Nun haben wir 2015 und es Zeit für die nächste Neuerfindung. Jetzt singen die Donots auf Deutsch und auch wenn man anfangs davor Angst haben konnte - das klingt außergewöhnlich gut und ihr neues Album "Karacho" ist ein außergewöhnlich gutes. Es ist Deutschpunk ( "Ich mach nicht mehr mit"), Indierock und weiter ganz viel Pop ( "Dann ohne mich"). Und das alles funktioniert, macht Sinn und noch viel mehr Spaß. Wir sprachen mit Sänger Ingo Donot.

GL.de: Was ist eure Lieblingszeile auf dem neuen Album und warum?

Ingo Donot: Meine Teenage Angst ist längst erwachsen, die Nähte an meinen Zweifeln platzen und trotzdem denke ich "I Don't Wanna Grow Up", die Uhr sagt NEIN, das Herz sagt DOCH! Ich finde den Gedanken schön, sich in jedem Alter das gute alte Descendents-Credo zu vergegenwärtigen und trotz vieler Anforderungen, der wachsenden Verantwortung und aller Probleme sich immer einen Teil seiner jugendlichen Naivität zu bewahren. Deshalb hab ich mir auch neulich erst Milo auf den Fuß tätowiert, um immer dran erinnert zu sein.

GL.de: Was hat länger gedauert (auch im Rückblick auf die anderen Alben): Musik oder Text? Und was kommt zuerst?

Ingo Donot: Für mich persönlich waren dieses Mal natürlich die Texte die größere und zeitintensivere Aufgabe, aber schönerweise haben die deutschen Zeilen auch hin und wieder den Songwriting Prozess beschleunigt. Einige Texte waren zuerst fertig und dann haben wir daraufhin angefangen, einen Song zu schreiben, der vom Feeling dazu passt. Das macht die Platte glaube ich extrem frisch, weil die Arbeit in unterschiedliche Richtungen funktioniert hat und trotzdem immer eher ungeplante Momente einfängt.

GL.de: Und wie reagiert man, wenn der Bandkollege sagt: "Die Zeile find ich jetzt doof" oder einfach "Nein!"?

Ingo Donot: Das hat es fast nie gegeben. Wir haben in der Tat zwar öfter mal zusammen gesessen und über die Texte geschaut, aber mit Ausnahme von "Besser als das" waren eigentlich alle immer recht d'accord mit meinen Zeilen oder eigenen Verbesserungsvorschlägen, wofür ich echt dankbar bin. "Besser als das" habe ich dann nochmal komplett verworfen und das Thema ein wenig knackiger gemacht. Im Nachgang eine extrem gute Entscheidung. "Dann ohne mich" hab ich selbst nochmal eingestampft und neu verfasst, weil mir die erste Version des Songs zu wenig Ansage war.

GL.de: Schreibt man die Musik und schreibt man die Texte anders, wenn man deutsche Texte hat?

Ingo Donot: Die Texte schreiben sich definitiv anders, weil man im Deutschen viel größere Kapriolen schlagen und Wortspiele basteln kann, aber gleichzeitig eben auch Gefahr läuft, zu kitschig zu schreiben und in Schlager-Gefilde abzudriften. Wichtigste Erkenntnis der deutschen Lyrics war, dass man keine einzige Zeile verschenken darf. Füllwörter wie im Englischen sind ein absolutes No-go, wenn man das Maximum aus einem Thema rauskitzeln will. Und ich glaube, die Härte und Vielsilbigkeit der deutschen Sprache hat sich auch auf die Härte und Direktheit der Riffs ausgewirkt. Guido hat irgendwann festgestellt, dass ihn die straighten Ansagen der deutschen Texte sehr unmittelbar erreichen und es ihm wieder viel leichter gefallen ist, einfachere Punkrock-Riffs zu schreiben, die nach vorne gehen.

GL.de: Welchen Einfluss hatte Schrappmesser auf "Karacho"?

Ingo Donot: Ich glaube, Schrappmesser hat mir die ersten Gehversuche in deutscher Sprache schon ein wenig erleichtert, weil da halt alles machbar war - je absurder, desto besser. Da gab es dann nicht sowas wie eine Hemmschwelle, wenn man seine Texte zum ersten Mal öffentlich im Studio vorträgt. Bei Schrappmesser ist darüber hinaus der Ansatz, möglichst rumpelig und unperfekt zu klingen. Zwei Gesangstakes pro Song aufnehmen, den schlechteren nehmen und eben die Perfektion im Unperfekten zu finden. Da gibt es mitunter die besten magischen Momente. Und das ist etwas, dass wir auch mehr denn je mit den Donots beherzigen. Die erste Zeile des Albums "Von jetzt an mach ich nicht mehr mit" ist beispielsweise eine Demo-Spur, die wir aus der Vorproduktion rübergerettet haben und überhaupt die erste deutsche Donots Zeile überhaupt war.

GL.de: Wie schreiben, organisieren sich und arbeiten die Donots? Hat da jeder seine Aufgabe und redet den anderen eher wenig rein oder darf und soll jeder alles machen?

Ingo Donot: Im Studio sind wir - wie auch auf Tour - ein absolut demokratisches Team, was nicht unbedingt immer zu einer schnellen Entscheidungsfindung beiträgt, aber dazu führt, dass am Ende wirklich alle 100%ig zufrieden mit den Ergebnissen ist. Jeder wird gehört, jeder darf Ideen oder Zweifel anbringen. Ansonsten hat jeder seine mehr oder weniger ungeschriebene Aufgabe im Donots-Gefüge und bei der Labelarbeit für Solitary Man: Der eine übernimmt den Management-Teil, der andere ist für das Knüpfen von Kontakten, die Interviews und den öffentlichen Auftritt etc da, der nächste verwaltet die Tour-Logistik, ein weiterer die Büroarbeit, einer pennt quasi mit der Gitarre in der Hand und allesamt sind wir gleichermaßen kreativ. Das funktioniert erstaunlich gut.

GL.de: Und wie nehmen die Donots auf? Einfach im Stehen oder gar Sitzen oder tickt ihr beim Einspielen auch schon mal aus?

Ingo Donot: Stehend, sitzend, liegend, trinkend. Da ist alles möglich, solange es nicht aufgesetzt ist. Manchmal kommt aus den quatschigtsten Schnaps-Situationen die beste Aufnahme heraus, wenn sich alle kollektiv in den Wahn zocken. Zumindest ein letztes bisschen Live-Situation muss auch im Studio her, weshalb wir auch da probieren, immer zusammen zu zocken, so es denn geht.

GL.de: Was gibt es sonst so aus dem Studio zu erzählen? Wie war es, wie lief es, wer war dabei und vermisst ihr die Zeit oder seid ihr froh, dass ihr fertig seid?

Ingo Donot: Wir haben in diversen Sessions, mal alleine, mal mit Robin Völkert oder Toni Meloni von unserer Live-Crew aufgenommen, schließlich alles bei Vincent Sorg, unserem Produzenten und guten alten Freund, im Principal Studio eingespielt, nachdem wir u.a. im Cloudshill in Hamburg, im Horus in Hannover oder einfach in unserem eigenen Studio in Münster die Ideen ausgearbeitet haben. Das lief erstaunlich locker und ging uns leichter von der Hand, als wir zuerst gedacht hätten. Wichtig war glaube ich auch der Song "Das Neue bleibt beim Alten", den wir zusammen mit Tim von Rise Against aufgenommen haben. Das hat uns total gekickt und den Switch auf die deutsche Sprache nochmal erleichtert und uns bestärkt im Glauben, dass wir da auf dem richtigen Weg sind. Wir sind glücklich, dass die Platte endlich draußen ist jetzt, freuen uns aber schon wieder auf die nächsten neuen Songs, die irgendwann ja auch wieder geschrieben werden, nachdem wir ausgiebig getourt haben. Ich hab gerade vor ein paar Tagen auf meinem Rechner den Ordner "Texte 2015" angelegt und fange auch schon wieder an, zu sammeln. Schlafen ist eh der Feind!

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GL.de: Die Reaktionen der Leute sind euphorisch. Wie findet ihr euer neues Album und was findet ihr am allerallerallertollsten auf "Karacho"?

Ingo Donot: Wir könnten nicht glücklicher mit dem Ergebnis sein, im Ernst! Das Album macht uns extrem viel Spaß, wir sind stolz wie Oskar, mal wieder eine neue Herausforderung gemeistert zu haben und es ist einfach ein tolles Gefühl, dass man sagen kann: "Geil, das können wir also auch!" Wenn man sich selbst nach 20 Jahren noch so überraschen kann, dann ist das doch einfach der Hammer! Und dass die Reaktionen allerorten so begeistert sind, tut dann ein Übriges, um mit einem drei Meter breiten Grinsen durch die Gegend zu laufen und sich auf die ersten Shows zu freuen.

GL.de: Mit welchen Reaktionen und Kommentaren hattet ihr gerechnet?

Ingo Donot: Ich bin extrem froh, dass wir von den Leuten draußen verstanden werden, was die Sozialisation und Einordnung der Platte angeht. Ich glaube, wenn man uns in einen Topf mit diesen gesichtslosen Format-Deutschpop-Radio-Bands gesteckt hätte, wäre das schon nicht so schön gewesen. Stattdessen hören wir schöne Komplimente der Marke "Geil, erinnert mich vom Gestus an Slime!", "Schöne Wortspiele der Marke Muff Potter!" oder einfach "Hurra! Ihr könnt ja auch Deutschpunk und es klingt so, als hättet Ihr nie was anderes gemacht!" Das freut den Deutschpunk-Fan in mir natürlich extrem! Ich hab zuerst gedacht, dass der Wechsel ins Deutsche zu heftig und unbequem für viele wäre und Leute abspringen würden. Das wird es bestimmt auch geben, aber Reibung und Diskussion machen ja auch durchaus Sinn.

GL.de: Kümmern euch die Meinungen der anderen denn überhaupt? Bzw. kümmern sie euch noch?

Ingo Donot: Konstruktive Kritik nehmen wir uns gerne an. Lesen tun wir alles, aber polemische Kommentare, die einfach nur unreflektiert Breitseiten in unsere Richtung ballern, kümmern uns nicht sonderlich. Wir machen unser Ding und freuen uns, dass viele Leute mit uns auf die Reise gehen mögen!

GL.de: Im Interview zu "The Long Way Home" hatten wir euch gefragt: "Was hätten die Donots von damals von den Donots von heute gehalten?" Jetzt fragen wir euch das noch mal: Was hätten die Donots von damals von den Donots von heute gehalten?

Ingo Donot: Ich hätte uns glaube ich wirklich abgefeiert, weil das neue Album eigentlich sehr den unmittelbaren Gestus meiner Lieblings-Deutschpunk-Bands von damals atmet. Ich hätte allerdings ein Problem damit gehabt, dass die heutigen Donots mir immer den Kühlschrank leergetrunken hätten.

GL.de: Wie geht's Eike?

Ingo Donot: Ihm geht's den Umständen entsprechend gut. Er läuft teilweise an Krücken und braucht noch ein paar Wochen, bis seine Knieverletzung wieder verheilt ist. Es ist schade, dass wir jetzt erstmal nicht auf Clubtour gehen können wegen seinem Unfall, aber dann machen wir das halt wie Metallica und fangen ganz großkotzig mit Rock am Ring an, bevor wir die Clubs dann ausgiebig im Herbst beackern.

GL.de: Wie fühlt man sich als Donot im Jahre 2015?

Ingo Donot: Besser denn je, denn irgendwie dürfen wir mittlerweile alles. Das ist ein großer Luxus, den wir uns über 20 Jahre erspielt haben. Wenn wir beim nächsten Mal Bock auf ein Polka-Album mit Küchermixer-Solo haben, dann machen wir halt das. Donots müssen schönerweise nix - schon gar nicht dem eigenen Klischee hinterher rennen, wie viele alte Classic Rock Bands. "I don't wanna grow up" halt...

Weitere Infos:
www.donots.com
www.facebook.com/donotsofficial
Interview: -Mathias Frank-
Fotos: -Patrick Runte-
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Aktueller Tonträger:
Karacho
(Vertigo/Universal)




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