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THE POSIES
 
Aus Erfahrung gut
The Posies
Alte Liebe rostet nicht! Das dachten sich wohl auch Jon Auer und Ken Stringfellow, die beiden Masterminds von The Posies, und haben deshalb zum 30. Bandgeburtstag das Line-up wieder zusammengetrommelt, das vor einem Vierteljahrhundert die Meilenstein-LP "Frosting On The Beater" aufgenommen hatte. Mit Dave Fox am Bass und Mike Musburger am Schlagzeug geht es jetzt auf eine Welttournee, die im Oktober auch an vier, von Geasteliste.de präsentierten Abenden in Deutschland haltmacht. Ihre alten Platten haben die Amerikaner dann auch im Gepäck, denn das auf Reissues spezialisierte Label Omnivore veröffentlicht dieser Tage erneut die drei Majorlabelalben der Posies, "Dear 23" (1990), "Frosting On The Beater" (1993) und "Amazing Disgrace" (1996). Auf Vinyl gibt es dann ganz klassisch das ursprüngliche Material, während auf CD noch ordentlich unveröffentlichte Bonusstücke aus den Archiven enthalten sind.
Den aufmerksamen Gaesteliste.de-Lesern müssen wir die Herren natürlich kaum noch vorstellen, allen anderen sei gesagt, dass The Posies eine der bekanntesten unbekannten Bands der 90er-Jahre waren, die mit ihrem schwer zu kategorisierenden Stil zwischen British-Invasion-Eingängigkeit, Power-Pop-Energie und Alternative-Rock-Wucht unverständlicherweise selbst als Labelkollegen von Nirvana und im Fahrwasser der Grunge-Welle in ihrer damaligen Heimatstadt Seattle nie den großen Durchbruch schafften, heute allerdings Kultstatus genießen, denn das Wissen um ihre viele Jahre nur schwer zu findenden Platten war lange so etwas wie ein geheimer Handschlag unter Indierock-Connaisseuren. "Durch die großen Veränderungen in der Art und Weise, wie Musik konsumiert wird, waren die Alben seit ihrer ursprünglichen Veröffentlichung nicht immer verfügbar", schreibt die Band in einem Statement zu den Reissues. "Die CDs waren vergriffen, die Präsenz beim Streaming unbeständig, die LPs entweder lange nicht mehr erhältlich ('Frosting On The Beater'-LPs wechseln dieser Tage auf Discogs für 150 Dollar die Besitzer) oder in einigen Regionen nie erschienen. Zudem kamen die CDs, insbesondere 'Dear 23', in den frühen Tagen des Mediums heraus, und die alten Ausgaben entsprechen nicht genau den analogen Masterbändern, auf denen die Alben entstanden." Mit den kommenden Reissues soll sich all das nun ändern.

Dass es die Band, die als Teenager-Duo mit einer - zugegebenermaßen sehr ambitionierten - Homerecording-Cassette unter dem augenzwinkernden Titel "Failure" gestartet ist, inzwischen drei Jahrzehnte gibt, verblüfft allerdings selbst Ken Stringfellow, der sich mit Jon Auer seit dem ersten Tag Songwriting, Gesang und die Gitarren teilt. "Ich persönlich habe nie darauf vertraut, dass die Beziehungen - innerhalb der Band und zu den Fans - von Dauer sind", erzählt er uns, als wir ihn - kein Scherz! - vor einem Soloauftritt in der armenischen Hauptstadt Jerewan erwischen. "Es gab immer genug Volatilität, die mich hat wachsam sein lassen. Meine Lebensphilosophie ist, dass die Dinge, die dich beschäftigen, die wichtigen sind, ganz egal, ob sie angenehm sind oder nicht. Die Beziehungen in der Band haben in den 30 Jahren viele Höhen und Tiefen und alles dazwischen erlebt."

Weniger überrascht ist für ihn dagegen rückblickend, dass es die LP "Frosting On The Beater" mit ihren heimlichen Hits "Dream All Day", "Solar Sister" oder "Definite Door" war, die 1993 zum bestverkauften Album der Band avancierte, bis heute nicht nur von den Diehard-Fans der Band innig geliebt wird und die Musiker zudem mit ihren ersten Konzertreisen außerhalb der USA ins internationale Rampenlicht bugsierte. "Ich denke, es ist ein sehr geschlossenes Album, und es repräsentiert die Unschuld, die wir damals noch hatten", sagt er. "Wir hatten ja die Welt noch nie zuvor gesehen! Vielleicht ging es den gleichaltrigen Menschen, die uns damals entdeckten, ähnlich. Wir alle waren Twentysomethings und begannen, erwachsen zu werden. Es gab dort eine Art spirituelle Einheit."

Auf der kommenden Jubiläums-Tournee, die The Posies mit rund 80 Konzerten in sechs Monaten rund um den Erdball führt, werden Auer und Stringfellow nun wieder von Dave Fox und Mike Musburger begleitet, um auch personell an die alten Zeiten anzuknüpfen. Für einige Spezialauftritte in Seattle und Spanien hatte diese Besetzung der Band auch in der Zwischenzeit einige (wenige) Male auf der Bühne gestanden, eine komplette Welttournee haben diese vier allerdings zuletzt 1993/94 direkt nach der Veröffentlichung von "Frosting On The Beater" unternommen. Doch nicht nur wegen des dezenten Klassentreffen-Flairs, das die kommende Gastspielreise umweht, freut sich Stringfellow auf die erneute Zusammenarbeit mit den alten Mitstreitern. "Mike war schon damals einfach super kompetent", erinnert er sich. "Mit ihm trafen wir einen Musiker, wie es ihn in jeder Generation nur einmal gibt, mit extremer technischer Fähigkeit und großer Tatkraft, der leider durch uns an eine Band gebunden war, die nur eine halbe Million Alben verkauft hat. Mike ist Weltklasse! Dave hat eine Leichtigkeit und Anmut. Dass er 1994 nicht der technisch versierteste Bassist war, frustrierte uns und führte letztlich zu seinem Weggang. Seitdem hat er allerdings aufgeholt und ist heute absolut großartig."

Deshalb ist Stringfellow überzeugt, dass nicht nur die Songs aus "Frosting On The Beater", sondern Lieder aus allen Phasen der ebenso abwechslungsreichen wie wechselhaften Karriere der Band, die ihren Weg auf die Setlist der kommenden Konzerte finden sollen, besser denn je klingen werden. "Dave und ich haben unsere Fähigkeiten in den letzten 25 Jahren stark verbessert", erklärt er. "Jon und Mike waren schon damals Wunderkinder und Virtuosen, aber jetzt sind sie bessere Zuhörer, und die besten Zuhörer sind die besten Musiker, unabhängig von ihren technischen Fähigkeiten."

Dass die Besetzung, die sich nun erneut zusammenfindet, damals nach einem handgreiflichen Streit zerbrach, ist inzwischen längst vergessen. "Wir sind heute alle viel bodenständiger", ist Stringfellow sicher. " Vater zu werden hat zum Beispiel sehr geholfen. Wenn du Kinder hast, musst du schon sehr narzisstisch sein, immer noch zu denken, dass du die wichtigste Person auf der Welt bist. Ich denke, dass ein Mangel an Bescheidenheit in unseren frühen Tagen das Problem war. Jeder glaubte, dass seine Probleme wichtiger seien als die der anderen. Zudem haben wir alle viel getrunken, auch die harten Sachen. Da wird man schnell irrational, und das zerstört die Ausgeglichenheit im Miteinander. Außerdem: Wenn alle saufen, hat immer einer einen Kater, und so werden schlechte Laune und Überempfindlichkeit zu ständigen Begleitern. Ich denke, dass wir heute alle Teamplayer sind." Anders gesagt: The Posies sind inzwischen aus Erfahrung gut!

Der 30. Geburtstag von "Team Posies" ist allerdings nicht die einzige Festivität, die in den nächsten Monaten ansteht, denn Ende Oktober wird Stringfellow 50 Jahre jung. Seinen 25. Geburtstag beging er während der "Frosting On The Beater"-Tour auf der Bühne in Amsterdam, wo er nicht nur mit seiner Band spielte, sondern auch gleich noch als Leadsänger bei den Headlinern Teenage Fanclub einsprang, weil Norman Blake seine Stimme verloren hatte. Seine zweiten 25 Jahre wird Stringfellow dagegen an einem konzertfreien Tag in Norwegen feiern. "Das hat sich einfach so ergeben. Mein Geburtstag fällt dieses Jahr auf einen Dienstag, und deshalb hat es nicht geklappt, eine Show zu buchen. Stattdessen wird es eine kleine Dinner-Party in Oslo geben, wo wir einige wundervolle Freunde haben", verrät er, bevor er abschließend lachend hinzufügt: "Ich könnte natürlich auch mal gucken, was Teenage Fanclub an dem Abend machen!"
Weitere Infos:
www.theposies.net
www.facebook.com/theposies
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-
The Posies
Aktueller Tonträger:
Dear 23 / Frosting On The Beater / Amazing Disgrace (Expanded Reissues)
(Omnivore/Import)




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