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EMMA RUTH RUNDLE
 
"Ich fühle mich, als hätte ich im Lotto gewonnen!"
Emma Ruth Rundle
Kaum zwei Jahre ist es her, dass Emma Ruth Rundle auf ihrem phänomenalen Album "Marked For Death" den LP-Titel mit elektrisierend intensiven Songs adäquat in niederschmetternde Töne verwandelte. Letztes Jahr stolperte sie dann praktisch über ihr Glück, und das kann man nun hören und sehen: Mit ihrem beeindruckenden neuen Album "On Dark Horses" findet die ursprünglich aus Los Angeles stammende 35-Jährige den Weg aus der Dunkelheit und führt klanglich ihr bisheriges Schaffen mit Marriages, The Nocturnes und als Solistin bruchlos zusammen. Auch beim Interview mit Gaesteliste.de vor ihrem Konzert im Juha West in Stuttgart diesen Sommer wirkt sie merklich entspannter, ja glücklicher.
Auf der neuen Platte verarbeitet Emma textlich erneut zutiefst Persönliches, gleichzeitig lässt sie den Liedern im Dunstkreis von feingliedrigem Folk, experimentellem Ambient und handfestem Postrock aber mehr Raum zum Atmen als zuvor. Trotz angenehm düsterer Grundstimmung bleibt so am Ende immer ein Funken Hoffnung, wenn sie rohe Emotionen und fesselnde Ausdruckskraft über reine technische Perfektion und musiktheoretische Leitbilder stellt. Wer jedoch glaubt, die Emma, die "On Dark Horses" geschrieben und aufgenommen hat, sei eine völlig andere als die von "Marked For Death", ist allerdings auf dem Holzweg. "Ich glaube nicht, dass ich mich sehr verändert habe", ist Emma überzeugt. "Ich bin immer noch der gleiche Mensch, wenngleich ich inzwischen ein bisschen gesünder bin. Als ich 'Marked For Death' gemacht habe, war ich allein, in der Mitte von Nirgendwo, und hatte persönlich eine Menge durchzustehen. Es gab viele Gründe, warum es dazu kam, aber das Ganze war schon eine sehr extreme Umgebung, das waren sehr extreme Umstände, um Songs zu schreiben. Das hat Spuren auf der Platte hinterlassen. Doch auch wenn ich jetzt glücklicher und gesünder bin - ein anderer Mensch bin ich keinesfalls.

Schien es beim Vorgängerwerk bisweilen so, als seien die Lieder einfach aus ihr herausgebrochen, als sie ganz tief unten war. Die neuen Songs dagegen wirken oft überlegter. Darf man sagen, dass das neue Album Resultat eines künstlerischen Reifungsprozesses statt wie zuvor reiner Therapieersatz ist? "Ja", bestätigt Emma. "Der Anfang ist unverändert: Ich schreibe die Lieder auf meiner Akustikgitarre und baue dann das Arrangement darum herum auf. Neu war dieses Mal, dass ich erstmals mit einer kompletten Band aufgenommen habe, anstatt später weitere Gitarrenparts selbst hinzuzufügen und auf der Bariton-Gitarre auch das vorzugeben, was der Bass macht. Dieses Mal wusste ich, dass die Musiker der Band einige der Parts, für die ich zuvor stets selbst verantwortlich war, übernehmen und sie viel besser und mit ihren eigenen Stärken ausfüllen würden. Weil mehr Musiker an der neuen Platte beteiligt waren, hatten wir die Möglichkeit uns gegenseitig die Bälle zuzuspielen, und deshalb sind die Arrangements nun komplexer."

Geschrieben und aufgenommen hat Emma die betont variantenreiche neue Platte im Frühjahr direkt im Anschluss an eine lange Tournee zusammen mit Jaye Jayle, die ihr zusammen mit Drummer Dylan Nydon auch auf "On Dark Horses" zur Seite stehen. Allerdings hatte sie statt der Full-Band-LP auch noch eine ganz andere Idee im Kopf: "Ich stand vor der Entscheidung, eine sehr reduzierte Solo-Akustik-Platte zu machen - und das habe ich immer noch vor! - oder eine mit Jaye Jayle. Weil wir nach einem Jahr zusammen auf Tour einfach eine großartige Chemie und eine besondere Dynamik entwickelt hatten - sie verstehen jetzt meine Musik, sie wissen, wie ich schreibe -, war schnell klar, dass wir zuerst die Platte mit der kompletten Band machen." Auf der letztjährigen Gastspielreise fand sie aber nicht nur ideale Mitstreiter für ihre Musik., sondern in Jaye-Jayle-Frontmann Evan Patterson auch gleich noch den Mann fürs Leben: Die beiden sind seit Mai verheiratet. "'Marked For Death' auf die Bühne zu bringen, hat Großartiges bewirkt", sagt Emma freudestrahlend über die Tournee, die ihr Leben verändert hat. "In vieler Hinsicht war es ein Happy End!"

"On Dark Horses" ist deshalb ein betont kollaboratives Werk, auf dem Jaye Jayle Emmas Visionen noch heller erstrahlen lassen, ohne sie dabei zu überschatten. Dennoch ist es Emma nicht immer leichtgefallen, die Ideen ihrer Mitstreiter anzunehmen, nachdem sie bei ihren Solowerken zuvor stets auf sich allein gestellt war und alle Entscheidungen allein fällen musste, aber auch durfte. "Ich hatte einige schwere Kämpfe mit mir auszutragen und habe lange mit mir gerungen, ob ich Evan auf der Platte Gitarre spielen lassen soll", gesteht sie. "Ich sehe die Gefahr, dass die Leute vorschnell annehmen, dass ich die Songs nun nicht mehr allein schreibe und nur noch im stillen Kämmerlein singe, weil doch all die Shredding-Gitarrenparts ganz bestimmt von Evan sein müssen! Darum mache ich mir schon ziemlich Sorgen, und gleichzeitig macht es mich wütend, dass ich mir darüber Gedanken machen muss. Schließlich war es mir immer schon sehr wichtig herauszustellen, dass ich in erster Linie Gitarristin bin. Damit fühle ich mich viel wohler, als mich als Sängerin zu bezeichnen." Rückblickend ist sie allerdings dennoch sehr froh über Evans Beiträge und betrachtet die Sessions als Lernprozess. "Das war eine großartige Übung im Loslassen", ist sie überzeugt. "Letztlich habe ich die Platte das sein lassen, was sie ist: Sie fängt die Essenz all der Konzerte ein, die wir im vergangenen Jahr gemeinsam absolviert haben." Sie hält kurz inne und lacht. "Ich habe dennoch definitiv vor, mich mit der kommenden Solo-Akustik-Platte wieder reinzuwaschen!"

Entstanden ist "On Dark Horses" in Louisville, Kentucky, wo Emma seit anderthalb Jahren heimisch ist. Seitdem wird sie aber nicht nur von der Liebe der Einheimischen zu Bourbon und Pferderennen beeinflusst. Durch die aufblühende Freundschaft mit ihren Bandmitstreitern und die Familie ihres Mannes lernte sie auch abseits der Musik einen neuen Gemeinschaftssinn kennen. "Durch Evan erlebe ich nun ein Gefühl von Familie, das ich vorher nicht kannte, auch wenn ich meiner Schwester sehr nahestehe", verrät sie. "Wir sehen Evans Vater mindestens einmal die Woche, seinen Bruder sogar noch öfter." Doch Moment mal, hatte sich Emma nicht noch vor Jahresfrist als Einzelgängerin bezeichnet, und jetzt ist sie plötzlich verheiratet und Familienmensch? Sie lacht. "Ich hatte einfach Glück", sagt sie mit einem Schulterzucken. "Dafür bin ich sehr dankbar, denn es war echt nicht leicht, die zu sein, die ich zuvor war. Jetzt fühle ich mich, als hätte ich im Lotto gewonnen!"
Weitere Infos:
emmaruthrundle.com
www.facebook.com/emmaruthrundle
instagram.com/emmaruthrundle
twitter.com/EmmaRuthRundle
emmaruthrundle.bandcamp.com
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Priscilla Scott-
Emma Ruth Rundle
Aktueller Tonträger:
On Dark Horses
(Sargent House/Cargo)




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