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LARKIN POE
 
Back To The Blues
Larkin Poe
2008 standen Rebecca und Megan Lovell vor der Entscheidung, entweder mit der Musik aufzuhören - wie ihre ältere Schwester Jessica, mit der zusammen sie zuvor als Lovell Sisters in Sachen Folk- und Bluegrass unterwegs gewesen waren - oder aber etwas vollkommen neues auf die Beine zu stellen. Sie entschieden sich für letzteres und gründeten das Projekt Larkin Poe, das sie nach einem Urahn, der ein entfernter Verwandter des Schriftstellers Edgar Allan Poe gewesen war, benannten. Anstatt aber gleich mit einer LP-Produktion zu starten (wie das üblich gewesen wäre), nahmen sie sich erst mal die Zeit, über einen mehrjährigen Zeitraum mit insgesamt fünf EPs nach einer eigenen musikalischen Identität zu suchen. Rebecca erklärte damals etwa, dass sie bis dahin gar keine Ambitionen in Sachen Songwriterin oder Sängerin gehabt hatte, sondern ihr Heil einzig in der virtuosen Beherrschung ihres damaligen Haupt-Instrumentes, der Mandoline, gesehen habe. Schnell stellte sich indes heraus, dass die Sisters ein Händchen für das Schreiben eigener Songs hatten. Nicht so einfach war das mit der Suche nach einem eigenen Stil. Fest stand damals lediglich, dass Larkin Poe weg vom Folk-Sound der Anfangstage wollten - auch um sich mit lauteren Sounds einem größeren Publikum stellen zu können. Zwischenstationen auf dieser Suche waren Etappen, bei denen Rebecca und Megan von Elvis Costello und Conor Oberst als Bandmusikerinnen angeheuert wurden. Das führte in der Folge dazu, dass die ersten eigenen Touren der Mädels immer lauter und lauter wurden - bis sie am Ende irgendwann bei harter Rockmusik auf Blues-Basis landeten. Auf ihrer offiziellen Debüt LP "Kin" (die dann von der Industrie als "Reskinned" lizenziert wurde) kam dann noch eine Prise Pop-Appeal hinzu.
Ein Wendepunkt kam aber wohl dann zustande, als Larkin Poe erstmalig auf einer sogenannten Blues-Cruise-Kreuzfahrt in der Karibik anheuerten. Eine stetig konsequentere Hinwendung zum elektrischen Blues war die Folge - bis vor zwei Jahren das Album "Peach" erschien, das eine mehr oder minder reinrassige Blues-Scheibe war, auf der Rebecca und Megan indes eine Möglichkeit gefunden hatten, mit modernen Produktionstechniken und geringem personellen Aufwand, eine recht eigene Linie ins Geschehen zu bringen. Auf dem neuen Album "Venom & Faith" ist das Ganze nun in Reinkultur perfektioniert und auf ökonomische Weise optimiert wurden.

Ist das denn nun endgültig die Art von Musik, die man sich damals vorgestellt hatte? "Es hat schon eine Weile gebraucht, herauszufinden, wie sich unsere eigene, authentische Stimme anfühlt", erläutert Megan, "in den letzten zwei Jahren haben wir in uns hineingehorcht, um ehrlich herausfinden zu können, wer wir sind und was es bedeutet, Larkin Poe zu sein. Für uns bedeutete das eine Rückkehr zu unseren Wurzeln. Und das ist die Musik des Südens, wo wir geboren wurden und aufgewachsen sind und das sind Blues, Folk und Mountain-Music. Als wir jetzt alleine und ohne Produzenten ins Studio gegangen sind, war das genau das, was wir gebraucht haben um die Musik machen zu können, die wir immer in unserer Seele gefühlt haben. Unsere Alben 'Peach' und 'Venom & Faith' fühlen sich einfach richtig an - und wir freuen uns darauf, der Welt das zu Gehör zu bringen." In dem Song "Mississippi" erzählen die Damen von der alten Blueslegende, dass man an einer Straßenkreuzung im Süden den Teufel treffen könne - dem man dann seine Seele dafür kaufen könne, dass man fürderhin den Blues spielen könne. Was kostet denn das? Gibt es da Mengenrabatt für zwei Seelen? "Wir haben nichts in Mississippi gefunden, das dem Teufel auch nur ähnelte", meint Megan, "nur einige wirklich nette Leute und gute Musik. Aber die Referenz in dem Song 'Mississippi' ist schon deutlich. Wir lieben nun mal alte Blues-Parabeln." Gab es denn einen bestimmten Schlüsselmoment, der Larkin Poe dazu inspiriert hatte, es nun mit dem Blues zu versuchen? "Wir sind aufgewachsen mit der Musik der Allman Brothers", führt Rebecca aus, "und wir wollten darauf zurückblicken, unsere Recherchen anstellen und die Musik ergründen, die unsere Idole inspiriert hat. Amerikanische Rockmusik kommt ja vom Blues. Das ist unser musikalisches Erbe und wir haben uns darin Hals über Kopf verliebt."

Wie kam denn die Idee zustande, ab einem gewissen Punkt ohne Band weiterzumachen? "Nachdem wir für mehr als zehn Jahre als Schwestern Musik machen, sind wir musikalisch gut aufeinander eingestimmt und in der Lage, uns schnell bewegen und aufeinander verlassen zu können", erläutert Megan, "da haben wir uns dann irgendwann gefragt, warum wir nicht eigentlich mal ein Projekt ganz alleine machen sollten. Es war dann auch irgendwie befreiend, über jeden Aspekt des Albums die volle Kontrolle zu haben. Rebecca hat alles programmiert, den Bass, Banjo und Omnichord gespielt und wir haben uns die Keyboard-Parts geteilt. Ich denke, dass so ein cooler Mix aus rauen, organischen Instrumenten und programmierten Elementen entstanden ist." "Ja, aber live werden wir mit Band inklusive Drums, Bass und Keyboards touren", fügt Rebecca hinzu, "und Megan und ich werden natürlich alle Gitarrenparts übernehmen und auch das Banjo."

Auf dem Album "Kin" versuchte sich Megan auch ein Mal an den Lead-Vocals. Die Frage ihrer Schwester, ob ihr das denn gefallen habe, beantwortete sie damals allerdings nicht. Auf dem neuen Album singt sie keine Lead-Vocals mehr, oder? "Nein", bestätigt Megan, "denn ich betrachte die Lapsteel-Gitarre als meine Stimme." Dazu muss man noch wissen, dass Megan eine ganz spezielle Art hat, Gitarre zu spielen. Wenn sie nämlich "Lapsteel" sagt, dann ist das nicht ganz richtig, denn sie verwendet eine normale Gitarre, die so modifiziert ist, dass sie diese waagerecht, aber im Stehen, als Slide-Gitarre spielt. Klanglich kommt so schon ein Steel-Gitarrensound zustande, der indes sehr viel wandlungsfähiger rüberkommt als jener einer klassischen Steel-Gitarre. Es ist tatsächlich also jene eigene Stimme, die Megan für sich reklamiert. Freilich: Im Rückblick hätte sie auch auf Rebeccas Frage von damals, ob ihr die Rolle als Sängerin denn zusage, einfach auch mit "nein" antworten können. Auf "Venom & Faith" ist der junge Blues-Gitarrist Tyler Bryant als Gast zu hören. Was ist hier die Verbindung? "Wir haben uns mit Tyler über die Jahre einfach gut angefreundet", meint Rebecca, "große Fans von ihm und seiner Band Shakedown sind wir immer schon gewesen. Wir haben uns sehr gefreut, ihn als Gast auf 'Mississippi' dabei haben zu können. Er ist ein regelrechtes Biest von einem Gitarristen und Megan hatte einen Mordsspaß daran, sich mit ihm auf der Slide-Gitarre zu duellieren." In ihren Songs referenzieren Larkin Poe auch immer wieder Orte ihrer Herkunft - etwa die Blue Ridge Mountains. "Ja, die Blue Ridge Mountains sind die Gegend, in der wir aufgewachsen sind", bestätigt Megan, "in diesem Song geht es um die guten Gefühle, die man hat, wenn man zum Ort seiner Kindheit zurückkommt. Und die großartigen Blue Ridge Mountains repräsentieren die Heimat für uns." Vor einigen Jahren sind Rebecca und Megan ja vom heimatlichen Atlanta nach Nashville umgezogen. Schlägt sich das denn in der Musik auch nieder? "Wir leben in der Tat immer noch in Nashville - und es ist bis jetzt auch großartig. Es entsteht hier mehr großartige Musik, als man jemals aufzählen könnte. Das ist natürlich sehr inspirierend."

Larkin Poe
Ist das Song-Schreiben eigentlich immer noch das liebste Larkin Poe-Hobby? Es gab ja Zeiten, als Rebecca und Megan sogar bei Soundchecks neue Songideen ausprobierten. Der Song "Mad As A Hatter" entstand zum Beispiel bei einer solchen Gelegenheit in Düsseldorf. "Wir schreiben immer noch jeden Moment, wenn wir nicht gerade auf Tour sind und live spielen - was wir allerdings zugegebenermaßen in diesem Jahr fast nur noch machen", erklärt Rebecca, "aber wir denken durchaus schon an die nächste Scheibe - und das bedeutet für uns, den Prozess des 'Selber-Entdeckens' immer wieder neu anzustoßen." Es ist also davon auszugehen, dass dieser Prozess dann also niemals so richtig beendet sein wird und uns Rebecca und Megan auch in Zukunft durchaus noch überraschen können werden. Momentan gilt aber: Der Blues lebt und hat auch in unseren Zeiten immer noch eine grundlegende Berechtigung, wenn man ihn nur aus den richtigen Gründen macht - und davon legt "Venom & Faith" ein beredtes und lebendiges Zeugnis ab.
Weitere Infos:
www.larkinpoe.com
www.facebook.com/larkinpoe
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www.youtube.com/channel/UCNQmL7NKsaQ8UxFpaSqimNw
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Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Larkin Poe
Aktueller Tonträger:
Venom & Faith
(Tricki-Woo/H'art)




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