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FONTAINES D.C.
 
"Der beste Scheiß aller Zeiten"
Fontaines D.C.
Dreist und kraftvoll, aber mit einem Augenzwinkern - so hauen uns Fontaines D.C. "Big", den Opener ihres nicht nur in ihrer irischen Heimat gefeierten Debütalbums "Dogrel", um die Ohren und liefern ihren Schlachtplan darin gleich mit: "My childhood was small / But I'm gonna be big!" Gesegnet mit einer gehörigen Portion Zynismus und einem betont authentischen Auftreten, werden Fontaines D.C. von der gleichen Frustration über die sozialen und politischen Missstände der Jetztzeit angetrieben wie etwa Idles oder Shame, wenngleich der Weg von der Gosse zum Literaturkreis bei den Working-Class-Jungs aus Dublin kürzer ist als bei ihren Seelenverwandten. Zitatfreudig verpackt in einen oft lärmigen, aber nicht selten auch von Melancholie geprägten Post-Punk-Sound aus Schrammelgitarren, Bass-Monotonie und nach vorn peitschendem Schlagwerk, machen Fontaines D.C. Songs, an denen man dieses Jahr einfach nicht vorbeikommt. Im Vorfeld ihrer Deutschland-Tournee hatten wir die Gelegenheit, Bassist Deego einige kurze Fragen zu stellen.
GL.de: Deego, ihr seid mit nur wenigen Singles zu echten Shootingstars aufgestiegen. Wie fühlt sich das an?

Deego: Es ist sehr anstrengend und aufregend, aber es ist auch eine Zeit, die viele Veränderungen in unserem Leben bewirkt. Manchmal ist es schwer, auf dem Teppich zu bleiben, aber Achtsamkeit zu üben und sich daran zu erinnern, einander zu lieben, sorgt dafür, dass wir mit beiden Beinen im Hier und Jetzt verankert bleiben.

GL.de: Was ist der größte Unterschied zu euren Anfangstagen?

Deego: Der größte Unterschied zwischen heute und vor zwei Jahren ist, dass unser Leben jetzt viel flüchtiger ist. Wir verbringen kaum noch Zeit in Irland. Dies hat Vor- und Nachteile. Wir sehen zum Beispiel wir die Welt, unsere Angehörigen dagegen kaum noch. Trotz der Nachteile ist es immer noch der beste Scheiß aller Zeiten.

GL.de: Euer Tun ist in der Presse bereits des Öfteren blumig umschrieben worden. Von "brash and forceful, but with a twinkle in its eye" in puncto Musik und "between literary high-mindedness and the rants of a worked-up barfly" in puncto Texte war alles dabei. Könnt ihr euch in solchen Beschreibungen wiederfinden?

Deego: Irgendwie schon, wenngleich unsere Musik aus einem Gefühl heraus entsteht und nicht mit einer Agenda. Mit dieser Art von Beschreibung nimmt man ein Kunstwerk und übersetzt es in Journalismus, damit die Leser eine Vorstellung von der Musik bekommen, ohne sie zu hören. Ich kann die Vorteile dieser Praxis erkennen, glaube aber, dass sie von Natur aus fehlerhaft ist. Ich würde dem Leser vorschlagen, einfach nur die Musik zu hören und sich seine eigenen Gedanken zu machen.

GL.de: Auf dem Album halten sich die betont direkten Singles und einige spürbar komplexere, ja melancholischere Albumtracks die Waage. Ist das ein Hinweis darauf, dass ihr manchmal Songs als Singles konzipiert und manchmal, damit sie einen bestimmten Platz auf einem Album füllen?

Deego: Absolut nicht - und scheiß auf diese Idee! Wir schreiben Songs, die ausdrücken, wie wir uns fühlen. Der Grund dafür ist vielfältig, weil wir (wie alle Menschen) eine Reihe verschiedener Gefühle haben und diese ausdrücken möchten. Ein Album mit Songs zu machen, die alle gleich klingen, wäre für uns eine enorme Leistung.

GL.de: Authentizität ist ein hohes Gut für euch. Das als Ziel zu definieren und es tatsächlich zu erreichen, sind aber zwei verschiedene Paar Schuhe. Wie gelingt euch das?

Deego: Ich denke, man müsste dabei zwischen Authentizität als Tugend und Authentizität in der Praxis unterscheiden. In der Praxis tun wir unser Bestes, uns selbst treu zu bleiben und wie wir zu klingen, ohne unsere Einflüsse zu sehr zu betonen. Gleichzeitig reagieren wir auch auf die Kräfte um uns herum und definieren uns durch die Unterschiede zu ihnen.

GL.de: Ihr seid eine Band, die fest in der Gegenwart verwurzelt ist, aber offensichtlich auch auf den Schultern einiger großer Künstler der Vergangenheit steht. Fällt es euch leicht, da ein Gleichgewicht zu finden?

Deego: Inzwischen passiert das auf ganz natürliche Art und Weise. In der Vergangenheit mussten wir uns manchmal zwingen, nicht zu sehr nach The Strokes oder den 60s-Garage-Bands zu klingen, aber jetzt ist es ziemlich okay!

GL.de: Ganz zum Schluss - berühmte letzte Worte?

Deego: Hört euch Just Mustard an!

Weitere Infos:
fontainesband.com
www.facebook.com/fontainesband
Interview: -Simon Mahler-
Foto: -Molly Keane-
Fontaines D.C.
Aktueller Tonträger:
Dogrel
(Partisan/Pias/Rough Trade)




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