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HANNAH & FALCO
 
"Wir hatten nie den Gedanken, dass unsere Musik so klingen muss wie jemand anders."
Hannah & Falco
Ein Paar sind Hannah Weidlich und Falco Eckhof schon länger, seit rund drei Jahren machen die zwei aus Würzburg aber auch zusammen Musik. Jetzt beweisen sie mit ihrem feinen Debütalbum im Dunstkreis von Folk und Americana und ohne Angst vor poppiger Eingängigkeit, dass es von Franken nach Tennessee oder Nebraska oft nur ein Katzensprung ist. Wohlüberlegt, aber nie kalkuliert klingen die Lieder des jungen Duos, die den Albumtitel "Field Notes" perfekt widerspiegeln. Denn trotz vieler nachdenklicher, mit klugen Beobachtungen gespickter Texte über die Fallstricke des Lebens glänzen die betont handgemachten, innerhalb weniger Tage gemeinsam mit ihren Mitstreitern The Familiar Faces live und ohne Click-Track im Studio aufgenommenen Songs doch nicht zuletzt wegen des charakteristischen mehrstimmigen Gesangs stets mit einer spielerischen Note. Obgleich viele Songs das Gefühl wohlig warmer Melancholie umgibt, kommt ähnlich wie zuletzt bei Conor Oberst und Phoebe Bridgers Projekt Better Oblivion Community Center auch bei Hannah & Falco der Spaß am eigenen Tun nie zu kurz, vor allem, wenn sich die beiden bei ihren Konzerten herrlich unprätentiös zwischen den Liedern um Kopf und Kragen reden und dabei ganz den Moment leben. Noch bis Anfang Dezember sind Hannah & Falco in ganz Deutschland auf Tour, und bei ihrem Zwischenstopp in Haldern hatten wir die Chance, kurz mit ihnen zu sprechen.
Hannah & Falco
Conor Oberst, Bright Eyes, Jason Isbell - Falco muss nicht lange überlegen, um die Vorbilder zu benennen, die in den Songs auf "Field Notes" auch ohne Frage widerhallen. Eine reine Kopie ihrer Idole wollen Hannah & Falco allerdings nicht sein. Ebenso wenig geht es ihnen darum, authentisch den Geist der alten Zeiten einzufangen. Lieber schlagen sie geschickt den Bogen von Zeitlosigkeit zum Zeitgeist und verankern ihre unüberhörbar von alten Tugenden inspirierten Songs so fest im Hier und Jetzt. "Es so zu machen, ist einfach natürlich für uns", erklärt Hannah. "Wir hatten nie den Gedanken, dass unsere Musik so klingen muss wie jemand anders." Noch einen Schritt weiter zu gehen und die Brücke vom Americana-Sound zu deutschen Texten zu schlagen, stand für Hannah & Falco allerdings nie zur Debatte, obwohl sie wissen, dass sie damit den steinigeren Weg gewählt haben. "Auf Deutsch zu schreiben und zu singen würde sich für uns einfach unnatürlich anfühlen", ist Falco überzeugt, und Hannah ergänzt: "Ja, du wehrst dich ja richtig dagegen, und deshalb würde das auch nicht zu uns passen."

Die Ansagen bei ihren Auftritten machen die zwei zwar auf Deutsch, doch wenn sie ohne Berührungsängste aus dem Nähkästchen plaudern und sich gegenseitig liebevoll aufziehen, ist das nicht nur ein Riesenspaß, sondern ebenfalls spürbar amerikanisch geprägt. Doch obwohl Hannah und Falco schon ein Paar waren, als sie ihre Band gegründet haben - den lässig-flachsigen Umgang miteinander auf der Bühne mussten sie trotzdem erst lernen. "Das erste Jahr, die ersten Jahre waren wir noch ganz anders auf der Bühne", erklärt Hannah, und Falco fügt hinzu: "Seitdem haben wir viel gesehen und konnten schauen, was wir von dem gut finden, was andere auf der Bühne machen. Wir haben zum Beispiel vier Supportshow für The Handsome Family gespielt, die ja auch ein (Ehe-)Paar sind, und es war interessant zu sehen, wie die das einsetzen und damit umgehen." - "Das fanden wir schon ziemlich beeindruckend", ergänzt Hannah. "Gleichzeitig dachten wir uns aber auch: Nee, genauso wollen wir das aber nicht machen, denn teilweise haben die sich richtig fertiggemacht auf der Bühne. Den Ansatz fanden wir aber schon cool, auch, weil es einfach witzig anzuschauen ist."

Hannah & Falco
Vielleicht ist es genau die tolle Chemie der beiden Protagonisten, die bei Hannah & Falco für den so wichtigen X-Factor sorgt, der aus guten Bands besondere macht. Schließlich war Falco bereits zuvor mit Chapter 5 in ähnlichen musikalischen Gefilden unterwegs, doch am Ende fehlte das gewisse Etwas. "Ich habe gemerkt, dass der Spaß in dem Projekt, der anfangs da gewesen war, mit der Zeit etwas verloren gegangen ist", erinnert er sich. "Warum das so war, kann ich nicht genau sagen. Auf jeden Fall ist es jetzt anders, ohne dass ich den Grund dafür kenne." Klarer sind Falcos Vorstellungen da schon, wenn es um die Frage geht, was für ihn ein gutes Lied ausmacht. "Wichtig sind mir auf jeden Fall die Lyrics", erklärt der Songschreiber der Band, "und auch - das klingt jetzt vielleicht blöd -, dass man's nicht zu oft schon mal gehört hat, dass es noch irgendeinen Twist, etwas Neues gibt, was man vielleicht nicht erwartet hätte, ganz egal, ob das eine Zeile ist oder etwas im Instrumentalteil: eine eigene Note, die es nicht zu einem ganz so glatten Song macht." - "Das klingt vielleicht kitschig, aber wenn es sich für mich gut anfühlt, ohne dass ich weiß, welche Faktoren da reinspielen, dann ist es für mich ein guter Song", ist Hannah überzeugt. Sie ist es auch, die für ihren Partner die Frage beantwortet, ob die Texte in Falcos Songs wichtiger sind als die Musik. "Wenn ich mir andere Musiker/innen anschaue, bist du auf jeden Fall der, dem die Texte am wichtigsten sind. Wenn ich dich mit 20 anderen in einen Raum stecke, bist du die Person, der die Texte am wichtigsten sind", sagt sie. "Sie sind mir schon extrem wichtig", bestätigt Falco. "Wenn ich Musik höre und mich der Text stört, dann kann ich mir den Song nicht zu Ende anhören." Deshalb hat er bisweilen die Befürchtung, dass er ob seines Textfaibles das Musikalische etwas aus den Augen verliert, eine Sorge, die sich beim Hören der facettenreichen Lieder von "Field Notes" schnell als unbegründet herausstellt.

Nachdem die vor zwei Jahren erschienene EP "Blind For The Moment" mit viel DIY-Tatendrang noch in der alten Schule der zwei aufgenommen und von der Band selbst abgemischt worden war, wurde für "Field Notes" in einem Top-Studio mit dem für seine Zusammenarbeit mit hoffnungsvollen Talenten wie Die Ärzte, Die Toten Hosen oder Sportfreunde Stiller bekannten Produzenten Oliver Zülch aufgenommen. Grund dafür war nicht zuletzt die Neugier, herauszufinden, was sich durch dieses Umfeld ändert. "Es ist viel wert, dass mal auszuprobieren", findet Hannah. "Das heißt aber nicht, dass es danach immer so weitergehen muss. Man kann sich dann ja auch entscheiden, es wieder wie zuvor zu machen." Eingespielt wurde die Platte im Hamburger Clouds Hill Studio, wo zuvor auch erklärte Gaesteliste.de-Lieblinge wie Teenage Fanclub oder Gallon Drunk aufgenommen hatten. Allerdings sind Hannah & Falco eher zufällig dort gelandet. "Wir hatten eigentlich ein Studio in Berlin gemietet, bis der Studiobesitzer eine Woche vor dem Termin anfing, wirre Forderungen zu stellen", erinnert sich Falco. "Als uns das Studio weggebrochen ist, hat Oli im Clouds Hill nachgefragt, weil er schon öfter dort gearbeitet hat, und zum Glück hat das kurzfristig geklappt! Im Nachhinein muss man sagen, dass das wirklich die perfekte Kombination war, da wir ja eine Band sind, die im Studio nicht groß an den Songs, sondern nur noch am Sound arbeitet. Dort gibt es was weiß ich wie viele Drumsets, Gitarren und Amps und die Atmosphäre ist einfach supercool!"

Hannah & Falco
Spätestens seit der Veröffentlichung von "Field Notes" klettern Hannah & Falco nun mit kleinen Schritten, aber doch unaufhörlich die Erfolgsleiter hinauf. Dafür spricht nicht nur die Tatsache, dass inzwischen längst nicht mehr nur die Konzerte daheim in Franken und Bayern ausverkauft sind. Zum Schluss unseres Gesprächs verrieten uns die beiden deshalb noch ganz besondere Glücksmomente der letzten Monate. "Für mich war das, als wir vor Kurzem erstmals von einem amerikanischen Sender gespielt worden sind, denn Amerika, das ist schon ein Traum von uns", verrät Falco, und in der Tat gibt es schlechtere Referenzen, als von der legendären kalifornischen Radiostation KCRW in Santa Monica zwischen Gogo Penguin und Jeff Goldblum präsentiert zu werden. Hannah dagegen freut sich besonders darüber, dass ihre Band dieses Jahr den (ganz nebenbei mit einem fünfstelligen Eurobetrag dotierten) BDKV-Musikpreis des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft verliehen bekommt: "Es ist gar nicht so sehr der Gewinn des Preises, sondern das Gefühl, dass man gesehen wird und dass jemand das gut findet - das macht mich dann glücklich." Sie hält kurz inne und fügt lachend hinzu: "Dann habe ich das Gefühl, es ist doch nicht alles umsonst!"
Weitere Infos:
www.hannahandfalco.com
facebook.com/hannahandfalco
instagram.com/hannahandfalco
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Pressefreigaben-
Hannah & Falco
Aktueller Tonträger:
Field Notes
(Südpol/Soulfood)




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