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ELIZA SHADDAD
 
Die vergangene Zukunft
Eliza Shaddad
Eigentlich hat die Londonerin Eliza Shaddad ja ein ziemlich unterhaltsames Leben: Geboren als Tochter sudanesischer und schottischer Eltern, führte sie in ihrer Jugend ein wahres Nomadenleben und zog aufgrund der Arbeit ihrer Mutter für das British Council mit der Familie nach Spanien, Nigeria, Polen, der Slowakei und Russland. Anschließend studierte sie Philosophie und später Jazz-Gesang, begann erste Songs zu schreiben und fand über die Straßenmusik zu ihrer heutigen Berufung als Indie-Rock-Songwriterin. 2018 erschien ihr Debüt-Album "Future" und nun - als erster Vorbote eines neuen Albums - folgt die EP "Sept - Dec". Aber lassen wir die Gute doch mal selbst zu Wort kommen.
"Also eigentlich bin ich ja in einer unmusikalischen Familie aufgewachsen", erinnert sich Eliza, "also habe ich mir selbst das Gitarre-Spielen beigebracht, als ich 16 war und ich habe ein paar Klavierstunden genommen. Dann habe ich mit der Musik eine Pause eingelegt und erst mal Philosophie studiert. Danach habe ich angefangen Songs zu schreiben und habe viel auf Festivals gespielt. Schließlich bin ich für ein Jahr nach Spanien gezogen, um Englisch zu unterrichten. Dann habe ich aber die Musik so vermisst, dass ich zurück nach London gezogen bin. Da ich Musik aber nicht richtig studiert hatte und auch keine Verbindungen zur Musikszene hatte, habe ich dann erst mal Jazz am Konservatorium studiert. Nicht der Musik wegen, sondern um die Technik zu erlernen. Währenddessen habe ich weiter musiziert - allerdings mehr traditionelle Folk-Sachen und A Cappella. Ich habe auch viel auf der Straße gespielt - oft aus Charity-Gründen mit einem kleinen Schild vor mir. Das ist eine so verrückte Situation, wenn man irgendwo hingeht, und seinen Hut aufstellt. Wenn man dann aber zu singen anfängt - und das habe ich ursprünglich auch nur A Cappella gemacht - dann ist das das Größte. Schließlich wurde ich auf der Straße dann auch von Jack Patterson von der Band Clean Bandit entdeckt - und der hat mich dann gebeten, mit ihm zusammenzuarbeiten."

Nun gut - das erklärt aber noch nicht, warum Eliza heutzutage in der Rockmusik ihr Heil sucht. Und sei es auch nur - wie in ihrem Fall - einer zwar kraftvollen, aber eher zurückhaltenden Rock-Variante. Denn Jazz- oder Folk-Roots kann man da nicht wirklich heraushören. "Hm. Ich denke schon, dass meine Musik recht energisch ist", überlegt sie, "meine liebe Schwester hat mich mit Grunge Musik vertraut gemacht - daher meine Vorliebe für diesen Sound. Als Teenager habe ich mich auch für laute Heavy-Rockmusik interessiert. Aber als ich älter wurde, habe ich mich durch sozusagen alle verfügbaren Genres gearbeitet. Als ich anfing, habe ich erst mal ziemlich leise angefangen. Dann durchlebte ich aber eine schwierige Phase in meinem Leben, die mich sehr wütend machte. Also habe ich halt angefangen, zornigere und kraftvollere Sounds zu schreiben. Mag ja sein, dass sich das für dich eher entspannt anhört - für mich war das aber ein ganz schön großer Schritt."

Nun gut - das muss man gelten lassen. Welches ist denn die Zukunft, die Eliza im Titel ihrer LP besingt? "Nun, das ist lustig", erläutert sie, "die Scheibe heißt zwar 'Future', aber sie handelt vom Abschluss dieser ganzen Phase meines Lebens - von allen Einflüssen, Emotionen und den Zusammenhängen. Ich habe lange überlegt, was dabei eigentlich herausgekommen ist und habe mich dann dazu entschlossen, das ganze 'ätherische Grungemusik' zu nennen." Das hätte Eliza aber auch gleich sagen können, denn sehr viel treffender ließe sich ihre Musik kaum beschreiben. "Ja, und da gebe ich dir dann recht, denn meine Musik hat einen gewissen entspannten Flow", spezifiziert Eliza, "gleichzeitig gibt es aber auch diese rauen, erdigen, schmutzigen Rock-Elemente und ziemlich viele kraftvolle Bass-Untertöne." Und da sind ja auch immer noch die klar erkennbaren Songwriter-Elemente. "Ich denke, das kommt von meinen Erfahrungen mit der Folkmusik", ergänzt Eliza, "denn es geht mir immer um die zugrundeliegende Geschichte, ohne die ich nicht auskomme. Das ist auch die Art, auf die ich schreibe. Ich habe immer so viele Textzeilen, dass ich mir manchmal selbst sage: 'Bitte mach es doch einfacher'." In dem Zusammenhang interessant wäre vielleicht noch die Frage, ob es Eliza als Songwriterin geholfen hat, Philosophie zu studieren? Immerhin muss sie ja so gelernt haben, zumindest die richtigen Fragen zu stellen. "Das will ich doch hoffen", meint sie, "es bedeutet zumindest, dass ich alles analysiere. Manchmal auch zu Tode. Ich argumentiere auch immer für beide Seiten, denn es gibt so viele Aspekte zu beachten. Das ist auch der Grund, warum sich viele meiner Songs um das gleiche Thema drehen. Ich betrachte gerne Sachen aus diesem Winkel und aus jener Richtung und dieser." Das hört sich nach einer Autotherapie-Erfahrung an. "Hm - ich habe das Ganze über einen sehr langen Zeitraum aufgenommen und habe sehr lange an den Sachen herumgearbeitet, damit sie richtig klingen - teilweise auch während der Produktion und nach dem Mix. Es gab also während der Produktion keinen Zeitpunkt, an dem ich sagte: So, jetzt ist alles fertig und erledigt. Dieser Zeitpunkt kam erst zwei oder drei Monate, nachdem ich fertig war. Ein richtiger Heilungsprozess war das für mich also eigentlich nicht."
Eliza Shaddad
Nachdem also "Future" eigentlich von der Vergangenheit handelt, geht es denn bei den neuen Songs dann wenigstens um die Zukunft? "Um die richtige Zukunft?", fragt Eliza, "ich hatte mir eigentlich vorgenommen, ein ganzes Jahr in EP-Form zu verarbeiten. Deswegen hieß eine ältere EP von mir auch 'January - March'. Ich habe das dann aber aus den Augen verloren. Auf 'January - March' ging es um neue Anfänge für mich, während es nun auf 'September - December' um etablierte Beziehungsgeflechte geht. Für mich sind die neuen Songs schon ziemlich einheitlich, aber bis diese alle gemischt und gemastered sind, kann ich dir gar nicht sagen, in welche Richtung es gehen wird. Es gibt schon Grunge und wortreiche Lyrics. Aber musikalisch habe ich dieses Mal anders gearbeitet und bin mit der ganzen Band ins Studio gegangen, um dort gemeinsam aufzunehmen. Für mich fühlt sich das schon anders an - aber ich suche eigentlich noch nach Klangfarben. Ich denke, du musst einfach abwarten und sehen, was am Ende dabei herauskommt." Okay - dann warten wir halt noch ein wenig. Das neue Album ist schließlich auch erst für den Herbst avisiert. Bis dahin ergibt sich aber vielleicht noch die Möglichkeit, Eliza Shaddad live zu erleben (etwa beim nächsten Orange Blossom Festival).
Weitere Infos:
www.elizashaddad.com
www.facebook.com/ElizaShaddad
www.youtube.com/watch?v=g9ml6QTKBi4
www.youtube.com/watch?v=9mirbG363Co
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Eliza Shaddad
Aktueller Tonträger:
Sept - Dec
(Ferryhouse)

 
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