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STONEFIELD
 
Die Wucht der Emotionen
Stonefield
Sie sind eine Band wie keine zweite: Mit beeindruckender Entschlossenheit und ungewöhnlicher Perspektive vertonen die vier Schwestern Amy, Hannah, Sarah und Holly Findlay auf der emotionsgeladenen vierten LP ihrer Band Stonefield die Geschichten und Erfahrungen ihres Lebens "on the road". Dabei findet die intensive Selbstreflexion des Quartetts aus dem australischen Hinterland auf "Bent" im Stoner-Rock-Dunstkreis auch klanglich ihre Entsprechung. Heavy wie nie zuvor und doch auch immer wieder unwiderstehlich melodisch tritt hier bisweilen düster schillernder Doom mit tonnenschwerem Black-Sabbath-Riffing, schleppendem Groove und unwirklichen Orgelklängen an die Stelle des kaleidoskopischen Psychedelic-Fuzz-Rock der Vorgängeralben. Jetzt kommen die vier jungen Damen zurück nach Deutschland und stehen Anfang März gemeinsam mit Suzan Köcher's Suprafon in Leipzig, Hannover, München und Köln auf der Bühne.
Obwohl die Jüngste im Bunde erst Anfang 20 ist, haben Stonefield bereits einen langen Weg hinter sich, seit sie 2006 auf der Farm ihrer Eltern im ländlichen Victoria ihre ersten musikalischen Gehversuche gemacht haben. Bereits 2010 erschien ihre erste EP, 2013 ihr erstes, selbstbetiteltes Album. Mit "As Above, So Below" (2016) und "Far From Earth" (2018) folgten zwei weitere viel beachtete Platten, bevor sie nun mit "Bent" das nächste ganz große Ausrufezeichen setzen. Folglich sieht Schlagzeugerin und Leadsängerin Amy heute keine großen Gemeinsamkeiten mehr mit den frühen Tagen der Band. "Unsere Rahmenbedingungen sind heute ganz andere", sagt sie beim Treffen mit Gaesteliste.de. "Als wir angefangen haben, waren wir sehr jung und ziemlich naiv - wie das bei vielen anderen Bands auch der Fall ist. Dass wir Mädels, Schwestern und jung waren, wurde gerade anfangs oft als Gimmick betrachtet, deshalb mussten wir extra hart arbeiten, um uns zu beweisen - und das ist bisweilen auch heute noch so. Deshalb war unser Weg vermutlich noch etwas weiter als der anderer Bands."

Ihre ausgiebigen Tourneen, die Stonefield nicht nur durch ihre australische Heimat, sondern schnell auch in die USA und Ende 2018 erstmals auch nach Europa führten, gaben den jungen Musikerinnen die Gelegenheit, sich ausgiebig Gedanken zu machen, wohin ihre Reise künstlerisch gehen soll. "Unterwegs ist unser Horizont viel größer geworden und ich denke, erst in den letzten ein, zwei Jahren ist uns wirklich bewusst geworden, worum es uns wirklich geht", bestätigt Amy. "Heute haben wir viel klarere Vorstellungen. Ganz am Anfang haben wir uns oft sehr schnell von den Ansichten und Meinungen anderer beeinflussen lassen. Damals dachten wir, dass alle anderen mehr Ahnung haben als wir. Inzwischen ist uns bewusst geworden, dass die Musik Kunst ist, und da gibt es kein richtig oder falsch."
Am Anfang ihrer musikalischen Sozialisation stand für die Schwestern die Plattensammlung ihrer Eltern. Led Zeppelin, Jimi Hendrix, aber auch Fleetwood Mac gehörten zu ihren ersten wichtigen Einflüssen, später kamen auch progressivere Sachen von Rick Wakeman, Mike Oldfield oder - Schluck! - sogar Alan Parsons hinzu, die sich nun auch auf den Sound von "Bent" niedergeschlagen haben. Aber sollten junge Menschen nicht eigentlich gegen den Musikgeschmack ihrer Erzeuger rebellieren? "Wir hatten immer ein gutes Verhältnis zu unseren Eltern", gesteht Keyboaderin Sarah. "Wirklich rebellisch sind wir nie gewesen. Wir haben uns gut mit ihnen verstanden und deshalb auch die gleiche Musik wie sie gut gefunden. Aber je älter du wirst, desto mehr neue Dinge entdeckst du, und heute hören wir auch viele Sachen, die unsere Eltern nicht so mögen." - "Manchmal passiert es inzwischen aber auch, dass unsere Mutter durch uns neue Sachen entdeckt und fragt: Wer ist denn das, können wir das mal hören?", verrät Amy lachend.

Der Sound der Band ist auch auf dem neuen Album immer noch fest in der Vergangenheit verankert, ohne jedoch dort starr zu verharren, oder wie Kevin Morby es letztes Jahr so treffend ausgedrückt hat: "Es ist in Ordnung, sich von der Vergangenheit inspirieren zu lassen, solange kein reiner Abklatsch dabei herauskommt." Eine Sichtweise, in der sich Amy durchaus wiederfindet: "Ja, ich denke, das kann man so sagen. Natürlich fängst du in einer Band erst mal mit Coverversionen an, und zu Beginn haben wir all die klassischen Songs gespielt. Als wir dann angefangen haben, eigene Lieder zu schreiben, dienten uns unsere Favoriten dafür als Basis, nicht zuletzt sicher auch, weil wir noch jung waren und noch im Lernen begriffen waren. Aber je mehr unterschiedliche Musik man hört, desto mehr Einflüsse schleichen sich ein, und am Ende kommt dann etwas Eigenständigeres heraus."

Mit "Bent", das wird beim Hören der Platte schnell klar, haben sich Stonefield klanglich gefunden. In nur fünf Tagen live im Studio von den King-Gizzard-Masterminds Stu Mackenzie und Joe Walker aufgenommen, klingt die neue LP rau, furchtlos und ambitioniert und dabei spürbar direkter als ihre Vorgänger. "Wir haben oft gesagt bekommen, dass wir live viel besser klingen, deshalb haben wir dieses Mal bewusst schnell aufgenommen", erklärt Amy. "Das Ganze hat uns auch wirklich gutgetan, denn wir haben zum ersten Mal unseren wahren Sound eingefangen." Weil das Quartett zudem so gut vorbereitet wie noch nie zu den Sessions anreiste, waren die Songs allesamt nach wenigen Takes im Kasten. Das schnelle Arbeiten war zudem ganz nach dem Geschmack von MacKenzie und Walker, die "Bent" nicht nur als Tontechniker betreuten, sondern dem Album auf dem King-Gizzard-Label Flightless Records ein Zuhause gaben. "Ihnen ging es darum, die Lieder in einem gewissen Rohzustand einzufangen", sagt Amy, und Sarah ergänzt: "Außerdem haben wir dieses Mal ausschließlich unser eigenes Equipment bei den Aufnahmen verwendet, was sicherlich auch geholfen hat. Früher haben wir die Zeit, die uns zur Verfügung stand, gerne dazu genutzt, mit Synths und anderen Instrumenten, die im Studio bereitstanden, herumzuexperimentieren." Entstanden sind so vor allem Songs, die das Prädikat "besonders heavy" verdienen. "Die Schwere des Sounds unterstützt die Texte wirklich gut", freut sich Amy. "Alles klingt ein bisschen unheimlich, ein bisschen düster und manchmal auch ein wenig traurig. Anders gesagt: Alles ist emotionaler!"

Um echte Gefühle geht es auch in den Texten, die dieses Mal nicht zuletzt auch die Erfahrungen der vier Musikerinnen auf den endlosen Tourneen in den Fokus rücken. "Die Platte repräsentiert all die emotionalen Situationen, denen wir unterwegs ausgesetzt waren: als Band auf Tour, als Musikerinnen, als Frauen. Es hat ein paar Jahre gedauert, bis wir all unsere Gedanken zu dem sortiert hatten, aber jetzt konnten wir endlich ausdrücken, wie wir uns fühlen", sagt Gitarristin Hannah über die textliche Ausrichtung der aktuellen LP. Doch wie haben es Stonefield geschafft, gängige "Running On Empty"-Klischees zu umschiffen, die so vielen Platten anhaften, die vom Unterwegsein inspiriert sind? "Ich denke, das Wichtigste für uns war, den Fokus auf die Tatsache zu legen, dass wir als Frauen auf Tour sind", erklärt Sarah, und Amy führt aus: "Unsere typische Arbeitsweise ist, dass wir einen ganzen Haufen Songs schreiben und sie anschließend alle verwerfen. Erst danach nähern wir uns dem Punkt, an dem wir anfangen Lieder zu schreiben, die es verdient haben, auf einem Album veröffentlicht zu werden. Zu Beginn hatten wir kein Konzept im Kopf. Wir haben einfach das gemacht, was sich richtig anfühlte. Irgendwann stießen wir dann zu den Songs vor, die sich wie ein Teil eines Ganzen anfühlten, die echte Bedeutung hatten. Das war etwas Besonderes, weil wir in der Vergangenheit noch nie Lieder geschrieben hatten, zu denen wir eine echte emotionale Bindung hatten." - "Wir haben es in der Tat nicht darauf angelegt, ein Album über unsere Erfahrungen beim Unterwegssein zu machen", unterstreicht Bassistin Holly. "Nachdem wir drei, vier Songs fertig hatten, fiel uns dann aber auf, dass sie genau davon handelten. Sobald sich dieses Thema herausgeschält hatte, inspirierte das die restliche Arbeit."

Gleichzeitig war es Stonefield aber auch wichtig, die Musik nicht aus dem Fokus zu verlieren. Denn auch wenn sich die Damen unterwegs immer wieder sexistischen Anfeindungen ausgesetzt sehen, für mehr Gleichberechtigung auch in der Musik kämpfen und sich für Frauenrechte stark machen, verzichten sie textlich auf die ganz großen politischen Statements. "Wir hoffen, dass die Songs für sich selbst sprechen, ohne dass wir den Menschen unsere Themen aufzwängen", erklärt Hannah, bevor Amy abschließend ergänzt: "Wir lassen uns durch schlechte Erfahrungen nicht groß runterziehen oder deswegen gar von unserem Weg abbringen. Wir sagen uns einfach: Scheiß drauf, lass uns einfach noch besser werden und es ihnen zeigen!"

Weitere Infos:
www.stonefieldband.com
www.facebook.com/stonefieldband
stonefield.bandcamp.com
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-
Stonefield
Aktueller Tonträger:
Bent
(Flightless Records/Magnificent Music/Import)

 
 

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