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FEAR FACTORY
 
Crunchy Songs For Crunchy People
Fear Factory
Endlich! Nach drei langen Jahren des Wartens kehren Fear Factory zurück. Und wie! Mit "Digimortal" (bedeutet so viel wie digitale Sterblichkeit) haben die vier Metal-Urgesteine mal wieder einen absoluten (Achtung - Wortspiel) Metal-Hammer abgeliefert! Okay, die Scheibe reicht nicht an die grandiosen Vorgänger "Demanufacture" oder "Obsolete" heran. Dennoch werden Songs wie der Opener "What Will Become", der Titeltrack oder "Linchpin" schon bald in einer Reihe mit Klassikern wie "Replica" und "Descent" genannt werden.
Fear Factory verfolgen konsequent ihren Weg vom brachialen Death- zum modernen Elektro-Metal. Um die Platte allerdings richtig genießen zu können, sollte man sie sich mehrere Male in Folge anhören, denn sie erschließt sich dem Hörer nicht sofort. Ein gutes Zeichen! Erneut stehen die unfassbar fetten Drums und Burton C. Bells Stimmorgan im Vordergrund. Auch wurde das Tempo ein wenig gedrosselt, was meinem heutigen Interviewpartner, FF-Bassist Christian Olde Wolbers, allerdings ziemlich egal ist: "Es geht nicht um schnell oder langsam. Wir könnten noch um einiges schneller spielen! 'Digimortal' ist einfach Fear Factory. Uns ist es wichtig, gute Songs zu schreiben. Die melodischen Songs sind noch melodischer und unsere crunchy Songs sind weiterhin verdammt crunchy. Die Maschinerie lief noch nie so perfekt." Neben den oben erwähnten Songs ist "Back The Fuck Up" ein weiterer Höhepunkt. Eine fette Rap-Metal-Nummer, bei der sich Burton die Vocals mit B-Real von Cypress Hill teilt. Christian: "B-Real gehört zur Familie. Wir machen schon lange verschiedene Sachen, produzieren, haben eine eigene Produktionsfirma. Er hing öfter im Studio ab, wir chillten und feierten und so war es eigentlich nur logisch, dass wir auf der Platte was zusammen machen würden. Wir hatten diesen unfertigen Song und eines Tages kam B-Real mit einem ziemlich geilen Riff an. Innerhalb einer Stunde war die Nummer im Kasten." Ursprünglich war es geplant, "Back The Fuck Up" auf einer B-Seite zu verbraten, aber am Ende waren sich alle einig: "Der Song ist einfach zu gut!"
Es ist ein wenig überraschend, dass es lediglich bei diesem Stück so offensichtliche Hip-Hop-Elemente gibt. Dabei ist Christian doch bekennender Fan dieser Musikrichtung: "Klar, ich liebe Hip Hop, aber noch mehr Raps und Scratching und es wäre nicht mehr Fear Factory gewesen. Kurz gesagt: Wir wollten einfach nicht mehr Hip Hop." Dabei ist es ja zur Zeit eine große Nummer, Raps mit harten Gitarren zu mischen. Christian: "Es war gut, dass es damals was Neues gab. Ich kannte Limp Bizkit zum Beispiel schon, bevor sie irgendwo auftauchten. Aber inzwischen sind mir solche Bands relativ egal. Ich mache lieber mein eigenes Ding." Aber auch Musiker haben doch Lieblingsbands. Christian: "Ich respektiere und verehre Rage Against The Mashine für das, was sie seit vielen Jahren tun (bzw. taten..., d. Verf.). Ohne sie würde es Bands wie LB oder Linkin Park gar nicht geben. Natürlich steh ich auch auf Bands wie Cypress Hill oder klassisches Zeug wie Dr. Dre. Eine großartige Gruppe waren auch Refused."

Die Nu-Metal-Bands sind kommerziell erfolgreicher als Fear Factory. Wie sieht es denn mit Kompromissen für mehr Plattenverkäufe aus? "Natürlich will ich Erfolg", kommt es energisch aus dem Hörer, "aber für mich ist es schon Erfolg, dass ich meine Musik überhaupt spielen darf. Wir würden uns nie für Geld verkaufen." Vielleicht kommt der große Chart-Einstieg ja mit Kush. So nennt sich das Projekt ("Es ist eine zweite Band!"), das Christian mit FF-Drummer Raymond Herrera, B-Real und Deftones-Gitarrist Stephen Carpenter ins Leben gerufen hat. Christian: "Es ist das totale Gegenteil zu Fear Factory. Sehr ungeglättet und rough. Eine rauhe Mischung aus den drei Bands." Doch leider müssen wir uns noch etwas gedulden, bis wir die 17 Songs hören dürfen: "Die Platte muss zwar nur noch gemixt werden, aber wir werden sie erst nächstes Jahr veröffentlichen. Raymond und ich wollen uns jetzt ganz auf FF konzentrieren und auch B-Real und Stephen haben genug mit ihren Bands zu tun." Langeweile scheint im Hause FF ein Fremdwort zu sein. Neben Kush plant Christian eine Zusammenarbeit mit Tom Morello, außerdem hat er schon einen Hip-Hop-Song für den nächsten Film von Harmony Korine ("Kids") aufgenommen. Gitarrist Dino Cazares betreibt das Label Kool Arrow und ist mit Brujeria beschäftigt und Burton kümmert sich um die bandeigene Website.

Bei soviel Arbeitswut dürfen natürlich auch die Konzerte nicht fehlen. Ende März waren Fear Factory mit One Minute Silence auch in deutschen Clubs zu bestaunen. "Ich kannte OMS vorher gar nicht", lacht Christian, "Im Ernst: Du brauchst eben Supportbands, aber ich wäre lieber mit einem Hip-Hop-Act und einer Band aufgetreten, die wiederum ganz andere Musik macht." Aber warum geht man schon viele Wochen vor dem Release auf Tour? Christian: "Weißt du, Plattenfirmen sind manchmal sehr seltsam. Sie wollten unbedingt, dass wir so früh kommen. Aber das werden wir nie mehr tun. Hierfür müssen wir uns entschuldigen." Na gut, angenommen. Leider kommen wir nicht in den Genuss, Fear Factory auf den großen Sommerfestivals zu bestaunen. Auch Christian ist darüber sehr enttäuscht: "Wir wurden einfach nicht gefragt. Das ist schade, wir wären gerne aufgetreten. Schließlich spielen wir überall, das ist keine Arbeit. Wir spielen auf jedem Hinterhof, wenn man uns nur fragt."

Fear Factory
Da dieses Interview ja für ein Internet-Magazin gedacht ist, darf natürlich die obligatorische Frage nach MP3s und Napster nicht fehlen. Christian sieht das überraschend locker: "Unsere Platte ist im Netz, also ladet sie euch runter!" Kein Sorge, Geld zu verlieren? Christian: "Die Plattenfirma verdient an den Verkäufen, nicht ich. Also kann ich auch nichts verlieren. Ich mach meine Kohle mit Produzieren und solchen Sachen." Dann wollen wir Christian und der Band noch ganz viel Geld, ganz viel Erfolg und ganz viele neue Platten wünschen.
Weitere Infos:
www.fearfactory.com
Interview: -Mathias Frank-
Fotos: -Pressefreigaben-
Fear Factory
Aktueller Tonträger:
Digimortal
(Roadrunner Records)


Fear Factory

 
 

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