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BLACKMAIL
 
Tourtagebuch April/Mai 2001
Blackmail
134 U-Turns, 52 mal nach dem Weg fragen, 22 verschiedene Hotels, Hostels und Künstlerwohnungen, 22 verschiedene Städte. Jeden Tag ein neuer Veranstalter,jeden Tag neue Menschen kennenlernen. Und immer schön freundlich bleiben. Denn, obs die größten Pappnasen der Welt, oder die nettesten Menschen der Welt sind, man will ja nicht immer gleich aufs Maul hauen. Andererseits, wer kann schon umsonst so schöne Städte wie Hamburg, Berlin, Dresden, Wien oder Halle (ja, Halle) besuchen, lernt in jeder Stadt Menschen kennen, sieht was von der Welt und kriegt dafür noch Geld und auf den Konzerten viel Zuneigung, Lob und euphorischen Aplaus. Desert Storm, der nervigste Groupie der Welt, acht Konzerte hat sie mitgenommen, war sogar in Wien. Das Tourgespenst, es laufen Wetten, ob sie wiederkommt.
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Am Anfang nur Regen, ja sogar Schnee, zum Schluss dafür Sonne satt und sogar Zeit, mal ein bisschen am Chiemsee Boot zu fahren, oder sich das fantastische Wien anzusehen. In Hamburg haben wir eine Hafenrundfahrt gemacht, in Rostock waren wir an der Ostsee spazieren, in Köln waren wir im Oxygenia (das ist so ein Wellnesssalon, wo man mit Sauerstoff und Wassermassagen verwöhnt wird, teuer aber super), in Berlin das neue geschnittene Video zu "Ken I Die" geguckt, in Zürich die Innenstadt erkundigt, in der Schweiz am See gesessen und auf die schneeweisse Berge geschaut, in Graz auf die Burg geklettert, wo die Sportfreunde Stiller gespielt haben. Sightseeing darf eben auch nicht fehlen und ist verdammt wichtig für die tägliche Entspannung. Natürlich bleibt für sowas nicht immer Zeit, vor allem wenn man z.B. von der Schweiz nach Österreich neun Stunden im Auto sitzt, um abends ein Konzert in Steyr zugeben. Aber in Steyr gibt soviel auch eh nicht zu sehen.

Aber mal von Anfang an. Ostersamstag geht's los. Proberaum ausräumen und in den Bus einladen. Ach Du scheisse, haben wir viel Zeugs. Ab nach Bochum zu Carsten, dem Manager, und das zweite Auto abgeholt, und noch mehr Merchandise, und ein Bus und ein Kombi bis unters Dach beladen. Viel zu spät in Bielefeld angekommen, wo wir auf dem Cargo-Festival (14.04.) unseren ersten Tourauftritt haben. Sehr stonig das ganze, Nebula, On Trial, The Heads und Blackmail, mmmmmmmmh, so richtig passt das nicht, war aber trotzdem sehr gut. Am nächsten Tag viel zu früh in Wiesbaden (15.04.), die Tour hat ja eben erst angefangen. Fast 400 Leute auf dem Konzert. Wow. Und viele Freunde getroffen. Ostermontag (16.04.): Kurt hat Zahnschmerzen und muss in die Klinik nach Köln. Ist aber dann alles wieder klar. Prime Club, Blackmail, super. Aydo ist betrunken, das Konzert rockt trotzdem. Münster (17.04.): Studentenstadt, nix besonderes. Wieder ein sehr volles Konzert im Gleis 22 und eine sehr nette und gute Vorband: Solarscape. Wieder viele Gäste, wieder wird unser ganzer Backstagevorrat weggesoffen. Beim Ausladen gibt's noch Stress mit so einem besoffenen Studenten, der meint, er müsse permanent im Weg rumstehen, wenn schwere Amps und Boxen rauszutragen sind. Und wir gehen das erste Mal richtig feiern, mit Holger von Porf. Luna Bar, super Club, aber ich war ja schon ein paarmal da! Hamburg (18.04.): Der Schlachthof ist ein geiler Club. Die Leute sehr buissy aber nett. 180 Leute, was für Hamburger Verhältnisse sehr gut ist. Wolfgang, der Labelchef ist da und ist total begeistert (und nicht nur das...). Hotel auf der Reeperbahn, hinterher bei Burger King noch toll was gegessen.

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Rostock (19.04.): Arggggg! Da war doch mal was. Lichtenhagen und so. Wir haben ein etwas mulmiges Gefühl beim reinfahren. Aber das Mau ist ein guter Club, am Tag vorher haben Sophia hier gespielt. Konzert: Routine. Schlafen: Auf einem umgebauten Schiff, auch schön. Und unser Bild von Rostock hat sich geändert. Schöne Stadt nette Leute und vor allem die Ostsee direkt vor der Tür. Berlin (20.04.): Wir werden geblitzt, die Bullen wollen sich nicht mit Gästeliste oder CD bestechen lassen, und abends aufs Konzert wollen sie auch nicht kommen, weil sie Angst haben, dass die Meute dann über sie herfällt. Das Knaack ist nach einer halben Stunde ausverkauft, wieder viele Leute, die auf die Gästeliste wollen und sollen. Leider ist es so voll, dass überhaupt kein Platz mehr zum Bewegen da ist. Das Merchandise wird wieder aufgestockt mit neuen CDs von Nois-O-lution. Der Kameramann vom Video sitzt nach einer halben Stunde total bekifft im Backstageraum und kann sich das Konzert nicht mehr angucken. Nach dem Konzert Party Deluxe, Tanzen und so. Totmüde und totbesoffen ins Bett fallen. Morgen geht's weiter. So langsam kommt die erste Müdigkeit auf. Noch 16 Konzerte und ohne Offday. Ob das ein Fehler war? Dresden (21.04.): Viel zu spät angekommen, weil wir ja erst noch unser Video begutachten mussten. Super, viel besser als der erste Schnitt. Ich hoffe, Ihr könnt's bald auf MTV, VIVA II etc. sehen. Auch die Scheune ist so gut wie ausverkauft. Super Stimmung, super Euphorie und Stagediving (naja, wem's gefällt). Tocotronic wollten mal ein Konzert abbrechen deswegen. Sollten wir vielleicht auch mal machen. Und die nervigste Vorband der Tour. Dirty Spoon, die meinten, sie müßten jetzt die Party schlechthin veranstalten. Leipzig (22.04.): No Sleep Till Schweiger, so der Name des Fortsetzungromans der hauseigenen Flyer. Wir haben alle ein bisschen Angst, dass das Ilse's Erika vielleicht doch zu klein ist. Aber genau richtig, 160 Leute, also bestens gefüllt und keiner kommt zu kurz. Sehr familiär das ganze. Sehr schön, sehr entspannend. Wenn Ihr mal in Leipzig seit, dann geht da unbedingt hin. Wunderschöner Club.

Halle (23.04.): Am nächsten Tag früh los, weil ein 4-Sterne Hotel auf uns wartet, mit Whirlpool, Sauna und Massage. Dummerweise ist an diesem Tag Damensauna. Ist nicht schlimm, sagen wir, ist doch schlimm, sagt das Hotel. War aber auch besser so, wenn man sich die Frauen so angguckt hat (Durchschnittsalter ca. 64). Der Club Turm ist im Turm der Burg in Halle. Rund, schön, alt. Und Halle ist wirklich schön, hätt ich nie gedacht. Nürnberg (24.04.): Klüpfel, auch sehr klein, mit 200 Leuten ausverkauft. Jetzt schon zum dritten Mal, langsam wird's langweilig. 1+ für den Veranstalter. Peter ist Fan, macht super Arbeit und ist dazu nicht so ein verstockter Laberarsch. Um 10 Uhr ist Schluss, wg. Anwohnerstress. Super, schnell ins Hotel ausschlafen und am nächsten Tag weiterfahren nach Stuttgart. Stuttgart (25.04.): Die Röhre ist voll. Bertrand, der kleine Franzose von Nastrovje Potsdam bringt neue T-Shirts. Der Veranstalter sagt, es waren 250 Zahlende da, wir sagen es waren mehr. Schlafen im Mos Eisley, hat irgendwas mit Starwars zu tun. Sehr schön eingerichtet, zwar kein Fernseher, aber sehr nett. Ausserdem wohnt Jordana im gleichen Haus. Sehr schön alles. Düdingen (26.04.): Am nächsten Tag früher losfahren, weil weitere Strecke und Grenze. Am Zoll müssen wir unsere CDs verzollen. DM 620,-. Tja, nur weil die nicht in die EU wollen. In Düdingen angekommen, mitten auf dem Land in einem Club. Klein! Kiffer sitzen rum und alle denken erstmal: Ach Du scheisse. Als uns erzaehlt wird, dass da schon Pro Pain, Such A Surge, Prodigy und noch so'n paar andere aus der Liga gespielt haben, und wir fragen uns, wie geht das denn? Und letztendlich ist es supergeil. Die Leute sind supernett, es sind 140 Leute da (viel mehr passen auch nicht rein), alle sind glücklich und die Stimmung ist gut, und jetzt wissen wir, wie das geht!

Sursee (27.04.): Erstmal nach Zürich, mit DRS 3 ein Interview machen. Dann über Land nach Sursee. Berge und Seen satt. Superschön, aber Tourkoller bei allen. Normale Verständigung ist nicht mehr möglich. Sehr schöner kleiner Club, wieder 250 Leute, hätten wir nie gedacht, dass in der Schweiz so viele Leute kommen. Die Leute kaufen uns das letzte Merch weg. Jetzt sind nur noch rosane T-Shirts da. Sogar die hässlichen fliederfarbenen sind weg. Steyr (28.04.): Um sieben Uhr aufstehen. Neun Stunden Autofahren. So'ne Tour ist auch kein Zuckerschlecken. Wir sind alle müde und genervt, kommen irgendwann völlig verschwitzt und müde in der österreichischen Provinz an, werden vollgelabert, wollen aber lieber unsere Ruhe. Das Konzert war das schlechteste der ganzen Tour. Nur Kinder und wieder Stagediving, nix gegen Kinder, nix gegen Provinz, aber das war heute einfach ein bissl zu viel. Und zu allem Unglück ist Desert Storm auch noch da. Wien (29.04.): Bloss schnell weg aus Steyr. Um 14 Uhr sind wir in Wien. Wow, was für eine Stadt. Das B72 ist ein kleiner Club, aber trotzdem oder gerade deshalb super. Nette Veranstalter. Ich stelle meinen Koffer ab, was auf österreichisch soviel heisst wie ich lass mal ordentlich ein blähen, und ernte Gelächter. Andere Länder, andere Sitten. Die Warnerbetreuerin Österreich ist auch da. Petra, süss und nett. Haut aber nach ner halben Stunde Konzert ab. Muse sind auf unserem Konzert. Super. Im Hotel sehen wir noch die Leute von "Ficken für 4". Den Bandnamen hab ich vergessen. Graz (30.04.): Ach Du scheisse. Keine Wegbeschreibung, kein Catering bei Ankunft, völlig überforderte Veranstalter und unfreundliche Leute. Alles nicht so schlimm erstmal, irgendwann kriegen wir was zu essen. PA ist auch für'n Arsch, Getränke gibt's nur auf Anfrage. Wir sind kurz davor, das Konzert abzusagen. Dann kommt doch noch alles, was wir wollen. Super Konzert, super Stimmung beim Konzert. Fans aus St. Martin, und die Sportfreunde kommen auch noch nach ihrem Gig. Beim Ausräumen wieder Stress und fast eine Schlägerei mit den verdammten Türstehern. Schwamm drüber, vergessen, morgen geht's weiter, aber nie wieder Graz und ausser Wien am besten nie wieder Österreich.

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München (01.05.): Schnell weg aus Graz, schnell nach Deutschland. Am Chiemsee machen wir 2 Stunden Pause. Boot fahren, relaxen. Danach ist alles vergessen von gestern. 1. Mai, Stephen Malkmus auf dem Marienplatz, der FC Bayern im ersten Halbfinale gegen Madrid, trotzdem 160 Leute da, was ich fuer diese Umstände doch super geil find. So'n besoffener Arsch macht sich noch über Freunde von uns lustig, und bekommt die passende Antwort. Gießen (02.05.): Ich bin krank, Peter (unsere Stagehand) fährt nach Hause, weil der Vater Pflege braucht, Carlos hat Rückenprobleme. Dafür kommt Kathrin von Speicherstadt. Die kleine war im Urlaub als wir in Hamburg waren. Schön. Gut besuchtes Konzert, sehr sehr nette Veranstalter, die sich wirklich um alles kümmern und eines der besten Caterings der Tour, und dazu noch superschönes Wetter. Essen (03.05.): Von Gießen nach Essen geraten wir doch tatsächlich in unseren ersten Stau. Wahnsinn, nach gut 6000 km. Macht nix, Zeit genug! Das KKC ist direkt in der Uni. Schön und nett, aber wir sind im Arsch, derbe im Arsch. Das Konzert plätschert so dahin, dafür geben wir allerdings das 1. Mal auf der Tour noch eine 2. Zugabe. Mannheim (04.05.): Morgens im Hotel noch ein Frühstück mit Carsten und danach noch Autotausch, der Kombi wird wieder abgegeben und Thilo, unser Techniker fährt die letzten zwei Tage mit seinem eigenen Wagen. Über den Club kann man Romane schreiben. Professionelle PA, super Hotel, alles in Ordnung, aber wir haben uns alle gefühlt wie auf einem Hippiegeburtstag bzw. einer Sammelstelle für gestrandete Existenzen. Der Siebener ist in dem Sinne gar kein Club, sondern ist in einer Art Fabrikhalle mit provisorischer Bühne usw. Egal, schnell weg.

Karlsruhe (05.05.): Letzes Konzert. Wow, wir freuen uns alle. Harmful sind auch wieder als Support da und machen richtig Spass. Jörg, einer unser Lieblingsveranstalter ist krank, hält aber trotzdem das ganze Konzert durch. Es sind auch wieder über 300 Leute da, wir sind motiviert, haben Bock und rocken das Substage glaube ich ganz gut. Cool. Kurt und Arin von Harmful kriegen noch einen Kniefall mit Handkuss als beste Gitarristen der Welt von so'm John Lennon Typen und jetzt wird gefeiert. Harmful kommen auch noch mit. Fertig, Cool! Schnell nach Koblenz ausladen, schnell nach Kassel, ich will nach Hause und eine Grillparty soll heute auch noch sein! Natürlich regnet es, dann eben keine Grillparty, sondern ausruhen und spaeter im ARM bei den Supersuckers noch ein paar Freunde treffen, die man schon lang nicht mehr gesehen hat. Schön. Am nächsten Tag noch den Soundfoundation Bus nach Wolfsburg bringen. Ich fahr extra durch die Waschanlage und muss spaeter dann doch noch DM 120,- für die Reinigung latzen. Wenn ich das gewusst hätte, hätt ich da überhaupt nix dran gemacht. Egal, die Tour ist zu Ende! Es grüsst, der Henning Beste.

[Mit Dank an Henning, Blackmail, Verstärker und C&D Promotion]

Weitere Infos:
www.blackmail-music.com
Text: -Henning Beste-
Fotos: -Blackmail-
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Aktueller Tonträger:
Bliss, Please
(Speicherstadt/TIS)


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