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WATERDOWN
 
Auf gutem Wege
Waterdown
"Wir sind sicher keine besonders innovative Band", sagt Waterdown-Bassist Christian Kruse auf die Frage, wo sie sich denn so in der deutschen Musikszene sehen. "Es gibt bestimmt tausend Bands, die ähnliches Zeug machen." Sympathisches Understatement pur. Und irgendwie typisch. Andere Bands erzählen, wie großartig und außergewöhnlich ihre Platten sind. Das ist nicht das Ding der Osnabrücker Waterdowner. Dabei hätten sie allen Grund dazu. Sprudelt ihre neue Platte "The Files You Have On Me" doch nur so vor kreativen, außergewöhnlichen und innovativen Momenten, Songs und musikalischen Frickeleien und gehört sicher zu den besten Gitarren-Alben, die in den letzten Monaten auf den Markt kamen.
Wir treffen Waterdown-Sänger Ingo Rieser und eben Christian Kruse vor ihrem Konzert im Hamburger Molotow. Und reden natürlich auch über ihren Deal mit Victory. Den haben nur Waterdown. Und nicht die tausend anderen Bands. "Das wäre das einzige, warum uns eventuell eine Sonderrolle zukommt." Er sagt "eventuell", andere sagen "aber ganz sicher". Waterdown erscheinen weltweit auf einem Label, auf dem immerhin auch Bands wie Thursday, Snapcase, Grade oder Strife veröffentlichen. "Das ist schon cool, auf einem Label zu sein, auf dem auch viele Lieblingsbands sind", schwärmt der Viersaiter. "Das hat bei einem Indie-Label wie Victory auch noch eine ganz andere Bedeutung als bei einem Major. Das bist du vielleicht Labelmate von Metallica, hast aber weiter nichts mit denen zu tun. Und bei Victory lernst die eben auch kennen und es entstehen wirklich Freundschaften."
Da war es nur selbstverständlich, dass man auch gemeinsam auf Tour geht. So spielten Waterdown schon vor Bands wie den Victory-Kollegen Snapcase und Grade, aber auch Jimmy Eat World und Sick Of It All. "All diese Touren waren superwichtig", ist sich Christian sicher. "Das hat uns als Band gezeigt, wie wir untereinander ticken und wie wir miteinander klar kommen müssen. Bei der ersten Tour sind wir relativ häufig aneinander geraten, aber das hat sich von Tour zu Tour gebessert. Ansonsten war es sicher auch wichtig, was man sich von solchen Bands abgucken kann. Sei es, wie sie mit dem Publikum umgehen, die Songs auf der Bühne umsetzen oder auch Sachen wie technische Dinge. Darüber hinaus macht es natürlich auch sauviel Spaß, mit Bands zu spielen, die man mag." Weit weniger Spaß macht es natürlich, wenn das Publikum nicht wirklich von einem begeistert ist und dem Support die kalte Schulter zeigt. Was natürlich mal vorkommt. Wie aber zum Glück auch begeisterte Reaktionen. Zwei Supportshows sind Ingo und Christian besonders im Gedächtnis geblieben. Und wie es der Zufall so will, war Gaesteliste.de bei genau diesen beiden Shows vor Ort (vor Sick Of It All in Hannover und Jimmy Eat World in Hamburg). Christian: "Also die ganze Sick Of It All-Tour ist besser gelaufen, als wir gedacht hatten. Wir hatten schon befürchtet, dass ganze Old School-Publikum würde uns mit Bier beschmeißen. Aber es war eigentlich schon sehr, sehr gut. Hannover war aber die schlechteste Show. Da hatten wir viel mehr erwartet, auch weil wir schon dreimal da gespielt hatten und es jedes Mal super war und wir jedes Mal sehr, sehr viel Leute gezogen. Von denen war aber komischerweise echt niemand da. Das lag auch daran, dass unser Publikum keinen Bock hatte, 15 Euro für zwei Old School-Bands und uns zu bezahlen, wenn sie nicht auf Old School stehen." Ingo sieht die ganze Sache aber nicht wirklich tragisch: "Wenn man als Band jemanden supportet und man kann davon ausgehen, dass die meisten im Publikum einen nicht unbedingt kennen, dann muss man das, was die Reaktionen angehen, eben relativieren und kann nicht erwarten, dass die Leute komplett ausflippen." Doch genau das ist in Hamburg passiert. Obwohl die Voraussetzungen alles andere als ideal waren, stand die Band doch bis kurz vor der Show im Stau. Ingo erinnert sich: "Um neun Uhr sollten wir angefangen zu spielen und ich bin glaube ich um 20.58 Uhr von Seiteneingang mit 'ner Menge Kram in der Hand das erste Mal auf die Bühne gekommen. Hätten wir nur zehn Minuten länger im Stau gestanden, hätten wir echte Probleme bekommen." Schließlich gab es einen strikten Zeitplan. Hätten sie später begonnen, hätten sie ihr Set kürzen müssen. Also verzichtete man auf einen Soundcheck und es hieß "aufgebaut, eingekabelt und los! Wir waren voll unter Adrenalin und genervt wie sonst was", erzählt Christian. "Aber die Show war der Hammer! Da habe ich nie mit gerechnet. Das war, was die Publikumsreaktionen angeht, die beste Supportshow, die wir je gespielt haben, das ging einfach gar nicht! Vom ersten Song an sind die Leute total ausgerastet."
Waterdown
Doch nicht nur solche Geschichten und der geringere Druck eines Support-Acts (Ingo: "Wenn du zum Beispiel mit Jimmy Eat World spielst, dich kennt keiner und dann kommt keiner, kannst du echt sagen 'ja gut, liegt nicht an uns.'") machen das Vorband-Leben so wichtig. Christian: "Dadurch, dass wir keine riesengroße finanzielle Promotion-Kampagne übers Fernsehen und so fahren können, ist das Live-Spielen die Möglichkeit, dass die Leute uns sehen und mitkriegen, dass wir eine neue Platte draußen haben." Das ist jetzt geschehen, seit kurzem steht "The Files You Have On Me" in den Läden. Nach dem überaus gelungenen Vorgänger, der schon beim ersten Hören zündete, brauchte Album Nummer zwei aber doch einige Durchläufe, ehe er seine Klasse offenbarte. Erst mit der Zeit wurden aus durchaus okayen Songs richtig große Songs. "Ich glaube, wir sind komplexer geworden", glaubt Christian den Grund zu kennen. "Das war aber nicht bewusst. Als wir die ersten Sachen gemacht haben, da gab es uns erst drei, vier Monate. Auf der ersten Platte sind Songs vom Anfang der Band. Als wir die Platte rausgebracht haben, gab es uns 1 1/2 Jahre. Inzwischen haben wir uns entwickelt, sind musikalisch besser geworden und haben eben auch Bock, das auf den Platten zu zeigen." Hört man sich Songs wie "Transient" oder "Xerox", neben "A Fortress" das absolute Highlight der Platte, an, kann man Christian einfach nur Recht geben. Natürlich, noch immer ist es eindeutig Waterdown. Noch immer ist es wunderschöner, harter Emo-Core. Noch immer sind die Melodien und die zwei Stimmen von Ingo und Marcel das Aushängeschild der Band. Die Platte ist zum einem poppiger, aber gleichzeitig auch mehr Metal als Silberling Nummer eins. "Wir packen zwar alle unsere Einflüsse in die Band, also Musik von JEW bis At The Gates, aber wir wollen eben dahin kommen, dass die Leute sagen, das klingt nach Waterdown", so Christian. Mit der neuen Platte haben sie einen großen Schritt in richtige Richtung gemacht. Eine wirklich ähnliche Band fällt einem nicht mehr ein. Das bestätigen auch die Fans. "Sie haben uns eMails geschickt und geschrieben, sie hätten bei den neuen Songs zehn Sekunden gebraucht und erkannt, dass es Waterdown ist. Und das ist natürlich ein wunderschönes Kompliment. Ich glaube, wir sind auf einem ganz guten Weg." Er sagt, er glaubt es. Andere sagen: "Aber sicher sind sie das!"
Weitere Infos:
www.waterdown.de
Interview: -Mathias Frank-
Fotos: -Pressefreigabe / Mathias Frank-
Waterdown
Aktueller Tonträger:
The Files You Have On Me
(Victory/Pias/Zomba)


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