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BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB
 
"It's Rock N Roll, it's gotta be up!"
Black Rebel Motorcycle Club
Robert Turner, der immer ein wenig so aussieht, als sei er gerade auf dem Weg zu einem Jesus-And-Mary-Chain-Konzert im Jahre 1984, der in Wahrheit aber natürlich Sänger und Bassist des kalifornischen Black Rebel Motorcycle Clubs ist, hat gut zu tun. Nicht nur, dass er der deutschen Journaille im Kölner Büro seiner Plattenfirma Rede und Antwort stehen muss, nein, an diesem Tag muss auch noch das Artwork des neuen BRMC-Albums "Take Them On, On Your Own" fertig werden. Also verbringt Robert jede freie Minute am Telefon und am Laptop, um ja keine Entscheidung zu verpassen. Beim ersten Album, so erzählt er uns, habe das Label die Band oft hingehalten und über wichtige Entscheidung erst informiert, als es eigentlich schon zu spät gewesen sei. Beim zweiten Album wollen Robert und seine Kollegen Peter Hays (Gitarre, Gesang) und Nick Jago (Schlagzeug) alles selbst in die Hand nehmen.
Apropos Probleme mit der Plattenfirma. Was hält Robert denn davon, dass auf dem Schreiben, das den Vorabversionen des neuen Albums, die in Deutschland an die Journalisten verteilt wurden, extra darauf hingewiesen wird, dass das zweite BRMC-Album vor dem zweiten Versuch der Strokes erscheint? Blankes Entsetzen macht sich in Roberts Gesichtszügen breit, und es dauert fünf Minuten, bis er in der Lage ist, die nächste Frage zu beantworten. Dazwischen stammelt er nur Sachen wie: "Das steht doch nicht wirklich da? Bitte, bitte... sag, dass das nicht wahr ist! Was haben wir denn mit den Strokes zu tun?" Themenwechsel. Das letzte Mal, als Gaesteliste.de auf die stets in schwarz gewandete Band aus Kalifornien traf, war beim 1Live-Radiokonzert im altehrwürdigen Sendesaal des Kölner Senders. Damals bat die Band das Publikum, sich doch bitte auf den Boden, gerne auch auf die Bühne, zu Füßen der Musiker, zu setzen - und sorgte nicht nur deshalb für einen unvergesslichen Abend. "Ah, das war eine meiner absoluten Lieblingsshows", erinnert sich Robert, und seine Züge hellen sich merklich auf. "Ich glaube, ich habe damals gar nicht erklärt, warum wir die Leute gebeten haben, sich zu setzen. Der Tag fing als ziemliches Desaster an. Wir durften einen bestimmten Dezibel-Level nicht überschreiten, und wir weigern uns grundsätzlich zu spielen, wenn die Anlage nicht eine bestimmte Lautstärke hat. Wir machen ja keinen Folk-Rock. It's Rock N Roll, it's gotta be up! Also sind wir völlig ausgerastet und weggelaufen. Wir haben uns dann den ganzen Nachmittag den Kopf zerbrochen, wie wir das Problem aus der Welt schaffen könnten. Ohne die Zuschauer im Saal klang es ganz okay, aber wir wussten natürlich, dass das Publikum, wenn es einmal vor der Bühne und damit auch vor den Boxen steht, 50% des Sounds schluckt. Unsere einzige Chance war es also, die Leute am Boden zu halten, damit die Lautstärke über ihre Köpfe hinweggehen konnte! That was beautiful!"

Mit dem neuen Album fangen BRMC die besondere Atmosphäre ihrer Auftritte wesentlich besser ein als mit dem - alles andere als schlechten - selbstbetitelten Erstling. "Wir haben im Studio nicht versucht, die Konzertatmosphäre einzufangen - wir wollten ja kein Livealbum machen - aber wir haben schon unseren Kram im Studio so aufgebaut, wie wir es auch tun, wenn wir vor Publikum spielen", weiß Robert. Wurde beim Erstling noch etwas getrickst - eine Gitarrenwand hier, eine gedoppelte Gesangsspur dort - gibt es auf "Take Them On..." BRMC pur. Nicht nur deshalb klingt die Platte rauer als der Vorgänger. "Die meisten der neuen Songs erblickten auf der letzten Tournee das Licht der Welt. Sie fielen uns praktisch vor die Füße. Das war großartig, weil sich alles natürlich entwickelte. Ohne großes Konzept und ohne dass sich jemand im Studio in eine Ecke verkroch, um einen Song zu schreiben, den du dann nachher krampfhaft ins Liveprogramm einpassen musstest. Bei der ersten Platte hatten wir damit noch ziemlich zu kämpfen. Peter und ich hatten die Songs unabhängig voneinander geschrieben, und deshalb hatten wir beim Debüt oft das Problem, sie in eine Form zu bringen, die einer dreiköpfigen Rockband angemessen sein würde."

Black Rebel Motorcycle Club
Der Unterschied zwischen dem BRMC und einer ganzen Reihe anderer Bands, die sich ihre Inspiration in der Vergangenheit suchen, ist denkbar simpel: "In mir kommt bei den alten Platten vor allem der Wunsch auf, mich mit diesen Bands zu messen. Oft denke ich: 'Das könnten wir aber besser!' Und meistens stimmt das ja auch!" Entstanden ist die neue Platte in Großbritannien, wo die drei wegen Nick Jagos an dieser Stelle bereits des Öfteren erwähnten Visa-Problemen gestrandet waren, bis berühmte Fürsprecher wie Bono von U2 dafür sorgten, dass der britische Drummer eine Arbeitserlaubnis für die USA bekam. Trotzdem war die Zeit, in der Pete Salisbury von The Verve den etatmäßigen Schlagzeuger vertrat, alles anderes als einfach für den BRMC. "Wir wussten alle, dass es sich nur um eine vorübergehende Pause handelte, trotzdem hat mir das ziemlich die Augen geöffnet", erinnert sich Turner. "Ich hatte zuvor noch nie mit einem anderen Schlagzeuger gespielt, aber erst als Nick nicht mehr mit uns spielte, wurde mir bewusst, was wir aneinander hatten. So etwas endet oft tragisch, in unserem Fall hatten wir Glück, dass wir wieder zusammengekommen sind."

Letzte Frage: Hätte das Album anders geklungen, wenn die drei es nicht in London, sondern wie ursprünglich geplant im heimischen Kalifornien aufgenommen hätten? "Nein!", erwidert Robert bestimmt. "Es war einfach nur... kälter!"

Weitere Infos:
www.blackrebelmotorcycleclub.com
Interview: -Herbert 'Black' Viola-
Fotos: -Ken Schles-
Black Rebel Motorcycle Club
Aktueller Tonträger:
Take Them On, On Your Own
(Virgin/EMI)


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