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REMEMBERING NEVER / SOULGATE'S DAWN
 
Alles Core
Remembering Never / Soulgate's Dawn
Harte Musik boomt. Die Welt ist bereit zum Moshen, in jedem noch so kleinem Winkel werden die Verstärker aufgedreht, die Gitarren so tief wie möglich gestimmt und die Stimmbänder auf "wütend" gestellt. Doch gab es früher strikte Unterteilungen in Hardcore, Death- oder Nu-Metal, sind die Grenzen inzwischen gefallen und jeder macht das, was er will. Das kann man dann Metal- Mosh- oder Emocore nennen. Doch eigentlich ist es nur aufregende, laute, harte Musik. Zwei Parade-Beispiele für den großen Metal-Mix sind Soulgate's Dawn und Remembering Never.
Mean Pete, Sänger der aus Florida stammenden Remembering Never, ist sich dieser Tatsache durchaus bewusst. "Es gibt so viele Bands, die harte Musik machen, da ist es schon schwer, sich für die eine oder andere zu entscheiden. Aber wir ziehen unser Ding durch und die Leute können über uns sagen, was sie wollen. Uns stört das nicht. Aber wenn wir durch den Hype um Bands wie Poison The Well oder Thursday mehr Platten verkaufen, ist das natürlich klasse." Doch genau dieser Hype birgt natürlich auch Gefahren, eine Szene kann daran kaputt gehen. "Hardcore wird sterben" schreibt Pete im Booklet der aktuellen Scheibe. "Als ich das schrieb, dachte ich nicht an die paar Kids, die noch immer an Hardcore glauben, sondern die große Mehrheit, die sich plötzlich für Hardcore interessiert. Die ganze Szene verwässert langsam und jede Großmutter nennt sich heute Hardcore. Aber mit der Zeit werden sich die echten Bands bleiben und die anderen verlassen wieder das Boot. So ist es doch immer."

Remembering Never haben sich - der Legende nach - in einem Lagerhaus in Südflorida gegründet, die Bandmitglieder verbindet die Liebe zu den Klängen von Combos wie Hatebreed, Turmoil oder Converge und der Spaß daran, diese Einflüsse zusammen zu führen. Wie das geht, haben sie auf ihrem Album "Women And Children Die First" (Pete: "Der Titel ist die Interpretation davon, wie es gerade um unseren Staat bestellt ist und wie wir alles um uns herum zerstören.") eindrucksvoll bewiesen. Denn auf diesem Silberling wird mal eben alles klein gewalzt, was sich der Band in den Weg stellt. Härter geht es kaum, ehrlicher und spontaner auch nicht. Man hört, dass die Jungs einfach Bock auf die Aufnahmen hatten. Pete: "Wir sind ins Studio gegangen, haben die Songs eingespielt und die Sache war gegessen. Die Aufnahmen liefen etwas anders als beim letzten Mal, aber bei der nächsten Platte werden wir es wieder so machen." Doch nicht nur die Lust, auch der Hass treibt sie an. "Hass ist wie Treibstoff", glaubt Pete. "Er bringt dich nach vorne. Oder er zerstört dich!" Die Hardcore-Szene war und ist schon immer eine der politischsten Szenen gewesen. Der Hass auf das System, auf die Politiker, auf Missstände wurde stets aufmerksam gemacht. Und in Zeiten wie diesen, machen die Musiker erst recht den Mund auf. "Musik kann so viel verändern und ich möchte mit unseren Songs die Leute berühren. Es ist wichtig, den Mund aufzumachen und die Leute zum Nachdenken zu bewegen. Da ist es erstmal unwichtig, um was es geht, hauptsache, man zeigt ihnen neue Dinge, andere Ansichten und Möglichkeiten, die sie vielleicht noch nicht kannten. Darum geht es. Guck dir Fat Mike an. Was der macht, mit Punkvoter.com, mit den Samplern - das ist doch super! So viele Bands aus den verschiedensten Szenen kommen zusammen, verbünden sich und klären Millionen Kids auf. Und das zeigt, das Musik politisch sein muss!"

Remembering Never / Soulgate's Dawn
"Wir wollen eigentlich nicht politisch sein!", stellt dagegen John, der Sänger von Soulgate's Dawn, unmissverständlich klar. "Natürlich haben wir alle unsere politischen Ansichten, aber die jetzt in die Texte zu verpacken, ist nicht so unser Ding. Da gibt es für uns andere Themen." Die Band stammt aus Jena, hat jüngst ihr erstes, überaus großes Album "Stardust" veröffentlicht und steht für den neuen, deutschen Metalcore. Wütend, aggressiv, grenzenlos. "Wir hören alle harte Musik", erzählt Sechsaiter Ulf. "John zum Beispiel mag gern Black Metal, andere eher diesen neueren Hardcore. Und wenn wir dann im Studio sind, wird demokratisch abgestimmt, wie die Songs zu klingen haben." - "Ich denke, diese verschiedenen Einflüsse sind auch der Grund dafür, warum viele sagen, dass wir so frisch klingen", ergänzt John. "Uns geht es um die Kombination aus Aggression und Emotionen. Sowohl musikalisch als auch textlich. Wir singen über persönliche Dinge, Alltags-Themen und eben Probleme, die jeder von uns kennt. Und wir spielen ganz gerne mal mit Klischees, benutzen häufig Schlagworte wie 'Suffering' oder 'Pain'. Wir wollen es eben so formulieren, dass es nach dem zweiten Lesen jeder versteht." Stichwort Lesen. Denn das ist schon nötig, da der Großteil der Lyrics - und da sind Soulgate's Dawn natürlich keine Ausnahme - aufgrund des Schreiens und Grunzens eher selten zu verstehen sind. Einfacher wäre es sicherlich, würde John in deutsch seine Wut heraus lassen. Dass es geht, haben Narziss bewiesen, sie haben deutsche Texte, spielen ebenso heftigen Metalcore und kommen gar nicht peinlich rüber. Für Soulgate's Dawn käme das aber nicht in Frage. "Ich finde einfach, dass Deutsch nicht gut klingt", stellt John unmissverständlich klar. "Und man versteht ja eh nichts, ob sie jetzt auf deutsch oder englisch brüllen." - "Ein deutscher Text ist entweder extrem prollig oder mächtig pathetisch und erinnert an die Leute, die mit Bongos im Park sitzen. Ich muss echt sagen, dass Narziss die einzigen sind, die es wirklich gut machen."

Der Rest der Metalcore-Bands, von Heaven Shall Burn über Compact Justice? und Stout bis eben hin zu Soulgate's Dawn singen englisch. Sie alle sind gut, sie alle sind motiviert und sie alle bewegen sich in der gleichen Szene, sprechen das gleiche Publikum an. "Momentan ist die ganze Metalcore-Szene doch ganz schön überlaufen", sagt Ulf. "Daher denke ich nicht, dass sich Metalcore zu einer populären Musikrichtung entwickeln kann, weil es schon zu Anfang viel zu viele Vertreter gibt." Stichwort "Verwässerung" - siehe oben... Was allerdings Soulgate's Dawn von der Masse unterscheidet, ist ihre weibliche Bassistin. Natürlich hatten und haben eine ganze Menge anderer Bands auch Frauen in der Band, manche bestehen ausschließlich aus ihnen. Doch gerade im Hardcore ist es eine Seltenheit. "Was wir merken, ist, dass bei unseren Shows einige Leute sofort direkt vor der Bühne stehen", lachen beide. "Auch in den Reviews und Interviews ist Paula stets ein Thema. Aber das ist ja auch irgendwie klar. Sicher gibt es eine ganze Menge Frauen, die diese Musik hören, aber eben nur wenige, die sie auch spielen. Und wir haben das Glück eine der wenigen zu haben, die sich trauen. Denn Paula ist eine richtig tolle Bassistin!"

Toll sind beide Bands. Rembering Never aus Florida und Soulgate's Dawn aus Jena. Sie haben viele Dinge gemeinsam und genauso viele Dinge unterscheiden sie. Sie teilen Ansichten und haben doch jede ihre eigenen. Beide stehen für den neuen Metal-Mix und beide haben die gleichen die Pläne: Touren, Songs aufnehmen, die Welt zum Moshen bewegen.

Weitere Infos:
www.rememberingnever.net
www.soulgate666.com
Interview: -Mathias Frank-
Fotos: -Pressefreigaben-





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