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OBITUARY
 
Wie gute Freunde
Obituary
Lange war es still um Obituary. Seit dem 1998-Live-Album "Dead" war mit Ausnahme der Best-Of-Scheibe "Anthology" nichts mehr von ihnen zu hören. Doch die Deathmetal-Institution aus Florida meldet sich dieser Tage mit "Frozen In Time" nach sieben langen Jahren wieder zurück und die Fangemeinde darf sich freuen. Denn geändert hat sich nicht viel. Obituary sind weiterhin Obituary und damit eine der kompromisslosesten und besten Hartmetaller überhaupt.
Sänger John Tardy ist bestens gelaunt. "Es fühlt sich toll an, wieder da zu sein. Es macht so viel Spaß, mit den Jungs wieder Songs zu schreiben, im Studio zu sein und für die Band Interviews zu geben." Die nächste Frage hat John zwar noch nie gestellt bekommen, aber diesmal muss er: Warum die lange Pause? John: "Ha ha, stimmt, das hat mich heute noch niemand gefragt. Also es gab nicht nur einen Grund, wir wollten anfangs eigentlich nur eine Pause machen und dann kam eines zum anderen. Mal hatte der eine keine Zeit, dann der andere. Wir alle widmeten uns anderen Dingen und so gingen die Jahre einfach dahin. Wir hatten nie geplant, so lange nichts zu machen. Wir haben auch nie daran gedacht, die Band ganz aufzulösen, denn schließlich sprachen wir dauernd über sie, machten uns Gedanken und sie war stets ein Teil von uns. Nur haben wir es leider nicht geschafft, alle gemeinsam dafür zu arbeiten." Um diesen Punkt zu erreichen, bekamen Obituary überraschende Hilfe. Metal-Poser Andrew W.K., der schon lange ein Fan der Band ist, sorgte für die Wiederauferstehung. John erinnert sich: "Es war auf dem Ozzfest, als mein Bruder Donald für ihn Schlagzeug spielte. Andrew meinte, wir sollen alle gemeinsam ein paar Songs spielen, weil er ein großer Fan wäre. Wir fanden es eine coole Idee und spielten mit ihm, was uns großen Spaß machte. Anschließend haben wir ein Festival in Florida und eines in New Jersey gespielt und schnell war uns klar, dass wir jetzt eine Platte machen wollten." Als Comeback-Platte will John "Frozen In Times" nicht sehen, das ist nachvollziehbar. Denn schließlich "haben wir uns ja nie aufgelöst". Aber für John ist dieses Album nicht mal ein wirklich besonderes. "Nach so vielen Jahren fühlt es sich zwar toll an und wir sind natürlich unglaublich stolz auf die Songs und die Produktion, aber irgendwie ist es auch nur Album Nummer sieben. Ich aber sehr, sehr glücklich damit, es hat eine tolle Produktion, die Songs sind toll und es ist einfach toll, wieder was Neues gemacht zu haben."
Gerade in der Metal-Szene ist in den letzten Jahren eine Menge passiert, doch Death-Metal-Fans sind treue Fans, die Obituary sicher nicht vergessen haben werden. Zu wichtig waren sie, zu gute Scheiben haben sie gemacht. Daher muss die Band wohl keine Angst haben, dass sie nach nach den all den Jahren wieder von vorne anfangen muss. "Es ist hoffentlich wie bei guten Freunden, die sich zwar zehn Jahre nicht gesehen haben, aber wenn sie sich dann treffen, ist es so wie früher", hat auch Tardy keine Befürchtungen. "Man sieht zwar anders aus und man braucht ein paar Momente, um sich an früher zu erinnern, aber dann ist es so, als ob man sich nie aus den Augen verloren hätte. Unsere Fans von früher werden auch 'Frozen In Time' mögen, denn wir haben uns ja nicht wirklich verändert." Womit Tardy ohne Zweifel Recht hat. Das Album ist typisch und exakt das, was die alten Anhänger gehofft hatten. Obituary eben. "Wir gehen nie an ein Album heran und sagen schon vorher, dass wir jetzt aber mal schneller spielen müssen oder unbedingt was Neues ausprobieren wollen. Wir treffen uns, fangen an und es kommt heraus, was heraus kommt. Manches wird ein wenig anders, manches ein wenig neu, aber am Ende sind es eben wir. Und damit können wir sehr gut leben. Natürlich denken wir jetzt in Nachhinein, die eine oder andere Gitarre hätten wir anders spielen können oder so, aber das ist normal und das macht nichts. Wir sind verdammt stolz auf das Album!" Produziert hat es die Band fast alleine, Hilfe bekamen sie aber Mark Prator und dem eigentlich gar nicht mehr aktiven Scott Burns (Napalm Death, Atrocity). "Die Plattenfirma fragte uns, mit wem wir arbeiten wollen, und wir dachten, wir sollten es alleine produzieren. Aber Mark ist ein großartiger Engineer, er hat die Platte gemixt und war auch beim Produzieren dabei. Und Scott Burns ist ein sehr guter Freund, der uns ebenfalls zur Seite stand und mit seiner Meinung und Erfahrung eine wirklich große Hilfe war. Es war ein tolles Team", zeigt sich auch Tardy in diesem Punkt enthusiastisch.
"Frozen In Time" beginnt mit dem Song "Redneck Stomp", einem aggressiven Instrumental. Kein wirklich typischer, aber doch spannender Einstieg. "Die Leute von der Plattenfirma und auch Scott Burns haben uns gefragt, ob wir wirklich mit dem Song anfangen wollen und nicht lieber einen Song mit Gesang nehmen sollten. Aber dieser Song war er erste, den wir für das neue Album aufgenommen haben und darum musste er an den Anfang. Außerdem halte ich ihn für sehr hart, sehr spannend, weil eben jeder auf die Vocals wartet und er bereitet einen auf die Platte vor." Auf dieser gibt es mit "Slow Death" und seinen Tribal-Klängen einen zweiten relativ untypischen Song. "Das war Donalds Idee. Er hatte nur etwas rumgespielt und es funktionierte. Es klingt fantastisch und so haben wir es auf das Album genommen." Doch auch wenn die anderen Stücke eher typisch sind, die Meinungen innerhalb der Band und des Labels gehen auseinander, wenn es um die Single-Auswahl geht. "Jeder hat seine drei persönlichen Lieblingsstücke aufgeschrieben und jeder hatte unterschiedliche Titel auf dem Zettel", lacht Tardy. "Aber das ist doch toll, das spricht für die Ausgewogenheit des Albums. Ich finde zum Beispiel 'On The Floor' klasse, oder 'Stand Alone', das den Arbeitstitel 'Motörhead' trug und ein wenig anders als die anderen klingt. Eben ein wenig nach Motörhead." Und weil oben erwähntes "Slow Death" tatsächlich etwas entfernt an Slipknot erinnert, trug es auch diesen Arbeitstitel. Aber mag John eine Band wie Slipknot überhaupt? "Ja, wir sind gut befreundet mit den Jungs und sie sind eine gute Band. Besonders live finde ich sie spitze."

Slipknot sind irre erfolgreich, NuMetal immer noch eine große Hausnummer. Und John hofft, dass das auch seiner Band etwas hilft. "Ist ja schließlich auch Metal", sagt er. "Natürlich möchte ich so viele Platten wie möglich verkaufen", sagt er auf die Frage, wie wichtig ihm kommerzieller Erfolg ist. "Aber um richtig abzusahnen, spielen wir wohl die falsche Musik. Darum geht es also nicht, wir wollen live spielen und gute Songs schreiben." Letzte Frage: Würdet ihr was an euch oder eurer Musik ändern, um erfolgreicher zu sein? "Das klingt jetzt wie ein Klischee, aber wir machen wirklich nur das, was wir wollen. Wenn wir die Songs schreiben überlegen wir nicht, was irgendwem gefallen könnte, wenn wir es gut finden, machen wir es. Und wenn nicht, dann eben nicht."

Weitere Infos:
www.obituary.cc
Interview: -Mathias Frank-
Foto: -Pressefreigabe-
Obituary
Aktueller Tonträger:
Frozen In Time
(Roadrunner Records/Universal)




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