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SUEDE
 
Bewusstsein
Suede
Wieder auf der Bildfläche erscheinen und so tun, als ob nichts passiert ist. Und dann eine Platte machen, die eigentlich die vierte und nicht sechste hätte sein können und sollen. Das ist Suede im Jahre 2013. Wir blicken zurück: 1993 erschien das Album "Suede", ein großartiges Statement in Sachen Brit-Rock-Pop, danach im Jahr 1994 der Meilenstein in Sachen Brit-Pop mit "Dog Man Star" und dem anschließenden "Coming Up" (1996) auch mehr als nur geringfügig erfolgreich. Doch danach folgten mit "Head Music" (1999) und "A New Morning" (2002) zwei Platten, die eher weniger für ihre Musik bekannt wurden, sondern eher für das Drumherum bei der Band. Alles lief irgendwie verquer und nichts richtig. Zeit für einen Split, Zeit für eine Pause. Sänger Brett Anderson veröffentlichte Solo-Alben und mit dem ehemaligen Suede-Gitarristen Bernard Butler unter dem Pseudonym The Tears ein Album, die anderen Band-Mitglieder wirkten hier und da mit. Im Jahr 2010 fanden die Herren schließlich wieder zusammen, absolvierten einige besondere Konzerte (darunter auch drei Abende in der Brixton Academy, wo sie ihre kompletten ersten drei Alben spielten) und so langsam stellte sich auch wieder das Suede-Gefühl innerhalb der Band ein. Zeit für ein Gespräch mit Brett Anderson und Mat Osman an einem sonnigen Wintertag in Hamburg, nachdem die Band am Abend zuvor im winzigen Londoner Barfly Club gespielt hatte.
Brett: Das ist eine komplett andere Disziplin! Aber es ist großartig - das Publikum ist direkt da, aber man überträgt die Musik, die Stimmung nicht so wie sonst - man muss nicht so hart dafür arbeiten wie in den großen Hallen.

Mat: Es ist einfach faszinierend - sobald du einen Ton erzeugst, siehst du die Wirkung, die Reaktion der Leute. Es ist, als ob du mit deinem Instrument direkt mit den Leuten verbunden bist. Als Filmemacher oder Bücher-Autor stelle ich mir das sehr schwierig vor - da ist einfach diese große Distanz zu den Leuten, die das lieben, was du machst.

GL.de: In der letzten Zeit haben Suede immer mal wieder die großen Hallen, dann wieder die kleinen Clubs bespielt.

Mat: Wir haben uns inzwischen daran gewöhnt, die richtig großen Hallen zu spielen - das ist etwas, wovon wir uns in der Anfangszeit etwas ferngehalten haben. Ich weiß aber nicht wirklich, warum...

Brett: Ich denke, wir fühlten uns einfach noch nicht sicher genug, dass unsere Show auch im großen Rahmen funktioniert. Ich dachte immer, dass eine Suede-Show am besten in einer Kapazität von 1.500 Leuten funktioniert - einfach aus dem Grund, wie wir mit den Leuten verbunden sind. Was wir versuchen, ist, dieses intime Set-Up einer kleinen Show in einen großen Rahmen zu packen - wir achten darauf, dass wir mit den Leuten verbunden sind, dass die Band untereinander verbunden ist, und auch wenn wir eine große Fläche auf der Bühne zur Verfügung haben, stehen wir doch immer recht eng beieinander und verteilen uns nicht. Das ist auch einfach ein Lernprozess.

GL.de: Die drei Shows in Brixton 2011 - wie wichtig war dieses Erlebnis für die Zukunft von Suede?

Brett: Damals haben wir ja die ersten Alben überarbeitet und als Re-Issues veröffentlicht, wir haben die ganzen alten Songs wieder gelernt und das alles war sehr wichtig für die neue Platte. Es waren rund zehn Jahre nach der letzten Platte und wir hatten die Möglichkeit, unser Repertoire recht objektiv und vor allem ehrlich zu betrachten - dadurch konnten wir feststellen, was wir großartig gemacht haben, was nicht so toll war, was schlecht war... Wenn wir also schon eine neue Platte machen wollen, warum sollte man sich dabei nicht auf die positiven Dinge konzentrieren?!? Der Rückblick war sehr hilfreich für den kreativen Prozess.

Mat: Ich denke, es waren vor allem die Songs von "Dog Man Star", die uns wieder darauf brachten, was es eigentlich bedeutet, in einer Band zu sein - wir hatten einige dieser Songs nie live gespielt und mussten diesen orchestralen Studio-Sound auf fünf Leute übertragen. Dazu mussten wir wieder an den Songs arbeiten und sie für das neue Line-Up arrangieren - dieser Prozess, dieses gemeinsame Arbeiten an den Songs, hat diesen bestimmten Band-Gedanken wieder zum Vorschein gebracht. Oder wenn man nach einer langen Zeit mal wieder so einen Song wie "Pantomime Horse" hört - da ist man schon verdammt stolz, solch einen Song geschrieben zu haben.

Brett: Wir hatten damals auch diese Mentalität, dass wir immer nach vorne gesehen haben - wir sind immer einen Schritt nach vorne gegangen und haben versucht, uns nicht auf die Dinge aus der Vergangenheit zu beziehen. Wir dachten sogar, dass es eine Schwäche sei, wenn man etwas Gutes erreicht hat, dass man nochmal versucht, es genau so zu machen. Viele andere Bands denken allerdings genau so - man sucht sich das, worin man gut ist, und bleibt dabei. Wir haben immer versucht, das Gegenteil zu machen - manchmal auch auf unsere Kosten, wenn wir z.B. eine Platte gemacht haben, wo wir uns zu sehr angestrengt haben etwas zu erreichen, was wir einfach nicht erreichen konnten. Mit der neuen Platte wollten wir einfach wieder etwas machen, was sich großartig anfühlt.

Mat: Es gibt da dieses so genannte Peter-Prinzip (von Laurence J. Peter), das besagt, das in einer Hirarchie jeder Beschäftigte dazu neigt, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen. Und dann dort bleibt. Also hat man viele Leute, die eigentlich nicht das machen, was sie können. Es ist ähnlich wie in einer Band - man macht viele, verschiedene Platten bis hin zu der, die man eigentlich nicht machen kann. Das macht uns aber auch jetzt aus - wir sind uns der Zerbrechlichkeit einer Band bewusst.

GL.de: Suede als Person wäre jetzt 24 Jahre alt - was für ein Charakter hätte diese Person?

Mat: Das ist eine seltsame Vorstellung, aber auch sehr interessant. Diese Person hätte ein paar Filmrisse, einige Dinge, die es zu bedauern gilt, eine Menge zerbrochener Beziehungen... Ich weiß nicht, aber es ist schon so, als wenn jemand aus seiner Teenie-Zeit kommt und sich seiner Sterblichkeit bewusst wird. Vielleicht ist das jetzt auch so in einer Band, dass man sich bewusst wird, dass dies alles, dieses Band-Leben, nicht gottgegeben ist, sondern etwas ist, für das man sich anstrengen und kämpfen muss. Ich bin mir nicht sicher, was für eine Person Suede wäre - und wie angenehm. Wahrscheinlich sogar eher gegenteilig. Aber letztendlich doch schon sehr nett, um sich herum zu haben.

GL.de: Wäre es denn möglich, Suede in drei Songs zu beschreiben?

Mat: Ich denke, "Wild Ones" wäre einer davon, der hat sich bei uns allen eingenistet.

Brett: Ja, vor allem "Wild Ones" - auf diesen Song bin ich besonders stolz. "Animal Nitrate" muss auch dabei sein, denn er ist wohl unser bekanntester Song, auch wenn er vielleicht nicht unser bester oder Lieblingssong ist. Aber dieser Song hat diese Dubiosität, die Suede in vieler Hinsicht beschreibt. Oder das, was die Leute in uns sehen.

Mat: "Trash" oder "Beautiful Ones" wäre auch eine gute Wahl...

Brett: Ja, "Trash" handelt im Grunde von dieser Band, und entweder dieser Song oder "Beautiful Ones" müsste dabei sein, denn sie beschreiben wohl am besten dieses Lasterhafte in unserer Musik.

GL.de: Wenn man sich der Zerbrechlichkeit einer Band bewusst ist, was versucht man denn, basierend auf den Geschehnissen der Vergangenheit, zu vermeiden?

Mat: Wir versuchen, nicht in eine Routine zu verfallen - aber es schon sehr hart, denn das Musikgeschäft beinhaltet Routine: An diesem Datum werdet ihr ein Album veröffentlichen, das sind die Stationen der Tour, dies sind die Magazine, mit denen ihr reden werdet, dann wird eine Single erscheinen. Es gibt einen Grund dafür: Es funktioniert. Wir versuchen jetzt nur die Dinge zu tun, die funktionieren, und nicht die, die man von dir erwartet. Das hört sich nach einer kleinen Sache an, aber als Grundeinstellung fällt das schon in eine andere Kategorie. Das hat sich auch zu Beginn der Arbeit an der neuen Platte geäußert: Die ersten rund 20 Songs, die wir geschrieben haben, wurden allesamt wieder entsorgt. Jeder von uns musste zunächst seinen Kopf frei machen, alles, was in den letzten zehn Jahren passiert ist, musste aus dem Weg geräumt werden und es musste sich wieder dieses Band-Gefühl einstellen. Es hat schon recht lange gedauert, bis wir endlich einen Song hatten, von dem wir alle dachten: "Ja, das ist Suede." Da ist zum Beispiel "Sabotage" - den haben wir sehr früh geschrieben, ich liebe ihn, aber er ist jetzt nicht unbedingt ein typischer Suede-Song. Dann ist da "For The Strangers" - das ist ein typischer Suede-Song. Es war auch gut, jemanden wie Ed Buller (Produzent) dabei zu haben, der bei der Song-Auswahl behilflich war, denn er ist ein Fan der Band, wie wir es niemals sein können.

Brett: Wenn man in einer Band ist, wird vieles darüber in den Medien reflektiert - und manchmal ärgert man sich auch darüber. Suede wurden oft als diese sexy, freche, glamouröse Band dargestellt. Ich habe das nie so gesehen - ich habe uns eigentlich immer mehr als rau und ehrlich gesehen. Viele Leute haben das komplette Gegenteil im Kopf - und Ed Buller liebt zum Beispiel viele Suede-Songs, die ich nicht unbedingt zu meinen Lieblings-Songs zähle. Er liebt "Stay Together" vor allem wegen des großen Choruses, und ich muss respektieren, dass dies bei vielen Leuten funktioniert. Er hat uns mal gesagt, dass wir nochmal "Stay Together" schreiben sollten - es ist natürlich nichts vergleichbares auf dem Album, aber er wollte uns einfach nochmal die Erkenntnis nahebringen, dass in Pop-Hooks eine große Kraft liegt - etwas, wovon wir uns manchmal etwas distanziert haben.

Mat: Manchmal hilft es schon enorm, jemanden außerhalb der Band zu haben, der einen wieder darauf bringt, was man eigentlich machen will. Und das hat Ed mit Bravour erledigt. Und er ist wohl er einzige, der uns sagen darf, dass ein Song schlecht ist - auch wenn wir der Überzeugung waren, dass er toll war.

Brett: Das hat schon etwas von Familie - mit allem, was dazu gehört. Wir hatten zuletzt 1996 mit Ed gearbeitet, und schon vom ersten Tag an war es wie damals - als hätte es die Zwischenzeit gar nicht gegeben, aber nicht in dieser nostalgischen Art. Es fühlte sich richtig und natürlich an, überhaupt nicht komisch.

Mat: Wir waren auch in einer besonderen Situation - wir waren nicht mehr Bestandteil der Musik-Maschinerie, wir mussten kein neues Album veröffentlichen. Wir hatten diesen Luxus, alles einfach einstampfen zu können, wenn es uns nicht gefallen hätte. Aber als wir dann "Barriers" geschrieben haben, hat das schon einen großen Ausschlag in Richtung "Ja, wir machen dieses Album und wir werden es veröffentlichen!" gegeben.

Brett: Ja, aus einem bestimmten Grund erschien dieser Song zu einem interessanten Zeitpunkt - er war so etwas wie das fehlende Stück, was diese Platte zusammenhält. Ich glaube, es hatte auch damit zu tun, dass wir auf der Suche nach einem Eröffnungsstück für die Platte gesucht haben - wir hatten zunächst "Snowblind" dafür vorgesehen, an sich ein tolles Stück, aber irgendwie nicht als Eröffnungsstück geeignet. Dann kam "Barriers", das zuerst einen komplett anderen Rhythmus hatte, ziemlich geradeaus und nicht dieses Joy Division-artige. Und das fühlte sich richtig an, damit sollte das Album beginnen.

GL.de: Eine sehr gute Wahl - wie sähe denn die Wahl der Wunsch-Gästeliste bei Suede aus?

Mat: Hm, wen wollten wir immer schonmal auf der Gästeliste haben...?!?

Brett: Jesus Christ. Das wäre recht interessant. Dann könnten wir ihm sagen, dass wir keinen Wein mehr Backstage haben, und reichen ihm etwas Wasser, das er dann gerne in Wein verwandeln kann... Aber wenn ich eine Zeitreise machen könnte, dann würde ich gerne so 20 a.d. landen und mir das alles ansehen, ob es sich wirklich so zugetragen hat wie in den Erzählungen...

Weitere Infos:
www.suede.co.uk
twitter.com/suedehq
www.facebook.com/SuedeOfficial
Interview: -David Bluhm-
Foto: -Pressefreigabe-
Suede
Aktueller Tonträger:
Bloodsports
(Warner Music)




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