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Das aktuelle Album "Psychoanorexia" von Thomas Thielen alias "T" ist neben Steven Wilsons "Raven" eines der am heißesten diskutierten Progrock-Alben des bisherigen Musikjahres. Es schlägt sich auch in den Gaesteliste.de-Lesercharts ausgesprochen gut. T ist immer noch nicht von der Drosselkom verklagt worden, die normalerweise bei T-Namen wenig Spaß versteht und selbst Teewurst-Hersteller vor den Kadi zerrt. Am 31.05.13 gibt es ein rares Doppelkonzert mit Gerd "Gerdski" Weyhing, in der Eisenwerkschänke zu Schwelm (Ruhrgebiet). In Summe gleich vier gute Gründe, mit dem Mann unser 10+10-Spiel zu spielen...

1. Was ist deine Definition von "guter Musik"?

Gute Musik ist das, was passiert, wenn man einer guten Idee nichts Überflüssiges mehr hinzufügt. "Gut" kann dann vieles bedeuten: künstlerisch wertvoll oder innovativ oder emotional wellenbrechend oder kommerziell erfolgsversprechend - je nach Perspektive. Aber das Weglassen ist die große Kunst in der Musik.

2. Was war der wichtigste Einfluss bei den Aufnahmen zur neuen Veröffentlichung?

Den größten Einfluss hatte eigentlich gar nicht die Musiklandschaft: Ich habe während und vor "Psychoanorexia" unheimlich wenig Musik gehört und richtig viel - insbesondere auch Lyrik - gelesen. Ted Hughes, Brendan Kenelly, wie immer auch E.E. Cummings, Paul Auster, T.S. Eliot, W.H. Auden, W.B. Yeats... Deren Bilder und emotionale Achterbahnfahrten spiegeln sich, glaube ich, auf Psychoanorexia wider. Dass das Album allerdings an deren Klasse heranreicht kann, möchte ich damit nicht behauptet haben.

3. Warum sollte jeder deine neue Veröffentlichung kaufen?

Weil ich dann reich werde. Ich fände das toll. Wir renovieren gerade ziemlich wild, und das wäre eine gewisse Hilfe. Sollte das nicht als hinlänglicher Grund gelten, könnte ich auch noch darauf hinweisen, dass ich persönlich denke, dass die Musik wirklich Potenzial hat, den Hörer zu verzücken, egal in welche Richtung. Auf jeden Fall sollten alle Leute zugreifen, die es ganz cool fänden, wenn ihre U-Bahn ab und an einfach mal woanders hinführe, ohne dass sie es sofort bemerken...

4. Was hast du dir von deiner ersten Gage als Musiker gekauft?

Die erste echte Gage kam von meiner Zeit als Top 40-Band-Gitarrist-Keyboarder-Sänger-Drummer. Davon habe ich mir meine Nighthawk gekauft, die bis heute meine absolute Lieblingsgitarre ist und die ich, obwohl sie "nur" eine Epiphone ist, jeder Gibson, die ich gespielt habe, vorziehe.

5. Gab es einen bestimmten Auslöser dafür, dass du Musiker werden wolltest?

Ja, der Anlass bestand darin, dass meine Eltern mir die Anmeldung zum Fußballverein versprachen für den Fall, dass ich Klavierstunden mitmache. Damals war ich dreieinhalb, und daher weiß ich nicht, wie viel an dieser Geschichte Familienlegende und wie viel Wahrheit ist.

Der Anlass für den Schwenk zur Gitarre waren die Mädels, die den Keyboardern irgendwie nicht so zuflogen (7. Klasse).

Der Anlass für den Schwenk zum Bass war, dass die coolen Jungs (erfahrene Männer - 18 Jahre alt! Ich war in der 8. Klasse...) eine coole Band hatten und ich mitspielen wollte. Da hab ich einfach mal erlogen, dass ich Bass spielen könne... Danach hatte ich 48h, um mir Bass und Verstärker zu besorgen und zu lernen, was man mit vier Saiten so anstellt.

Zu den Drums kam ich, weil das so einfach aussah. Dann wollte ich nicht akzeptieren, dass es mir nicht sofort gelang. Dann kam wieder die Sache mit den Mädels. Und dann fing es an, so richtig Spaß zu machen, auf Dingen mal zur Abwechslung einfach mal rumzuprügeln. (9. Klasse)

Singen tat ich, weil wir keine geeigneten Sänger fanden. Währenddessen merkte ich dann, dass ich es gar nicht so richtig gut konnte. Machte im damalig vorherrschenden Genre "Garagen-Punk" zwar nix, stachelte meinen Ehrgeiz aber merkwürdigerweise so an, dass ich danach zehn Jahre mit Gesangsunterricht verbrachte.

Meine Stick-Künste ergaben sich, als ich von dem Instrument hörte. Klang ganz einfach. Für den Rest: Siehe Drums, allerdings bin ich am Stick deutlich (noch) mieser...

Zur Tontechnik kam ich, weil es mich nervte, immer alles erklären zu müssen, ohne die Sprache dafür zu kennen. Irgendwann (beim Album "Anti-Matter Poetry") sagte dann mein Schwiegervater, dass mein Mix bei weitem besser klinge als der des TonI.

Das ist die Geschichte bis hierhin. Ein größenwahnsinniger Egomane lernt ein paar Instrumente auf strikt untermittelmäßigem Niveau.

6. Hast du immer noch Träume - oder lebst du den Traum bereits?

Platten zu veröffentlichen ist immer der Traum gewesen, unerreichbar. Insofern ist alles, wirklich alles andere, Zugabe. Das mit dem reich werden übrigens auch. Ach so, doch: Ein Traum wäre es noch, "Psychoanorexia" und Co. mal WIRKLICH mit "Band" und so weiter live zu spielen.

7. Was war deine größte Niederlage?

Meine größte Niederlage ist, wie "Faith" (Voices) klingt. Das ist ein toller Song, dessen Thema mir auch wie kaum ein anderes am Herzen liegt, bei dem ich das Arrangement und das Recording verhunzt habe und den Toningenieur dafür vollkommen zu Unrecht angekackt habe. Sorry, Andy Horn!

8. Was macht dich derzeit als Musiker am glücklichsten?

Dass ich komplett autark arbeiten kann. Im Studio darf ich alles: Den Bass beim Final Mix killen und mit 'nem Basspedalsynthiedings ersetzen - dafür steht in Bandgefügen die Todesstrafe! Ich darf Drums manipulieren, wie ich will - oder auch verloopen... Erklär das mal einem Drummer, der seine Ghostnotes mit Blut, Schweiß und Tränen hingroovt, dass es dem Song vielleicht mit weniger Groove doch besser eignet... Ich darf als Sänger 40 Spuren belegen, wie bei "Psychoanorexia" an zwei Stellen geschehen - und keiner beschimpft mich als [bitte Cliché-Sänger nach eigener Wahl einsetzen]. Ich darf drei Wochen am Stück arbeiten wollen, um 20 Sekunden hinzubiegen, ohne dass jemand drängelt oder ungeduldig wird. Und schließlich ist es beim live spielen ein Traum, wenn man als Soundcheck kurz zwei Kabel einklickt, sich 30 Sekunden warmsingt, den Hocker einstellt... und fertig ist.

9. Welches ist das schlechteste Lied, das je geschrieben wurde?

Der schlechteste Song... Da gibt es so viele. Ich möchte das eingrenzen: Der schlechteste Song, den eine gute Band je geschrieben hat, obwohl sie ernsthaft einen guten Song machen wollte. Das schließt die Bohlens schon mal aus. Dann könnte man vielleicht "Blues With A Feeling" von Steve Hackett nennen. Brrr. Oder Marillions "Born To Run". Oder, wenn man die Lyrics betrachtet, einiges von Dream Theaters Konzeptdings, "Scenes From A Memory" oder so ähnlich. Oder "Grendel", in Retrospektive, obwohl das vielleicht eher ein historisches Dokument als eine gültige Komposition darstellt? Mach ich mich gerade irgendwie unbeliebt?

10. Wer - tot oder lebendig - sollte auf deiner Gästeliste stehen?

Ich würde gern mal Jon Anderson und Robert Fripp zwingen, ein paar Stunden lang über Sinn und Qualitätskriterien von Musik zu diskutieren. Aber ohne Waffen.

Weitere Infos:
t-homeland.de/psychoanorexia.html
www.facebook.com/ThomasThielenT
Text: -Gaesteliste.de-
Foto: -Pressefreigabe-
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Aktueller Tonträger:
Psychoanorexia
(Progressive Promotion)




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