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JOAN SHELLEY
Joan Shelley
Mit bezaubernden Melodien, anrührenden Texten, einer glockenhellen Stimme und akustischem Klanggewand gelingt es der Singer/Songwriterin Joan Shelley aus Louisville, Kentucky, schon seit geraumer Zeit immer wieder meisterhaft, den Sound des Folk-Revivals der 60er- und 70er-Jahre in neue Bahnen zu lenken. Auch ihre aktuelle selbstbetitelte Großtat, dezent, ja minimalistisch in Szene gesetzt von Wilcos Jeff Tweedy und entstanden unter Mitwirkung von Könnern wie Nathan Salsburg oder James Elkington, unterstreicht, wie wenig es braucht, wenn die Songs richtig gut sind. Dabei achtete Shelley peinlich genau darauf, sich nicht zu wiederholen.

"Ich glaube daran, dass man nichts zweimal machen sollte", sagt sie, auf dem plüschigen Sofa im Hamburger Aalhaus sitzend, im Gaesteliste.de-Interview. "Dabei habe ich festgestellt, dass ich eine für mich neue Art von Song schreibe, wenn ich ein neues Instrument wie das Banjo zur Hand nehme. Dieses Mal habe ich versucht, eine neue Herangehensweise zu finden, ohne dazu ein weiteres Instrument kaufen zu müssen." Deshalb lieh sie sich einen alten Kniff bei Michael Hurley aus. Der kauzige US-Folkie hatte einst auf seiner LP "Long Journey" bisweilen die Gesangsmelodie an die Geige angelehnt. Shelley übertrug das auf die Gitarre, sang, was sie spielte, und spielte, was sie sang. "Ich habe die Melodien dieses Mal nicht mit der Stimme, sondern auf der Gitarre entwickelt", erklärt sie. "Das war etwas Neues für mich und ein Weg, das motorische Gedächtnis zu umgehen."

Doch das ist nicht das Einzige, was sich verändert hat, denn heute stellt die sympathische Amerikanerin, die im Interview wie auch beim ausgezeichneten Konzert im Duo mit Salsburg nach unserem Gespräch mit einer gelassenen Heiterkeit begeistert, ganz andere Aspekte des Songwritings in den Vordergrund: "Es ist verrückt, wie sehr sich das gewandelt hat! Ich wünschte fast, ich würde nicht so sehr auf die Texte achten, wie ich das heute tue", gesteht sie. "Früher konnte ich mich bei Hören einfach nur der Musik, der Band widmen, aber inzwischen bin ich so hyperfokussiert auf die Texte, dass ein einziges falsches Wort, eine einzige Plattitüde reicht, und es ist vorbei für mich. Aber auch Melodien und Harmonien ziehen mich an und Platten mit einer warmen Klangfarbe."

Während sie bei ihrem herrlich altmodisch klingenden Trio Maiden Radio mit zwei Frauen kollaboriert, waren es auf "Joan Shelley" ausschließlich Männer, die ihr zur Seite standen. Immer wieder berichten Musikerinnen davon, dass ihnen ihre männlichen Mitstreiter im Studio das Heft aus der Hand nehmen - und auch Shelley kann ein Lied davon singen. "Das ist mir über die Jahre in der Tat immer wieder mal passiert", gesteht sie. "Irgendjemand aus der Gruppe der Männer wird zum Produzenten ernannt - oder reißt die Rolle an sich. Warum ist das bloß so normal?" Anstatt sich dagegen zu wehren, nahm sie das bisher zumeist einfach hin. "Für gewöhnlich habe ich darüber nur gelacht und es hingenommen, weil mich Konfrontationen schon immer zu Tode geängstigt haben", erklärt sie lachend. "Deshalb ist es so cool, dass ich auch mit meinem Damen-Trio zusammenarbeite und wir dort unsere eigenen Sachen produzieren. Das ist eine sehr kraftvolle Gruppe, die mich daran erinnert, dass es mehr als nur den üblichen Weg mit männlichen Produzenten und Tontechnikern gibt. Allerdings arbeite ich nur mit Männern zusammen, die die Frauen um sie herum bestärken. Ich würde nie mit jemandem kollaborieren, der mich überfahren will, denn ich bin ziemlich dickköpfig. Das liegt vermutlich daran, dass ich zwei ältere Brüder habe, denn wenn du dich da nicht behaupten kannst, bekommst du keinen Platz in der Nahrungskette!"


1. Was ist deine Definition von "guter Musik"?

Gute Musik hat eine Seele, hat Soul. Es gibt ein Wort dafür, das Lorca benutzt: Duende. Genau dieser Geist - das ist es, was gute Musik ausmacht.

2. Was war der wichtigste Einfluss bei den Aufnahmen zur neuen Veröffentlichung?

An meiner neuen Platte waren mehr Köpfe beteiligt, es gab mehr Input von anderen. Das Album ist so stärker durch die Kombination der beteiligten Personen geprägt, vor allem durch die Gitarren, denn alle tollen Gitarristen, die ich kenne, spielen dieses Mal mit! Dabei wird es mit jeder neuen Platte leichter, zu erkennen, was wichtig ist und was nicht. Weil sich die Leute, mit denen ich zusammengearbeitet habe, allesamt an einem ähnlichen Punkt in ihrer Karriere befunden haben, verlief die Zusammenarbeit vollkommen mühelos. Das war toll!

3. Warum sollte jeder deine neue Veröffentlichung kaufen?

Ganz einfach, wenn du mein neues Album nicht kaufst, wird die Welt zugrunde gehen, weil uns inzwischen alles egal ist (lacht)!

4. Was hast du dir von deiner ersten Gage als Musiker gekauft?

Ich habe in der kleinen Musikalienhandlung die Straße runter einen Bass geliehen. Es war ein Fender, irgendwie billig.

5. Gab es einen bestimmten Auslöser dafür, dass du Musiker werden wolltest?

Ich habe schon Songs geschrieben, als ich noch ein kleines Kind war, aber was in mir den Wunsch geweckt hat, professionell Musik zu machen, war, in Irland aufzutreten. Das Publikum dort war gleichermaßen scharfzüngig, großzügig und respektvoll. Sie haben sich schon über mich lustig gemacht, aber dabei nie den Respekt verloren. Das war für mich der Grund, die Musik ernster zu nehmen.

6. Hast du immer noch Träume - oder lebst du den Traum bereits?

Nun, ich durfte kürzlich gemeinsam mit Richard Thompson singen, das stand ganz oben auf meiner Wunschliste - nun habe ich keine weiteren Träume. Jetzt muss ich mir neue Ziele setzen - oder die Musik an den Nagel hängen (lacht)!

7. Was war deine größte Niederlage?

Ich denke, meine größte Niederlage ist, dass ich nie gelernt habe, Geige zu spielen, denn ich liebe Fiddle-Lieder! Aber es ist so schwer! Ich hab es versucht, aber dann aufgegeben. Irgendwann werde ich es noch mal angehen, denn ich wäre gerne die alte Dame, die mit 80 auf der Veranda sitzt und die Fiddle spielt!

8. Was macht dich derzeit als Musiker am glücklichsten?

Da gibt es so viele Dinge! Vor allem, die Chance zu haben, mit so vielen Musikern zusammenzuarbeiten, die ich bewundere, und zu der Szene von Gitarristen zu gehören, die die Grenzen des Akustikgitarrenspiels ausloten. Das gefällt mir, weil ich einen gesunden Wettbewerbssinn habe. Bei meinen älteren Brüdern ging es mir immer darum, zu beweisen, dass ich eine Stimme habe, und dass ich mithalten konnte. Ich brauche Menschen um mich herum, die mir zeigen, was möglich ist. So habe ich schon immer gearbeitet: Die Möglichkeiten sehen und sie dann ausschöpfen.

9. Welches ist das schlechteste Lied, das je geschrieben wurde?

Puh (lacht)! Vielleicht "Turn The Page"? Ist das von Peter Frampton? (Nein, von Bob Seger!) Die Nummer hat ein Saxofonsolo und handelt davon, wie schwer es ist, Musiker zu sein. Vielleicht ist es ja so schwer, weil in dem Lied ein plärrendes Saxofon vorkommt (lacht)?

10. Wer - tot oder lebendig - sollte auf deiner Gästeliste stehen?

Leonard Cohen! Ja, das wäre ein Traum! Ich habe ihn vor einigen Jahren live gesehen - und es war der Wahnsinn!

Weitere Infos:
www.joanshelley.net
facebook.com/joanshelleymusic
Text: -Gaesteliste.de-
Foto: -Pressefreigabe-
Joan Shelley
Aktueller Tonträger:
Joan Shelley
(No Quarter/Cargo)




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