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THE RURAL ALBERTA ADVANTAGE
The Rural Alberta Advantage
Majestätische Indierock-Songs, die das Flair der kanadischen Weite umgibt, sind seit jeher das Metier von Rural Alberta Advantage. Jetzt veröffentlichen Gitarrist und Sänger Nils Edenloff, Drummer Paul Banwart und Keyboarderin Robin Hatch, die nun erstmals auch auf Platte den Platz von Amy Cole einnimmt, ihr viertes Album, "The Wild". Mit Ehrlichkeit und Ernsthaftigkeit als natürlichen Eckpfeilern ihres explosiven, euphorischen Sounds bleibt das in Toronto beheimatete Trio auch hier seinen alten, herrlich rustikalen klanglichen Idealen mit einer ganzen Reihe Stadion-kompatibler Hymnen für den kleinen Kreis treu. Doch nicht alle Songs gehen, angetrieben durch die unwiderstehlichen Rhythmen von Schlagzeug-Derwisch Banwart, so geradlinig nach vorn wie "Beacon Hill", das die verheerenden Waldbrände in Alberta im Jahre 2016 thematisiert. So streift das Trio beim seelenvollen "Brother" den Klangkosmos der Spaghetti Western oder stellt bei "Toughen Up" die Synthesizer in den Vordergrund, um zumindest für einen Moment etwas moderner und weniger hemdsärmelig zu klingen. Die Grundfesten der Band erschüttert das aber nicht, denn auch auf "The Wild" verbinden The Rural Alberta Advantage den Tiefgang des Folk, das Pathos des Classic Rock, die Direktheit des Indierock und die Wucht des Punk mit dem größtmöglichen Maß an Explosivität und Dringlichkeit. Wir trafen die Band Anfang des Jahres vor ihrem Auftritt im Düsseldorfer Zakk, um den dreien unsere zehn Fragen zu stellen.

1. Was ist eure Definition von "guter Musik"?

Robin: Interessante Akkordfolgen, Texte von Herzen, gute Melodien und ein Groove - das macht gute Musik für mich aus!

Paul: Genau, das ist es!

Nils: Ja, letztlich ist es Musik, die mich bewegt - in einer Art und Weise, wie ich das nicht erwartet hätte.

2. Was war der wichtigste Einfluss bei den Aufnahmen zur neuen Veröffentlichung?

Nils: Nun, wir haben jetzt Robin in der Band, das ist der deutlichste Unterschied zwischen der neuen Platte und dem Vorgänger. Für die neue Platte sind wir zur Herangehensweise an unser erstes Album zurückgekehrt. Eine Menge des Materials haben wir live auf der Bühne entwickelt und somit gewissermaßen das Publikum in den Entstehungsprozess mit einbezogen. Bei der Musik ging es uns schon immer um die Interaktion zwischen den Zuschauern und der Band, und deshalb wollten wir das bei dieser Platte wieder stärker berücksichtigen.

3. Warum sollte jeder eure neue Veröffentlichung kaufen?

Paul: Wir haben uns viel Zeit gelassen, weil wir nichts veröffentlichen wollen, auf das wir nicht richtig stolz sind. Wer das mochte, was wir in der Vergangenheit gemacht haben, für den wird auch das neue Album etwas sein, und wer uns zuvor noch nie gehört hat: Check it out!

Robin (lachend): Das Album ist erhältlich auf iTunes, Spotify...

Paul (lachend): ...und Tidal! Die andere Option ist, nach einem Torrent zu suchen und das Album zu stehlen!

Nils: Dann aber bitte zu unseren Konzerten kommen!

4. Was habt ihr euch von eurer ersten Gage als Musiker gekauft?

Nils: Wir haben es sofort wieder in die Band investiert, und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Paul: Als Erstes haben wir unseren Proberaum bezahlt. Zu Anfang haben wir ihn aus eigener Tasche gezahlt, aber irgendwann kamen wir an den Punkt, an dem das nicht mehr nötig war!

Nils: Ich erinnere mich an unser erstes Konzert, ein Abend mit verschiedenen Bands, den ein Musiker namens Keith Hamilton organisiert hatte. Nach der Show kam er zu uns und meinte: "Es ist nicht viel, aber hier ist eure Gage!" Es waren vielleicht 40 Dollar, aber wir waren komplett aus dem Häuschen: "Wie, Geld gibt es auch noch? Wir dachten, das ist nur für den Spaß an der Freude! Das ist großartig!"

5. Gab es einen bestimmten Auslöser dafür, dass ihr Musiker werden wolltet?

Nils: Für mich war Musik immer schon eine große Sache und ich hatte bereits als Kind Unterricht. Irgendwann landete ich dann bei einem Open-Mic-Abend, und dort traf ich Paul. Wäre das nicht passiert und wären wir deshalb jetzt nicht heute hier in Düsseldorf, dann würde ich sicher Musik nur für mich in meinem Schlafzimmer machen. Ich hatte lange keine Ahnung, warum mich meine Eltern damals in die Musikschule schickten, ich dachte immer, sie hätten etwas Besonderes in mir gesehen. Also fragte ich irgendwann meine Mutter und sie sagte: "Nee, gar nicht, wir haben für dich nur nach einer anderen Beschäftigung als für deine Geschwister gesucht, damit ihr daraus keinen Wettbewerb macht!" Aus mir hätte also genauso gut auch ein Olympiateilnehmer werden können! Ich war immer schon für Großes bestimmt, es war nur nicht klar, in welchem Bereich (lacht)!

Robin: Bitte schreib, dass er dabei gelacht hat, sonst kommt das gedruckt bestimmt falsch rüber!
Bei mir war es so, dass mein Vorschullehrer bemerkte, dass ich ein absolutes Gehör habe, und deshalb bat er meine Eltern, mich für den Musikunterricht anzumelden. Vielen Dank dafür!

Paul: Mein sieben Jahre älterer Bruder spielte Schlagzeug, also habe ich es ihm einfach nachgemacht. Irgendwann hat er es dann aufgegeben, aber ich habe immer weitergespielt - und bis heute nicht damit aufgehört!

6. Habt ihr immer noch Träume - oder lebt ihr den Traum bereits?

Nils: Natürlich hat jeder Mensch Träume, aber soweit es die Band angeht, kann ich sagen, dass alle Erwartungen, die ich vor zehn Jahren, vor fünf Jahren hatte, meilenweit übertroffen worden sind. Alles ist stetig immer besser geworden, deshalb habe ich definitiv das Gefühl, den Traum zu leben.

Robin: Wenn du irgendwann keine Träume mehr hast, bist du in der Klemme!

7. Was war eure größte Niederlage?

Nils: Paul, das ist was für dich!

Paul: Okay... eine der größten Shows, die wir je gespielt haben, war als Support für Passion Pit im Terminal 5 in New York. The Joy Formidable haben dort noch vor uns gespielt. Sie waren noch ganz neu, kamen raus und haben ganz groß abgeräumt. Wir hatten gerade unser erstes Album, "Hometowns", draußen, und damals kam der Bass bei uns nur aus einem EQ-Pedal für Nils' Gitarre. Mehr hatten wir nicht, um die unteren Frequenzen abzudecken, aber für die Räume mit einer Kapazität von 100, 150, in denen wir damals auftraten, reichte das vollkommen aus. Auf einmal standen wir aber nun vor 3.000 Menschen, und du kannst dir gar nicht vorstellen, wie klein wir geklungen haben! Das Publikum kam uns lauter vor als wir auf der Bühne, und dabei haben sie überhaupt nicht zugehört, sondern sich nur unterhalten. Zwischen den Songs haben wir nicht einen Zuschauer klatschen hören...

Robin: Moment mal, wie passt das zur Frage? Ah, es geht um die größte Niederlage, das hatte ich falsch verstanden!

Paul (lachend): Warte bis zum Ende der Geschichte, alles wendet sich zum Guten! Nee, Spaß, die Story hat kein Happy End! Das war einfach der fürchterlichste Auftritt, den wir je hatten! Das war völlig demoralisierend. Es hat uns aber gezeigt, dass wir uns um dieses Soundproblem kümmern mussten, dass wir dringend mehr Bass benötigten. Also lernte unsere damalige Keyboarderin Amy, mit den Füßen Basspedale zu spielen, und heute spielt auch Robin die Fußorgel. Es gab noch eine Reihe weiterer Sachen, die alle darauf abzielten, dass etwas passieren musste, wenn wir das nächste Level erreichen wollten.

8. Was macht euch derzeit als Musiker am glücklichsten?

Nils: Dass wir vor ein paar Tagen eine ausverkaufte Show in Berlin hatten, gestern auf einem Boot in Bremen gespielt haben und heute hier in Düsseldorf auftreten, macht mich superglücklich, denn als Paul und ich die Band vor inzwischen elf Jahren ins Leben gerufen haben, hätten wir uns beide nie träumen lassen, jemals auch nur einen Auftritt außerhalb von Toronto zu bekommen. Es macht mich glücklich, dass wir uns einen Namen machen konnten und deshalb weiter das tun dürfen, was wir lieben.

Paul: Das Schönste ist, dass unsere Musik den Menschen etwas bedeutet. So viele tolle Musiker veröffentlichen Platten, ohne dass jemand Notiz von ihnen nimmt, ganz einfach, weil es solch ein Überangebot gibt. Es ist ein echtes Privileg, dass die Menschen uns wahrnehmen. Das ist eine riesige Motivation!

9. Welches ist das schlechteste Lied, das je geschrieben wurde?

Robin (ohne nachzudenken): "Patio Lanterns" von Kim Mitchell [auszeichnet mit dem kanadischen Grammy, dem Juno Award, als "Single des Jahres 1986"]

Paul: Echt? Der Song ist schon schlimm, aber der schlechteste überhaupt...?

Nils: Für mich war es schon immer "Wonderful Christmastime" von Paul McCartney, besonders, wenn man bedenkt, dass John Lennon vermutlich das beste Weihnachtslied geschrieben hat. Es ist auf jeden Fall das schlechteste Weihnachtslied und eines der schlechtesten Lieder überhaupt.

Paul: Der Indie-Radiosender in Toronto, der einfach großartig ist und uns immer toll unterstützt hat, spielt ständig "Tubthumping" von Chumbawamba, und es will mir einfach nicht in den Kopf, wie Menschen, die solch guten Geschmack haben wie die Leute bei dem Sender, diesen horrormäßigen Song so gut finden können!

Robin: Ich glaube, das ist eine Generationensache. Mich erinnert das Lied an meine Zeit in der 5. Klasse, und ganz ehrlich: Manchmal schalte ich nicht ab, wenn sie es spielen (lacht)!

10. Wer - tot oder lebendig - sollte auf eurer Gästeliste stehen?

Robin (wie aus der Pistole geschossen): Donald Fagan von Steely Dan!

Nils: Gord Downie von The Tragically Hip! Wir hatten vor Jahren mal die Chance, für sie zu eröffnen. Er hat sich unser Set angeschaut und es war toll, ihn kennenzulernen, aber ich würde ihn trotzdem auf die Liste setzen. Es wäre schön, wenn er noch mal zu einem unserer Konzerte käme.

Paul: Ich mag es, für meine Eltern zu spielen! Sie kommen ständig zu unseren Shows, und es ist immer ein besonderer Kick für mich, wenn sie dabei sind. Deshalb sollten sie auf jeden Fall auf der Gästeliste stehen!

Weitere Infos:
www.theraa.com
www.facebook.com/ruralalberta
Text: -Gaesteliste.de-
Foto: -Pressefreigabe-
The Rural Alberta Advantage
Aktueller Tonträger:
The Wild
(Paper Bag/Membran)




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