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23.01.2021
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Mehr ist mehr

Fee.

Quarantine Concerts, Frankfurt
23.01.2021

Fee.
Wenn sich Frauen die Haare abschneiden - wie das die Frankfurter Liedermacherin Fee. vor kurzem getan hat -, beginnt ja gemeinhin ein neuer Lebensabschnitt. Auf jeden Fall gilt das auf der musikalischen Seite seit gestern für Fee., die sich - im Rahmen der Act Local Reihe der hr-Bigband - mit einem Quarantine-Konzert der besonderen Art in einem zweifelsohne neuen Abschnitt ihrer kunterbunten Musikerinnenkarriere einen Traum erfüllen konnte. Denn im Rahmen der besagten Reihe lädt die hr-Bigband auch in Corona-Zeiten eher nicht auf der Hand liegende, lokale Acts aus dem Frankfurter Raum ein, um deren Musik mit Arrangements von Dirigent Rainer Tempel - nun ja - runderneuert und visionär gemeinsam zu interpretieren. Viele der geplanten Konzerte des vielseitig agierenden Ensembles mussten bereits abgesagt werden - umso erfreulicher, dass es nun mit Fee. geklappt hat.

Aber wie funktioniert so etwas? Immerhin ist Fee. von Haus aus ja keine Jazz-Chanteuse und gemeinhin verbindet man mit den von ihr bevorzugten, akustisch orientierten Folk- und Pop-Songs ja nicht unbedingt den Sound eines großräumigen, vielköpfigen Klangkörpers. Das Geheimnis des Erfolgs lag dann eindeutig in den bemerkenswert subtilen Arrangements Rainer Tempels. Denn anstatt die Songs mit viel Aplomb und Blechbläser-Bombast zu ertränken oder etwa alles ins traditionelle Swing-Format zu transferieren (was ggf. nahegelegen hätte), legte er sein Augenmerk tatsächlich eher auf die ruhigen, balladesken Nummern des aktuellen Fee.-Albums "Nachtluft" und arrangierte die Songs mit einem breit gestreuten Klangspektrum um die Melodien Fee.s herum - übrigens unter Beibehaltung klassischer Band-Elemente wie Gitarre, E-Piano oder Drums. Blechbläser gab es natürlich auch - aber keinen Bombast. Stattdessen schrieb Rainer Tempel einfühlsame Arrangements für fast minimalmusikalisch dahinperlende Klarinetten- und Flöten-Vignetten. Saxophon-, Trompeten- oder Posaunen-Akzente wurden dann in den improvisierten Instrumental-Interlüden gesetzt. Fee. selbst durfte dabei einfach nur Fee. sein und sich vollkommen auf den Gesang konzentrieren. Auch wenn da nun nicht jeder einzelne Ton genau da saß, wo er eigentlich hingehört hätte (worum es aber auch nicht ging), entstand so eine bemerkenswert intensive und emotionale Performance. Sie selbst griff dann nur für den (älteren EP-)Track "Heile Welt" zur Gitarre und spielte ihren Signature-Song (in dem es um ihr Geschick als verkannte Zuarbeiterin der DHL-Postboten in ihrer alten Einzimmer-Wohnung geht) in einer Solo-Version.

Einige wenige "klassische" Bigband-Momente mit Sinatra-Flair gab es dann auch - aber nicht notwendigerweise bei Songs wie "Cherie", die auf der LP mit einem gewissen Rock-Drive dargeboten wurden, sondern eher bei Stücken wie "Elixier" oder dem letzten Track des Abends, "Ernst des Lebens". Das emotionale Highlight des Abends war dann allerdings der Song "Straßburger Straße", den Fee. inspiriert von der Wohnungsauflösung ihrer verstorbenen Großmutter geschrieben hatte. Hier brach sich dann auch Fee.s normalerweise unbändige Drang zum "labern" (wie sie selbst sagt) Bahn. Diesbezüglich hielt sie sich ansonsten aber zurück und ließ dann eher die Songs für sich sprechen.

Für das Konzert hatte man sich ein interessantes, Corona-kompatibles Konzept ausgedacht. Da sowieso keine Zuschauer anwesend sein durften, waren die Musiker des Ensembles - mit genügend Abstand - im Kreis platziert und konnten somit miteinander kommunizieren (jedenfalls dann, wenn sie keine Noten lesen mussten). Dazu gab es eine geschmackvolle Light-Show, sparsam eingesetzte, aber effektive psychedelische Effekte und vor allen Dingen eine bemerkenswert lebendige, aufwendige Kameraregie, die Einstellungen aus allen möglichen Perspektiven und Blickwinkeln ermöglichte. So lässt man sich Stream- und Quarantine-Konzerte wirklich gerne gefallen. Dass das Ganze im richtigen 16:9-Format, in HD und brillantem Soundmix ausgestrahlt wurde, braucht da ja nicht mehr extra erwähnt zu werden.

Fazit: Das war eine brillante Show, wie man sie in dieser Qualität in diesen Zeiten nun wahrlich nicht oft geboten bekommt. Vermutlich ärgerte sich Fee. im Nachhinein sogar, dass sie ihre LP nicht gleich in dieser Form hatte aufnehmen können.

Surfempfehlung:
www.feemusik.de
www.facebook.com/feemusik
www.facebook.com/hrbigband/videos/115295927140532

Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Pressefreigaben-
 

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