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Konzert-Bericht
 
The Real McCoy

Lauren Ruth Ward
Emma Cole

Köln, Die Wohngemeinschaft
06.12.2019

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Lauren Ruth Ward
"I'm The Real McCoy", singt Lauren Ruth Ward in ihrem Song "Make Love To Myself". Und auch wenn die folgende Zeile heißt "and you are just a broken toy" - womit Lauren deutlich machen möchte, dass sie auch alleine zu recht kommt - ist damit eigentlich alles gesagt; denn die Dame aus L.A. ist auf der Bühne in jeder Beziehung der wahre Jakob in Sachen Präsenz, Performance, Energie, Professionalismus, Sortimentspflege und nicht zuletzt Publikumsnähe. In den USA steht das sympathische Indie-Powerhouse - nicht zuletzt aufgrund der hinreißenden Live-Shows - kurz vor dem Durchbruch einer soliden Rockstar-Karriere. Letzteres auch aufgrund ihrer Beziehung zu Laure Pergolizzi a.k.a. LP (selbst eine Ikone der LGBT-Szene), die sie der Tour zu deren gefeierter "Heart To Mouth"-Tour supportete und demnächst zu ehelichen gedenkt. Insofern war es dann fast schon erklärlich, dass ihre erste Tour in unseren Breiten weitestgehend ausverkauft war - obwohl Lauren zur Zeit gar kein neues Album zu promoten hat: Seit ihrem Debütalbum "Well Hell", das 2017 noch auf einem Label erschien, von dem sie sich zwischenzeitlich trennte, veröffentlichte sie nämlich lediglich einige Singles wie "Valhalla" oder gerade eben "Wise Gal" und nicht zuletzt die Mini-LP "Happy Birthday Jim", auf der sie zu Jim Morrisons 75. Geburtstag immerhin sieben Doors-Songs auf kongeniale Weise coverte.
Einer der Gründe, warum gerade die Kölner Show bereits Monate vor dem Termin restlos ausverkauft war, war auch der, dass es hierzulande einen besonders emsig agierenden deutschen LRW-Fanclub gibt, der seiner Heldin nachreist und obendrein viele Vertreterinnen der Kölner LGBT-Bewegung versucht hatten, Zugang zu dem Ereignis zu erlangen. Viele dieser Besucherinnen waren offensichtlich auch mit dem Programm von Laurens Support, der ebenfalls in L.A. ansässigen Songwriterin und Performance-Künstlerin Emma Cole vertraut, die logischerweise ebenfalls ihr Live-Debüt auf dem deutschen Zweig von Laurens Europa-Tour absolvierte. Emma hat vor kurzem ihre brillante Debüt-EP "If You Don't Holler Noone Will Hear" veröffentlicht. Hierbei handelt es sich um eine bemerkenswert lebendige, organische Power-Pop-Scheibe mit einem gewissen Glam-Faktor und einer erkennbaren Vorliebe Emmas für die klassischen Tugenden der Altvorderen - auch wenn sich Emma soundtechnisch durchaus nicht den Errungenschaften der Neuzeit verschließt. Das ist auch dringend notwendig, weil ihre Solo-Show anders als auf der mit "echten" Musikanten eingespielten EP fast vollständig auf vorproduzierten Backing-Tracks sowie ein wenig Keyboard und Gitarrenbegleitung basiert. Normalerweise wäre solch ein Setting ja nicht unbedingt eine Empfehlung für ein Live-Konzert - es begeisterte dann allerdings, was Emma performerisch aus eben diesem Setting machte. Die gelernte Make-Up-Künstlerin und bekennende Drama-Freundin hatte sich zunächst mal mit ihrem eigenen Haar & Body-Gel der Marke "Gleam" (das sie übrigens auf dieser Tour als Merch feilbot) ein expressives Glitzer-Make-Up zugelegt und dazu ein passendes Pailetten-Outfit angelegt. Das hatte damit zu tun, dass sie eigentlich eine neue Single namens "Glassed Over" hatte fertigstellen wollen, für die dieses Make-Up dann eigentlich gedacht gewesen war. Nun - das hatte nicht geklappt, obwohl sie das besagte Stück natürlich doch spielte. Dabei unterstützte sie ihre Performance mit entsprechend ausufernden, weit ausholenden, theatralischen Gesten mit choreografischen Qualitäten - bis hin zu dem Umstand, dass sie sich des Öfteren am Bühnenrand hinkniete (oder legte), um das Publikum direkt einzubeziehen. Das alles hätte im Lächerlichen enden können, wäre da nicht Emmas grandiose, voluminöse Stimme gewesen, die umso erstaunlicher wirkte, als das Emma ein eher schmächtiges Persönchen ist. Musikalisch enthielten die erwähnten Backing-Tracks logischerweise mehr elektronische Elemente als die Studioproduktionen und stilistisch gab es deutlich mehr R'n'B- und HipHop-Elemente als ebendort - aber der düstere Tenor der autobiographischen Songs kam in diesem Ambiente erstaunlich gut zur Geltung. Freilich: Dass Emma Cole durchaus eine beeindruckende und ernstzunehmende Live-Performerin ist, bewies sie unter anderem auch, indem sie ihren aktuellen Single-Titel "Zachary" - mit Lauren Ruth Wards stimmlicher Unterstützung - auf der akustischen Gitarre präsentierte.
Lauren Ruth Ward hatte sich für die Show in ein originelles Wildwest-Outfit gewandet und unter voller Ausnutzung ihrer Fähigkeiten als Friseurin eine prächtige, farbenfrohe Hippie-Frisur zugelegt. Als Unterstützung hatte sie ihren musikalischen Partner Eddie Riviera mitgebracht, der sie an der E-Gitarre und seinem Kickdrum-Koffer (anstelle eines Schlagzeuges) unterstützte. Eine richtige Rockshow - wie Lauren sie gemeinhin präferiert - konnte unter den gegeben Umständen, in der bestuhlten Wohngemeinschaft natürlich dennoch nicht zustande kommen. Tatsächlich mussten auch jene Hardcore-Fans, die sich direkt vor die Bühne stellen wollten, erst mal überzeugt werden, sich auch hinzusetzen - denn ansonsten hätten alle anderen nichts sehen können. Lauren eröffnete demzufolge die Show erst mal mit einigen Solo-Akustik-Nummern. "Kennt ihr 'I Feel Cool'?", fragte sie etwa zunächst mal ins Auditorium - und auch beim nächsten Song, "Travel Man" versicherte sie sich zunächst, ob der Titel bekannt sei. Und zwar deswegen, weil sich die Fans in L.A. wohl nicht so sehr mit den Songtiteln auskennen. Bevor Eddie dann hinzukam, erklärte Lauren noch, dass sie nicht ansteckend sei, obwohl sie gerade an einer Erkältung herumlaboriere. Sie nutzte die Gelegenheit auch, das deutsche Gesundheitswesen zu loben - denn sie hatte bei einem Arzt ohne weiteres ein Medikament für die Erkältung bekommen sollen - was in den USA sicherlich schwieriger gewesen wäre. Lauren ist es wichtig, neben ihren persönlichen Weltsichten, die sie in Songs wie eben "Valhalla", "Wise Girl", "Did I Offend You" oder "Make Love To Myself" in mehr oder minder codierten Lyrics darstellt, auch die "fauligen" politischen Umstände unserer Tage zu kommentieren.

Obwohl Lauren für Fälle wie diese - also eine Show vor sitzendem Publikum - Vorsorge getroffen hatte, und die Tracks mit Eddie entsprechend heruntergebrochen hatte, drängte es die beiden immer wieder für Tracks wie "Sheet Stains", "Did I Offend You" oder natürlich "Wise Gal" in Richtung Rock. Hierzu legte insbesondere Lauren eine geradezu sendungsbewusste Energie an den Tag und präsentierte das Material mit viel Bewegung, entsprechenden Gesten, einem Tambourin und oft am Bühnenrand mit den Fans flirtend (denen sie etwa virtuelle Joints überreichte). Normalerweise ist das so, dass es ihr das Publikum dabei gleich tut, was aber aufgrund des Settings dieses Mal einfach nicht möglich war. Immerhin nutzte die die Möglichkeit, beim letzten Titel durch die Stuhlreihen bis zum hintersten Winkel des Clubs durchzutanzen. Bei einigen Tracks im Mittelteil kam dann Emma Cole noch ein Mal zur gesanglichen Unterstützung dazu, so dass am Ende teilweise doch so etwas wie ein Band-Sond dabei heraus kam. Leider blieb im knapp bemessenen Zeitplan (der Musikbetrieb muss um 22 Uhr eingestellt werden) keine Zeit mehr für Coverversionen im Programm, denn gerade mit diesen hat sich Lauren ja gewiss so manche Fans erspielt. "Wir haben so viele eigene Songs, dass wir heute keine Coverversionen spielen können", entschuldigte sich Lauren beim Publikum. Das knappe Bühnenprogramm machte Lauren dann aber insofern mehr als wett, als dass sie nach der Show eine ganze Stunde für die Fans bereit stand, so dass nun wirklich jeder - sogar der Tourbegleiter - sein ganz persönliches LRW-Erlebnis inkl. Autogrammen, T-Shirts, Tonträgern und Fotos mit nach Hause nehmen konnte.

Ganz ohne Frage wird mal Lauren auch bei uns in einem solch intimen Setting so schnell nicht wieder zu sehen bekommen. Denn zwar plant sie bereits jetzt, mit ihrer für das nächste Jahr zu erwartenden neuen LP wieder zurück zu kommen - bat sich aber verständlicherweise gleich aus, dass man sie dann doch in einem Club buchen möge, in den "vielleicht zehn Leute mehr" hineinpassen.



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Surfempfehlung:
laurenruthwardmusic.com
www.facebook.com/laurenruthwardmusic
www.instagram.com/laurenruthward
www.facebook.com/missemmacole
open.spotify.com/artist/4GYg3maC2h0CeNyAeUyXsz
www.youtube.com/watch?v=pLUoTVKa1rY
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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