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Konzert-Bericht
 
Inseln im Strom

Inger Nordvik

Köln, Die Wohngemeinschaft
23.04.2023

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Inger Nordvik
So gesehen hatte sich die zwischen ihrer norwegischen Heimat und ihrem Wahl-Refugium Berlin pendelnde Songwriterin Inger Nordvik mit ihrem Live-Debüt in der Domstadt nur ein paar Jahre verspätet. Das hängt damit zusammen, dass die klassisch ausgebildete Crossover-Musikerin ihr Debüt-Album "Time" 2020 tatsächlich wenige Tage vor dem ersten Lockdown-Event der sich gerade manifestierenden Pandemie veröffentlichte. Alle hochfliegenden Pläne für eine LP-Präsentation und die angedachte Debüt-Tour als Headlinerin mussten dann natürlich erst mal auf Eis gelegt werden. Das übrigens auch im wörtlichen Sinne, denn Inger zog sich in der Pandemie in die nordischen Gefilde, um dort ihren Kommentar zur erzwungenen "Winterschlaf-Phase" in Form einer neuen Songsammlung namens "Hibernation" zu realisieren, die nun seit einigen Wochen vorliegt. Grund genug, die bereits für 2020 angedachte Tour mit dem zweiten Album nun endlich auch mal realisieren zu können.
Für ihre erste Show in Köln überhaupt hatte sich Inger den Gitarristen Torstein Slåen zur Unterstützung mitgebracht, der auch in der Band, die sie auf "Hibernation" engagiert hatte, eine prägende Rolle einnahm. Prägend war seine Rolle auch bei der Show in Köln. Die Sache ist nämlich die: Ingers Kompositionen sind - obwohl sie diese mit einer unnachahmlichen Leichtigkeit auf dem hauseigenen Klavier präsentierte - dermaßen vielschichtig, subtil und komplex, dass es da nicht bei einer einfachen Gitarren-Begleitung bleiben konnte. Tatsächlich musizierten Inger und Torstein hier auf absolut gleichberechtigter Augenhöhe. Bestes Beispiel dafür waren die Kernstücke des neuen Albums - nämlich der Song "Echo" und der Titeltrack "Hibernation". In beiden Stücken macht sich Inger Gedanken über die Themen Isolation und die Interaktion zwischen Innen- und Außenwelt. Während sich Inger und Torstein im Falle von "Echo" dem Song in scheinbar improvisatorischer aber wohl doch eher durchkonzipierter Manier interpretatorisch näherten - wobei der eine auch in musikalischer Hinsicht das Echo des anderen darstellte -, war es bei "Hibernation" die Aufgabenteilung, die in der Summe mehr als die Kombination der einzelnen Teile ergab. Denn hier legte Torstein durch ein perkussives Gitarre-Streicheln erst mal die Basis für epische Klanglandschaften, die Inger dann mit fließenden Glissandi und der gesummten Emulation der Bläser-Arrangements, mit denen sie auf "Hibernation" erstmals experimentiert hatte, komplettierte. Dem philosophischen Inhalt ihrer Lyrics - den Inger mit charmantem Akzent auf Deutsch darlegte - wurde auf diese Weise eine adäquate, atmosphärische Umgebung erschaffen.

Um Virtuosität und Showmanship ging es bei dieser Show nur am Rande. Sicherlich bot der studierte Jazzer Torstein auf seiner Gitarre beeindruckende Handwerkskunst - und steuerte auch einige orginelle Soli bei (die mal in Richtung Psychedelia, mal in Richtung Jazz und mal in Richtung klassischer Gitarre abdrehten) - aber immer nur zur Unterstützung des Flows. Interessant war an diesem Abend auch noch das Sounddesign: Inger spielte ihre perlenden Melodielinien mit viel Sustain, hatte aber kaum Hall auf der Stimme, sodass ihr Gesang in Kombination mit den Klangflächen, die Torstein zudem auf der Gitarre erzeugte, klang wie eine Insel im Strom. Es ist ja schon ein blödes Klischee - aber tatsächlich schien Inger als Sängerin auf diesem Strom dann daherzuschwimmen. Stilistisch ist die Musik von Inger Nordvik eigentlich überhaupt nicht festgelegt: Sicherlich zehrt sie von ihrer klassischen Ausbildung, flirtet auch gerne mit jazzigen Harmonien und skandinavischer Folk-Ästhetik - hat aber auch ein Herz für den Kook-, Art- und neuerdings auch Indiepop und auch gewisse Ambient-Elemente finden sich in ihrer Musik. Bei all dem lässt sie jedoch nie vergessen, dass sie sich vor allen Dingen als Songwriterin und nicht alleine als musikalische Landschaftsmalerin sieht. All das brachte sie an diesem Abend auf eine dermaßen intensive Weise zum Ausdruck, dass sich nun wirklich niemand im Auditorium wagte, lauter als notwendig zu atmen. Nicht mal die sprichwörtliche Stecknadel hätte sich hier getraut, während des Vortrages herunterzufallen.
Als interessanter Nebeneffekt der angesprochenen stilistischen Ungebundenheit war zu beobachten, dass das Publikum aus bunt gemischten Musikinteressierten verschiedener Generationen bestand. Insgesamt war das dann - trotz der systemimmanenten melancholischen Note - ein friedvolles, versöhnlich stimmendes, herzerwärmendes Konzerterlebnis, bei dem gar nicht auffiel, dass Inger ursprünglich vorgehabt hatte, mit einer kompletten Band auf Tour zu gehen.

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Surfempfehlung:
www.ingernordvik.com
www.facebook.com/ingernordvikmusic
www.instagram.com/ingernordvik
www.youtube.com/@ingernordvik1178/videos
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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