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Konzert-Bericht
 
The All-Star Band From Star One

Ayreon

Bochum, Zeche
01.10.2002

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Peter Vink / A.A. Lucassen
Ein wahrlich "intergalaktisches" Konzertereignis! Die hier eventuell spürbar werdende Begeisterung hat unter anderem mit der Einzigartigkeit des Ganzen zu tun: Denn Ayreon gibt normalerweise schlicht und ergreifend keine Konzerte. Und so hatten sich bislang die Fans nur daheim an den Geräten an den phantastischen Kopfausgeburten des Ex-Vengeance-Gitarristen Arjen Anthony Lucassen berauschen können, die typischerweise mit einem unglaublichen Staraufgebot an allem produziert wurden, was im Rockbereich von Heavy bis Progressive gut und teuer ist. Aber wohl auch aufgrund der unvereinbaren Terminkalender dieser beteiligten internationalen Promi-Equipe blieben Lucassens Beiträge für die Rockmusikgeschichte bislang unaufgeführt, als da z.B. wären: "Actual Fantasy" ('96, mit Wicked Sensation-Sänger Robert Soeterboek), "Into The Electric Castle" ('98, u.a. mit Ex-Threshold Goldkehle Damian Wilson, The Gathering-Chanteuse Anneke van Giersbergen, der Stimme von Within Temptation, Sharon den Adel, sowie Marillions ehemals höchstem Highlander Fish), "The Dream Sequencer" (2000, mit Guest Appearances von u.a. Lana Lane und Ober-Spockbart Neal Morse), "Flight Of The Migrator" (2000, mit so namenlosen Gesellen auf der Gästeliste wie "Mr. Luftschutzsirene" Bruce Dickinson, dem stratovarischen Timo Kotipelto, Russel Allen und Michal Romeo von Symphony X, dem damaligen Herren der Gamma Ray-Strahlung, Ralf Scheepers, und dem Elegy-Saitenquäler Ian Parry, um nur einige zu nennen...). Danach kam noch der ähnlich prominent bestückte Collector's Item "For Ayreonauts Only" und dann kam eine kleine Pause... bis zum grandiosen diesjährigen Output "Star One".
Als nun die Botschaft erging, just mit diesem Album im Gepäck wolle der Meister im Verlauf einer kleinen Tournee auch bei uns einschweben, so stand neben überraschter Freude natürlich sofort die Sorge, ob Lucassen für diesen opulenten Konzept-Happen, dessen Einzelkompositionen sich mit verschiedenen Science Fiction-Filmen beschäftigen, auch wirklich als Raumschiffbesatzung die originalen Musiker würde gewinnen können. So war die Spannung groß unter den in Bochum erschienenen mehreren Hundert Ayreonauten. Von den angekündigten Labelmates Vanden Plas keine Spur, was wohl (zumindest an diesem Abend) kaum jemand vermisst hat, denn dafür gings früher los mit diesem furiosen, sternenfunkelnden und projektionsunterstützten Intro, an dessem Höhepunkt Meister Arjen durch eine Art Raumschiffschleuse die Bühne betrat - unter die Musik verstummenmachenden Begeisterungsstürmen des Publikums. Denn die hatten hier schon geblickt bzw. über die sauberst eingestellte PA vernommen, dass hier tatsächlich die Original-Ayreonatics den Ton angaben: Sir Russel Allen nimmt zwar langsam die Umrisse eines Pottwales an, ist aber immer noch einer der besten Sänger der Welt - und ausserdem eine zuverlässige Stimmungskanone. Damian Wilson durchlebte altes wie brandneues "Star One"-Material mit einer Inbrunst, die abermals daran zweifeln lässt, wer wirklich der begnadetste Interpret am Threshold-Mikrofon war. Floor Jansen, die Sängerin von After Forever, hatte es sich nicht nehmen lassen, verstärkt durch ihre jüngere Schwester Irene die weiblichen Vocalparts beizusteuern - gewohnt grandios und klassisch-opernhaft geschult. Robert Soeterboek zeigte ganz besonders beim "Electric Castle"-Material, was ein dramatischer Sangesvortrag ist, der Whitesnakes David Coverdale noch weißer werden lassen dürfte. Schließlich legten Gorefest-Drummer Ed Warby und Bass-Veteran Peter Vink (u.a. Big Wheel und North Stars, hat aber auch schon auf Arjens erstem Soloalbum mitgewirkt) ein deftig-heftiges Rhythmusfundament, während der Sun Caged-Tastenmagier Joost van den Broek nicht nur die wahrlich nicht anspruchsarmen Parts seiner "Vorgänger" Clive Nolan (Arena), Gary Wehrkamp (Shadow Gallery) oder Erik Norlander meisterte, sondern sich auch noch durchaus reizvolle Duelle mit Lucassen lieferte: Umhänge-Keyboards gegen Gibson Explorer...
Da die Setlist nun auch noch die schönsten von vielen möglichen Tracks aus sämtlichen ayreonautischen Schaffensphasen abdeckte, blieben bei den Fans kaum Wünsche offen und gewissermaßen kein Auge trocken. Denn gegeben wurden u.a. "Valley Of The Queens" (Floors Show Piece par excellence!) und Roberts Meisterleistung "Castle Hall" von "Electric Castle"; "Dream Sequencer" vom gleichnamigen Album; u.a. "Into The Black Hole", bei dem Damian sogar Bruce Dickinson vergessen machen konnte und vor allem "Dawn Of A Million Souls" von "Flight Of The Migrator" - einer von zahlreichen Nummern, bei denen Russel Allen seinen Stimmbändern kaum noch glaubliche Leistungen entlockte. Aber auch das neue Album war reichlich vertreten, u.a. mit dem "Lift Off"-Intro, "Set Your Controls", "High Moon", das dem Film "Outland verpflichtet ist, der würdigen Bearbeitung des Star Trek IV-Opus "Songs Of The Ocean", der "Stargate-Anverwandlung "The Eye Of Ra" sowie natürlich mit dem der ganzen Tour den Namen gebenden "Intergalactic Space Crusaders". Und mit "Arabia" der altehrwürdigen Vengeance gabs sogar noch einen ultraren Bonus obend'rauf!

Also nur gleißendes Sternen-Licht und gar kein Schatten? Nun ja, über das Silberlametta, in das sich die Band - wohl für eine möglichst "spacige" Anmutung - mehrheitlich gewandet hatte, kann man wohl unterschiedlicher Meinung sein. Nichtsdestotrotz: Wenn je Konzerte die häufig überbeanspruchte Bezeichnung "kultig" verdient haben, dann diese Ayreon Live Dates...

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Surfempfehlung:
www.ayreon.com
Text: -Klaus Reckert-
Foto: -Klaus Reckert-


 
 

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