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Sex!

The Dwarves
Sin City Circus Ladies/ Armstrong

Hamburg, Knust
14.03.2005

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The Dwarves
Ihre Shows sind legendär und die Meinungen über diese reichen von "phänomenal" bis "katastrophal". Kurz spielen sie manchmal, weniger als eine halbe Stunde. Es wird gepöbelt, gespuckt, gewütet und am Ende ist jeder platt. Diesmal war es anders. The Dwarves spielten ein gutes und für ihre Verhältnisse langes und - trotz nackter Tatsachen - harmloses Konzert.
Den lokalen Support machten die Gaesteliste.de-Lieblinge aus dem hohen Norden: Armstrong. Die haben gerade ihr neues Album fertig gestellt, aber noch nicht veröffentlicht. Doch - Überraschung - von diesem (wir haben reingehört und sagen: Freut euch!) gab es kaum was zu hören. Angefangen haben sie zwar noch mit ihren bekannten Krachern "Fire King" und "My Secret Story", doch ab da gab es ausschließlich Songs aus ihrem übernächsten Album zu hören. Und das schien die Fans vor der Bühne ein wenig zu überfordern. Denn wirkliche Stimmung wollte leider noch keine aufkommen, was Sänger Olli zur Frage brachte: "Das sind hier aber schon die Fans von den Dwarves, oder? Oder kommt hier gleich Chris Rea?" Doch das Trio ließ sich von den recht ruhigen Reaktionen nicht aus der Ruhe bringen und spielte ein äußerst souveränes, extrem tightes und stimmiges Set, wummernde, drohende Sound-Wälle drangen von der Bühne und die mehr als neuen Songs (allen voran "Monosyllabic" und "The Odd Ones") lassen auf eine große Zukunft hoffen.

Dann die Sin City Circus Ladies aus Berlin. Ein obskure Fünf-Kopf-Kapelle, die sich - leider - hauptsächlich über die Optik definierte. Zwar war ihr zweistimmiger Rockabilly-Country-Punkrock-Mix mit Kontrabass gar nicht mal schlecht und einige richtig starke Nummern hatte die Combo auch im Gepäck, doch das alles geriet in den Hintergrund, weil die Menschen hinter den Mikrophonen eine im Mini-Leder-Dirndl gekleidete Blondine und ein in ein rotes Leder-Dress gepackter Sänger waren, die alle Augen auf sich zogen. Plötzlich war der Laden voll, vor der Bühne drängelten sich die Gaffer und Tänzer und die Combo durfte eine satte Stunde fleißig musizieren, posen und Phrasen dreschen. Und den Beweis antreten, dass auch im Underground gilt: Sex sells!

Das wissen auch The Dwarves und darum kam ihr Gitarrist ohne Namen - wie immer - nur mit einer Wrestling-Maske auf die Bühne und präsentierte dem inzwischen gut gefülltem Knust seinen kleinen Freund. Dazu gab es einen Basser im Björn Borg-Revival-Outfit und ein paar alte Männer, die es immer noch können. Denn obwohl die Zeit auch vor den Dwarves keinen Halt macht, strotzte das Quintett vor Energie und rockte einen bunten Mix aus ihren letzten Veröffentlichungen in die Menge. Zwar gingen auf der Bühne die zum Teil wunderschönen Melodien und Sing-A-Longs von Songs wie "Everybodies Girl", "Salt Lake City" oder "Better Be Women" leider etwas verloren, doch die Fans in den ersten Reihen übernahmen gerne das Mikro, tanzten sich einen Wolf, ließen sich anspucken und spritzen mit Bier. Und mittendrin die Sin City Circus Ladies, die aber - hähä - kaum beachtet wurden.

Eine kompakte Dreiviertelstunde standen The Dwarves auf der Bühne und in dieser variierten die Ansagen von Sänger Blag Dahlia zwischen "Yeah", gelegentlichen "Yeah Yeah"s und seltenen "Fuck Yeah"s - es muss ja nicht immer Poesie sein. Stattdessen verausgabten sich die Helden des Porno-Punks komplett, machten die Leute glücklich und zerstörten zum Abschluss das Schlagzeug. Keine Zugabe, schüssinger, das war es. Ob für immer - das aktuelle Album heißt "The Dwarves Must Die" und wird von vielen als Abschiedsalbum gehalten - ist weiter ungewiss. Schade wäre es...


Armstrong
NACHGEHAKT BEI: ARMSTRONG

Es gibt viele Gründe, einmal bei Armstrong nachzuhaken. Sie stehen seit Jahren für feinsten Schweinerock, haben ihr neues Album fertig und waren an diesem Abend die einzige Band, die optisch nicht auffiel. Und damit aus der Reihe tanzte. Gaesteliste.de fragte bei Drummer Ingo Scheel nach.

GL.de: Wie fühlt man sich als einzig komplett normal gekleidete Band ohne optische Effekte zwischen Chaoten wie den Dwarves und den Sin City Circus Ladies?

Scheel: Das ist etwas, was uns völlig gleich ist. Jeder soll sein Ding machen. Wenn die Dwarves gern mit nacktem Dödel spielen, sollen sie es tun. Und wenn die Sin City Circus Ladies auf Travestie-Outfits stehen, auch. Unser Ding, aber das ist nichts Neues, ist das nicht. Kleider stehen uns nicht so gut, und nackt bekommt man uns nur backstage auf Anfrage. Persönlich ziehen wir ein No-Bullshit-Outfit vor: Jeans, T-Shirt, Sneakers - fertig. Schau dir die Ramones an oder Danko Jones, geht es cooler?

GL.de: Wie fühlt man sich, wenn die Zuschauer nicht gerade ausflippen? Ist das eher enttäuschend oder kann das auch ein Ansporn sein?

Scheel: Es macht im Moment des Spielens ein wenig ratlos. Man schafft sich drauf, gibt alles und schaut zwischen den Songs in die leeren Gesichter der Leute. Aber sowas passiert. Man kennt es selbst, man kommt für den Hauptact und gibt der Vorgruppe oftmals nicht wirklich eine Chance. Das ist ok, das härtet ab. Generell gilt für uns: ob drei oder 30 oder 300, ob brüllend oder verhalten klatschend, dass wir auf der Bühne stehen, ist Ansporn genug. Live spielen ist das Größte, die Stufen zur Bühne hoch, hinters Drumkit setzen, vorne Olli und Marco sehen, anzählen und in den ersten Song kicken - das ist fantastisch. Aber auch klar, dass es umso geiler ist, wenn die Leute abgehen, keine Frage.

GL.de: Ihr habt nur zwei bekannte Nummern gespielt - keine Sorge, eure Fans zu überraschen und zu überfordern?

Scheel: In a.) nur 30 Minuten und b.) vor einem Publikum, das nicht für uns gekommen ist, sondern für die Dwarves, haben wir damit kein Problem. Das Album ist fertig, aber inzwischen haben wir längst neue Songs, auf die wir natürlich live Bock haben, sie zu spielen. Wenn wir länger spielen, ist das Programm wesentlich gemischter und wir achten drauf, dass es ein okayer Mix ist. Von Vorteil ist es, jetzt schon Songs live ausprobieren zu können, die irgendwann mal auf das nächste Album sollen. Wenn uns zum wiederholten Mal die Leute auf "Monosyllabic" ansprechen, dann wissen wir, das der Song das Zeug zu mehr hat.

GL.de: Euer neues Album ist fertig - und richtig gut. Was können wir erwarten?

Scheel: Zehn Songs, an denen wir zehn Monate hart gearbeitet haben, unterstützt von vielen Leuten, die involviert waren. Von Ulf Nagel, der wieder produziert hat und ohne den diese Platte nicht so klasse klingen würde, wie sie es tut, bis hin zu diversen Gastmusikern, die auf "The Other Half" einige Songs veredeln. Erwarten darf man jedenfalls ein sehr abwechslungsreiches, dennoch geschlossenes Rock-Album mit Arschtritt, viel Melodie, 'ner Menge Wumms - obwohl, es ist immer schwierig, selbst das Ganze einzuordnen, letztlich müssen das die Hörer. Ich weiß nur, dass ich das Album höre und superstolz bin auf uns, also auf die Band und auf die Freunde, die beteiligt waren, vom Produzieren bis zum Artwork.

GL.de: Ihr seid gerade auf Labelsuche - wie siehts aus? Wo nach sucht ihr? Was ist wichtig?

Scheel: Ganz platt gesagt interessiert uns am meisten, dass das Teil jemand herausbringt. Ob das kleines Label ist oder ein größeres - egal - letztlich zählt, dass das Label an die Platte glauben muss, Bock drauf hat und uns als Band "versteht". Wir unterschreiben in diesen Tagen einen Verlagsdeal mit AMV / Edition Neversongs und arbeiten dort eng mit Tom Nevermann zusammen. Wir kennen uns lang, sind befreundet und wir bauen auf Toms KnowHow und können darauf vertrauen, dass er auf Armstrong steht und Lust hat, mit uns zusammen das Ganze noch weiter nach vorne zu bringen.

GL.de: Ihr wart gerade auf Tour, wie war es?

Scheel: Wir haben ein paar Dates im Osten gespielt und es war großartig. Kleinere Läden, die gut gefüllt waren, klasse Clubs, nette Menschen, von denen wir untergebracht und verpflegt wurden, mit Spaceship Landing aus Oldenburg eine fantastische Band mit im Boot, mit der wir in Zukunft sicher wieder zusammen auftreten werden. Kurz: Es war ein großer Spaß. Darum geht es doch letztendlich auch. Die Musik unters Volk zu bringen, in die Clubs, zu den Leuten, live spielen und die Leute ausrasten und Luftgitarre spielen zu sehen, ist fantastisch.

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Surfempfehlung:
www.thedwarves.com
www.sincitycircusladies.de
www.armstrongrocks.de
Text: -Mathias Frank-
Fotos: -Mathias Frank-

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