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Konzert-Archiv

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Konzert-Bericht
 
Ein trauriger Eisberg

Malcolm Middleton

Köln, Gebäude 9
20.09.2005

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Malcolm Middleton
Was wäre eigentlich, wenn Malcolm Middleton aus dem Nichts käme? Wäre er die Entdeckung der Traurigkeit in der Popmusik? Würde er ignoriert werden? Seine tragende Rolle als instrumentelles Mastermind bei Arab Strap sichert ihm zumindest das Interesse dieser Fans. Doch wenn er alleine Musik macht, ist es nur noch ein Soloprojekt - alle warten auf das "Original". Käme er aus dem Nichts, hätte die Presse mehr Spaß daran über ihn zu schreiben. Er hat eine fabelhafte Band, die sämtlich aus Ex-Delgados Mitgliedern besteht, er macht mitreißend traurige Musik mit Texten, die an Selbstgeißelung grenzen. Und was den Medien natürlich immer wichtig ist: Er ist authentisch. Mit seinem fast albinohaften Aussehen verkörpert er den Typus des bleichen Verlierers, der sich auch über Siege nicht freuen kann, in perfekter Weise.
Das Konzert war eigentlich zwei Konzerte. Ein Set zusammen mit der Band und alle drei Zugaben alleine mit der Akustikgitarre. Dramaturgisch souverän aufgebaut, wurde zunächst viel neues Material von "Into The Woods" präsentiert und zwischendurch immer wieder ein Highlight von der ersten Platte eingebaut. Drumcomputer und Schlagzeuger wechselten sich harmonisch ab und man bekam das Gefühl, einfach ein wunderbares Konzert zu sehen.
Doch als die Zugaben begann, und Malcolm alleine und verloren auf der Bühne vor dem Publikum stand, mit nichts bewaffnet als seiner Akustikgitarre, spürte man die Magie, die seinen Melodien innewohnt. Keiner war im Saal, der nicht bei "Speed On The M9" oder "Devil And The Angel" eine Gänsehaut gehabt hätte. Lieder, in denen er sich als vollkommenen Versager und seine Lieder als totalen Schrott besingt. Irgendwann war er am Ende seines Repertoires, versucht vergeblich noch ein paar Stücke zusammenzubringen und versagte schon nach dem ersten Refrain. Man sah sein Bemühen, dem Publikum noch etwas geben zu wollen, sich für den Jubel bedanken zu wollen und sein Scheitern. Am Ende ein paar verhuschte Entschuldiungen und Dankeschöns und die Flucht hinter die Bühne. Dies und das halbe Dutzend paralleler Narben auf dem Unterarm legen die Befürchtung nahe, dass seine traurige Musik nur die Spitze eines Eisbergs ist - eines sehr traurigen Eisbergs.

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Surfempfehlung:
www.malcolmmiddleton.co.uk
Text: -Stefan Claudius-
Foto: -Stefan Claudius-


 
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