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Konzert-Bericht
 
Welch ein Jam!

Róisín Murphy

München, Georg Elser Halle
08.11.2005
Róisín Murphy
Es hätte sowas von in die Hose gehen können. Vorzeichen dafür gab es genug: Der Tag im Büro war eher übel gewesen, vor dem Aufbruch zum Konzert war der Computer beim Download des Viren-Updates abgestürzt, trotzdem war ich immer noch viel zu früh in der halbvollen Georg Elser Halle aufgetaucht, war aufgrund im Verlauf des Tages vernachlässigter Nahrungsmittelaufnahme schon nach dem ersten Bier leidlich betrunken, mein Baby war nicht da zum Rumknutschen, während um mich herum lauter Pärchen nichts anderes taten als das – ein Münden des Abends in eine manifeste Depression hätte niemanden überrascht, am wenigsten mich selbst.
Stattdessen: Euphorie, Taumel, Hormonausschüttungen am laufenden Band während eines der – tschuldigung, man muss es so sagen – geilsten Konzerte, die ich bisher sehen durfte. Róisín Murphy, in bester Spiellaune (remember: "it's just a game / it's a world away from your everyday pain and your suffering"), betritt die Bühne mit schwarzem Frack und Zylinder (später wird sie im fantasievollen Umhang mit Kapuze und zuletzt im pinkfarbenen Puffkleid auftauchen). Ihre Band steht ihr in der Lust an der Performance in nichts nach, besonders die Bläserformation ist hervorzuheben – es wird gejamt, dass die Halle bebt. Mit Matthew Herbert an den Tasten gibt es einen fast zweistündigen Ritt durch Róisín Murphys Solo-Debüt "Ruby Blue", wobei Herbert (der im übrigen gar nicht wie ein blasser Elektronik-Frickler, sondern mit seiner Franzosen-Mütze eher wie ein Künstler aus dem Quartier Latin aussieht) des Öfteren zwischen seinen zwei Laptops aufspringt und eine Tanzaffen-Nummer hinlegt, die sich gewaschen hat. In der übrigen Zeit fertigt er Samples von Róisíns Live-Gesangsparts an, zerstückelt sie und fügt sie neu zusammen (besonders schön bei "Leaving The City", wenn das leicht hysterische "ty-ty-ty" noch minutenlang nachhallt). Dazu immer wieder der Big-Band-Touch der Bläserbastion, die sich von einem Höhepunkt zum nächsten schraubt. Der Titelsong des Albums, schon von Haus aus dem Rock nicht abgeneigt, fegt in der Live-Version noch das letzte Staubkorn aus den Ecken – Rama-lama-headbang-bang. Dass "Sow Into You", die neueste Single, ja eh einer der besten Funksongs außerhalb von Motown ist, hat man wohl schon bemerkt, aber live sprüht selbst aus den langsameren, souligeren Stücken eine solche Energie, dass noch auf dem Heimweg in der S-Bahn die Menschen instinktiv von mir Abstand halten, damit sie keine gewischt bekommen.
Madonna und Alison Goldfrapp können einpacken – Róisín Murphy heißt die Queen aller Tanz- und sonstigen Reibeflächen. Allein wie sie den Hüftschwung neu definiert, würde selbst Elvis persönlich vor Neid im Grab erblassen lassen. Darüberhinaus hat sie viel schönere Haare als Elvis, und steppen kann sie auch. Nach dem Album des Jahres also auch das Konzert des Jahres: und der Abend nicht gerichtet, sondern gerettet.
Surfempfehlung:
www.roisinmurphy.com
Text: -Tina Manske-
Foto: -Pressefreigabe-


 
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