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Konzert-Bericht
 
Antikapitalistischer Voodoozauber

Thee Silver Mount Zion Memorial Orchestra And Tralala Band

Köln, Gebäude 9
16.05.2006
Thee Silver Mount Zion Memorial Orchestra And Tralala Band
Für Kinos gibt es eine Auszeichnung für das beste Jahresprogramm. Sollte es jemals so etwas für Konzertveranstalter geben, so sollte das Gebäude 9 diesen Preis für das laufende und die ganzen letzten Jahre bekommen. Ein solch mutiges und hochkarätiges Programm sucht tatsächlich seinesgleichen. Zu Gast waren diesmal die kanadischen Thee Silver Mount Zion Memorial Orchestra & Tralala Band.
Schaffte es vor ein paar Jahren die "Vorgängerband" Godspeed You Black Emperor noch, das Gebäude 9 ohne jede Promo oder aktuelle Platte mehrere Wochen im voraus auszuverkaufen, musste sich TSMZMOATB mit einem halbgefüllten Saal begnügen. Tatsächlich wirkten viele Gäste so, als wären sie nur aus Neugier vorbeigekommen. Ganz offensichtlich schien es ihnen zu gefallen, denn ich habe noch nie ein so kleines Publikum so viel Applaus produzieren hören. Das ist alles andere als selbstverständlich. TSMZMOATB haben sich immer weiter von ihren instrumentalen Quellen entfernt und so ist nun fast jedes Lied von der Stimme des Bandleaders Efrim begleitet. Am ehesten könnte man sie mit dem Sound vergleichen, den ein Hund macht, wenn man ihm auf den Schwanz tritt - mit maximalem Wohlwollen ist sie also als interessant zu bezeichnen. Das Ganze klingt nun wie eine mittelgroße Hippiekommune, die am Lagerfeuer Musik macht: alternativ, psychedelisch, rituell, schräg, mit schepperndem Getrommel und einer umfangreichen Samlung von Streicherinnen. Dennoch konnte die Band das Publikum albsolut in ihren Bann schlagen. Die erste Zugabe wurde schon mühsam erklatscht, doch auch als beim zweiten Mal das Licht langsam aufgedreht und Musik vom Band angemacht wurde, hatte es noch immer nicht genug. Ich habe noch kein Publikum erlebt, das sich nicht bei solch radikalen Maßnahmen hätte überzeugen lassen nach Hause zu gehen. Nicht so die Jünger der letzen Tage des Kapitalismus. Sie riefen, johlten, jubelten und klatschten bis die sichtlich gerührte Band wieder auf die Bühne kam um ihren 68. Liveauftritt ruhmvoll zu Ende zu bringen.
Thee Silver Mount Zion Memorial Orchestra And Tralala Band
Den schönsten Moment bescherte jedoch ein kurzfristiger Ausfall des Bühnenstroms. Mitten in einem neuen Stück, das die Band selbst als ihren Versuch einen "Nummer Eins Hit" zu schreiben bezeichnete ("Some Hearts Are True"), verstummten die Instrumente. Nach kurzem Überlegen wurde das Stück dann komplett vokal beendet. Und das klang auf eine Weise magisch, die wahrscheinlich selbst die ärgsten Skeptiker berührte. Ab hier war klar: Da steht nicht irgendeine Band auf der Bühne, dies ist antikapitalistischer Voodoozauber. Oder wie auch immer man das nennen will. Jedenfalls ein Konzerterlebnis außerhalb der normalen Bewertungsmaßstäbe.
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tra-la-la-band.com
Text: -Stefan Claudius-
Fotos: -Stefan Claudius-


 
 

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