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Loud is the new quiet

Bardo Pond

München, Club 2
09.05.2001
Bardo Pond
Wenn man sich von Bardo Pond ein Bild zu machen sucht, nur aufgrund der Rezensionen und Presseinfos, dann kommt etwas ziemlich verqueres heraus. Jedenfalls nichts, was mit dem Konzert der Band im Münchener Club 2 (hier, im Gegensatz zum Rest der Europa-Tournee, ohne die Headliner Mogwai) so besonders viel zutun hätte. Keine Songstrukturen? Rein psychedelischer Krach? Unennbare Lautstärke? Völlig experimentell, abgedreht und free?
Weit gefehlt. Auf der Bühne des mit nicht einmal 30 Gästen ziemlich dürftig besuchten Clubs steht eine Rockband in mehr oder weniger klassischer Besetzung (Zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und eine Sängerin mit Nebeninstrumenten - Querflöte und Violine), vor einer Reihe Marshall-Verstärker - sehr plain. Und dann macht bereits die erste Nummer klar, dass man den Rezensionen nicht unbedingt glauben darf. Der Übergang vom Stimmen und Soundchecken zum eigentlichen Konzert ist fast nahtlos und verschwommen - also völlig kohärent mit der Arbeitsweise derBand (die übrigens zum Ende ihrer Europa-Tournee auf eine John Peel Session eingeladen wurden). Vor allem aus dem Zusammenspiel, extensivem Jammen und gedächtnisstützendem Aufnehmen heraus entwickeln Bardo Pond die Strukturen ihrer Musik. Bottom up production.
Irgendwann ist da jedenfalls - wo kam der nur her - dieser enorm dichte, druckvolle Gitarrensound, diese einfachen, geradezu erhaben einfachen Songstrukturen (genau, doch), die Stimme der Sängerin dabei deutlich in den Hintergrund gemischt. Das alles insgesamt, selbst bei den schnelleren Nummern, ohne jede Aufgeregtheit. Die Texte der Stücke sind durch diesen non-hierarchischen Mix nicht zu verstehen, aber darum geht es auch gar nicht. "I want my voice to sound like a guitar", erklärt Isobel Sollenberger später, die Stimme also als reines Melodieinstrument gedacht, genauso wie ihre Flöte und die Flohmarkt-Violine (gespielt mit entzückendem Bogenflattern). Deshalb hat sie für ihr Mikrofon auch einen eigenen Submixer auf der Bühne und eine Reihe von Effektpedalen. Eigentlich spielt hier eben jeder ein Melodieinstrument, der dichte und komplexe Klang der Band entsteht weniger durch ausgeklügelte Arrangements von Lead- und Begleitlinien, als durch die massive Überlagerung der vielen einzelnen gleichberechtigten Melodien. Im übrigen ist es wundervoll, von welcher erhabenen Einfachheit auch das ist, was die Gitarren in diesem Gesamtkunstwerk beitragen. Minimalistische Linien, einfache, wiederkehrende kleine Phrasen, oder eben brachiale, quasi geschrammelte Akkordfolgen: Keine artistischen Tricks, kein doppelter Boden. Beeindruckend ist lediglich die Koordination der zahlreich vorhandenen Effektpedale: Alleine bei den beiden Gitarristen je über zehn Stück, die in rascher Folge und in schöner Koordination mit dem Gespielten bedient werden. Was die Dynamik angeht, verfolgt die Band das Prinzip, auf der Autobahn ohnehin ständig ziemlich schnell zu fahren, aber selbst dann noch gelegentlich den Raser, hinter dem man erstmal 100 Kilometer friedlich hergefahren ist, zu überholen. Von intensiv nach intensiver heißt die Devise, aber gelegentlich fragt man sich, ob nicht auch etwas heilsame Dialektik ganz nett gewesen wäre, zwischen dieser enormen Intensität und einer gewissen Zurücknahme. Was man "Bühnenshow" nennen könnte, hält sich über weite Strecken in Grenzen, auch wenn Michael Gibbons gelegentlich zum Ende der Stücke ein wenig zum Kopfschüteln, auf der Stelle treten oder gar kurzem Aufspringen neigt. Gegen Schluß des Konzerts ist dafür die Sängerin, die die meiste Zeit sehr ruhig und immer mit geschlossenen Augen singt, so weit aufgetaut, daß sie uns wenigstens andeutungsweise die Rampensau macht: Bißchen tanzen, bißchen Mähne schütteln. Das spärliche Publikum jedenfalls war angesichts all dessen so weit enthusiasmiert, wenigstens zwei (exzellente) Zugaben zu erklatschen und man konnte den Club mit der Gewissheit, ein gutes Konzert erlebt zu haben verlassen: Leichten Schrittes, vollen Herzens und mit einem leichten Pfeifen in den Ohren.
Text: -Peter T. Lenhart-
Foto: -Ullrich Maurer-

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