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Konzert-Archiv

Stichwort:



 
Konzert-Bericht
 
Mimikry und Dekonstruktion

To Rococo Rot And I-Sound

München, Café Muffathalle
21.05.2001
To Rococo Rot
Während draußen im letzten Abendlicht der Wind in den mächtigen Kastanien rauscht, und der Isarkanal gurgelt und man bei einem kühlen Hellen auf der Terrasse einen der ersten lauen Abende genießen und einem seltsamen Cluster aus Naturgeräusch und Verkehrslärm lauschen kann, erwacht drinnen eine ganz andere Klanglandschaft. To Rococo Rot und DJ I-Sound sind gekommen, um uns ihr neues Album "Music Is A Hungry Ghost" näher zu bringen.
Analog zur klanglichen Verschmelzung von Natur und Technik vor der Tür wird im kleinen, gut gefüllten Café der Muffathalle die abstrakte Dekonstruktion des Mensch/Maschine Motifs betrieben. Die Brüder Robert und Ronald (auch bei Tarwater tätig) Lippok aus Berlin, Stefan Schneider (von Kriedler) aus Düsseldorf und Craig Willingham (aka DJ I-Sound) aus New York stehen über jede Menge elektronischer Kleingeräte gebeugt, berühren in rhythmischen Bewegungen Schaltflächen, Drehregler und Kippschalter und schaffen eine elektronische Klanglandschaft, die in ihrer Unnahbarkeit eine Art Mimikry betreibt: Vor dem Inneren Auge sieht man riesige Insekten knarrend ihre Hinterleiber beschaben und archaisch anmutende Reptilien quäkend die Kinnbacken blähen. Weniger glatt als auf der (auch an dieser Stelle besprochenen) Platte aber umso unmittelbarer und intensiver kommen die Früchte dieser transatlantischen Zusammenarbeit live daher. Die gelungene Fusion von Elektronischem und Akustischem, die nicht nur die letzte Veröffentlichung von To Rococo Rot auszeichnet, klingt nur solchen Stellen an, wo der E-Bass tragende Fundamente legt, auf denen das akribische Schlagwerk das Gerüst der Tracks baut.
"Music Is A Hungry Ghost", und von dem scheinen die vier Musiker besessen. Das sehr gemischte Publikum verfolgt das Geschehen aufmerksam, wohlwollend und schweigend. Zum allgemeinen Entsetzen wird bereits nach einer Dreiviertelstunde das Ende der Darbietung angekündigt und nach zwei eingeplanten Zugaben unanständig lange der Bühne ferngeblieben. Umso sympathischer, dann entschuldigend festzustellen, dass man einfach nichts mehr kann außer improvisieren. Das wird natürlich eingefordert und dann auch gemacht.
Text: -Dirk Ducar-
Foto: -Pressefotofreigabe-

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