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Konzert-Bericht
 
Gelungene Landung

Berlin Festival

Berlin, Flughafen Tempelhof
08.08.2009
Deichkind
Vier Mal ging das Berlin Festival nun schon über die Bühne. Nach einer kleinen Verschnaufspause im Jahr 2008 meldet es sich eindrucksvoll zurück und sorgt für ein ausgelassenes Wochenende samt einem Line-Up, das man so gerne liest wie ein gutes Buch. Auch der Umzug auf das Gelände des ehemaligen Flughafen Tempelhofs erweist sich als ein weiser Schachzug. Tradition und Geschichte auf einem Fleck und ausreichend Platz für die nach Berlin strömenden Gäste aus Nah und Fern. Ein Festival mal ohne das lästige Campen auf rutschigen Wiesen und dazu noch mitten in der Stadt. Diese gelugene Kombination und allerschönstes Sommerwetter als Sahnehäubchen obendrauf boten die perfekte Grundlage für endlose Stunden voller guter Musik. Das Rollfeld inklusive Hangar einfach zur Tanzfläche umfunktioniert, die Lichter rund um den Flughafen angeknipst und die Bands mit Vollgas auf die Bühnen losgelassen, anschnallen und los!
Nach der guten Nachricht, dass Peter Doherty es am ersten Festival-Tag doch tatsächlich geschafft hatte, den Flieger nach Berlin zu besteigen, um kurze Zeit später wie geplant auf der Hauptbühne zu erscheinen, konnte der zweite Tag mit ruhigem Gewissen und frohen Gesichtern beginnen. Die Anzeigetafel in der Eingangshalle blinkte einladend und informierte zugleich über das anstehende Programm. Statt Städtenamen und Urlaubszielen wurden die Besucher auf das anstehende musikalische Programm hingewiesen. Auf der Tagesplanung ganz oben standen dabei die Berliner von I Might Be Wrong, die den Samstag eröffnen sollten. Während im Hintergrund der Bandname übergroß an die Wand projeziert wurde und dem in den Hanger schlendernden Besucher sofort ins Auge sprang, begannen I Might Be Wrong vor der sich langsam aber stetig füllenden Halle zu spielen. Die ersten Füße wurden in Bewegung gesetzt, die Hände warm geklatscht und die Songs mit viel Sympathie aufgenommen. Der frühe Nachmittag gestaltete sich genauso angenehm, wie man es sich erhofft hatte.

Eine kurze Umbaupause später standen die Kilians auf der Bühne bereit und ermunterten das noch etwas müde Publikum zu etwas mehr Elan. Den brauchte die Band selbst nicht hochzuschrauben, denn sie spielten mit viel Energie in den Fingern und streuten hier und da witzige Ansagen ein, die zur allgemeinen Erheiterung beitrugen. Wer dabei schon ins Schwitzen geriet, hatte den Weg an die frische Luft zum Glück nicht weit, denn die wurde zunehmend dicker, je weiter der Uhrzeiger sich vorwärts drehte und je mehr das Publikum tanzte.

Genau das tat es beim Set von The Rifles ausgiebig. Kein Wunder, denn die Herren aus London haben es sich augenscheinlich zur Aufgabe gemacht, mit jedem gespielten Song mindestens so viele Gliedmaßen in Bewegung zu setzen wie nur möglich. Das zweite Album namens "Great Escape" gerade veröffentlicht und die älteren Songs natürlich ebenso mit im Gepäck, sorgten The Rifles für entzückte Gesichter in der Menge und wenn man den Gesichtern der Band glauben darf, hatte das Quartett ebenso viel Spaß.

Sechs Jahre nach dem letzten Studio-Streich von Zoot Woman sind mittlerweile vergangen. Umso schöner, dass die Band, die bereits 2006 auf dem Berlin Festival spielte, wieder die Reise in die Hauptstadt angetreten hat. Der Blick auf Johnny Blakes Schuhwerk wurde mit fast ebenso viel Spannung erwartet wie das Hören der Songs des neuen Albums "Things Are What They Used To Be" - wie sich kurz darauf herausstellte, wurden beide Erwartungen nicht enttäuscht. Johnny Blakes blaue Lackschuhe und das neue Song-Material glänzten im Einklang an diesem Abend. In der knappen Stunde des Sets bewiesen Zoot Woman, dass ihnen selbst eine längere Pause nichts anhaben kann und wer mit insgesamt nur drei Alben so viel Groove-Potenzial und Hits aus dem Ärmel schüttelt wie diese Band, der muss sich keine Gedanken darum machen, wenn er die Bildfläche für eine kreative Pause verlässt.

Im Minutentakt vor dem Auftritt von Jarvis Cocker stieg auch das Aufgebot an Schlips- und Brillenträgern vor der Hauptbühne. In gewohnter Manier, mit Anzug und Hornbrille auf der Nase, beendete Herr Cocker dann das sehnsüchtige Warten und legte unverblümt los. Für seine Tanzeinlagen und außergewöhnlichen Bewegungen hätte er die Note Eins verdient. Ebenfalls Bestnoten würde er für seinen Humor und seinen Unterhaltungswert verdienen. Ganz zu schweigen von seinen Songs, die eben genau diese Sachen in ihm wecken. Wo sich andere Künstler den Applaus erkämpfen müssen, braucht Jarvis nur einmal in Richtung Publikum zu blicken oder eine Handbewegung zu machen und schon liegen ihm die Fans zu Füßen. Gekonnt spielte er während seiner Show, die viele Lieder seines letzten Albums "Further Complications" enthielt, mit seinem Status, aber stets auf so sympathische und ironische Art und Weise, dass er am Ende nur gewinnen konnte. Wahrscheinlich auch, weil es ihm gelang die Menge stets in seinen Auftritt miteinzubeziehen.

Wer danach noch genügend Energie hatte, der schaute sich Deichkind an, die die mit Abstand bunteste und mitreißendste Show des Abends ablieferten. Der Spaßfaktor wurde bis an die Grenzen getrieben und mit den üblichen Requisiten wie Federkanonen, Wasserpistolen oder Gummiboten wurde natürlich nicht gegeizt. Das Publikum dankte es Deichkind mit ausdauerndem Herumhüpfen, in die Höhe gestreckten Armen wohin das Auge nur blickte und einer Einstellung, die eindeutig auf Party ausgerichtet war. So, wie es sich für ein Festival gehört. Davon noch aufgeheizt und angesteckt ging es mit dem DJ-Set von Digitalism weiter, die bis in die frühen Morgenstunden dafür sorgten, dass keine Langeweile aufkommen würde und das Berlin Festival wirklich ein Fest wurde.

Joe Goddard von Hot Chip tat dies auf ebenso wunderbare Weise, aber im kleineren Rahmen auf der Second Stage. Wer danach noch immer nicht genug hatte, wurde auf den drei anderen Floors noch Stunden später mit Musik vom Plattenteller versorgt.

Mit einem insgesamt so gelungenen Umzug auf ein neues Terrain und einem ausgewogenen Programm darf das Berlin Festival mit einem zufriedenen Gesicht auf das Festival-Wochenende zurückblicken. Auch die Besucher dürfen auf eine ebenso gelungene Wiederholung im nächsten Jahr hoffen. Man darf wohl von einem geglückten Start und einer erfolgreichen Landung in Tempelhof sprechen.
Surfempfehlung:
www.berlinfestival.de
Text: -Annett Bonkowski-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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