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Gemischte Gefühle

Depeche Mode

Oberhausen, Arena
31.10.2009
Depeche Mode
Kurz nach neun hält es unsere Sitznachbarn nicht mehr auf ihren Plätzen, das Licht geht aus, Andrew Fletcher, Martin L. Gore, Christian Eickner und Peter Gordeno stürmen auf die Bühne. Das Intro zur Show setzt ein, die riesigen LED-Leinwände erleuchten die Bühne. Jubel brandet auf, dann klettert auch Dave Gahan die wenigen Stufen zur Bühne empor, der Jubel wird lauter. "In Chains" vom neuen Album "Sounds Of The Universe" erklingt. Gahan lässt sich zu einem lasziven Hüftschwung hinreißen, auf den zumindest die Damenwelt gewartet hat. Wieder brandet euphorischer Jubel auf. Der sich überraschend jedoch schnell legt.
Die Region hat lange auf die Heroen des Synthie-Pop gewartet - zu lange. Denn schon im Juni sollten Depeche Mode gleich zweimal in der Düsseldorfer Esprit-Arena spielen. Eigentlich. Und ganz eigentlich sollte Oberhausen nur ein Zusatzkonzert sein. In Depeche Mode-Maßstab nur ein kleines Hallenkonzert - als Bonbon und Dankeschön für die Fans nach einer gelungenen Sommertour durch die großen Arenen. Erinnern wir uns zurück: An einen Abend im Mai diesen Jahres. Als plötzlich in Athen das Show-Intro verstummt, ein Ansager auf die Bühne kommt und bekannt gibt, dass Depeche Mode nicht spielen werden. Dave Gahan fühle sich nicht wohl. Wilden Spekulationen um Streitigkeiten in der Band und Drogen-Rückfall-Geschichten um Dave wird später der Garaus gemacht: Der Sänger habe Blasenkrebs, müsse sich einen Tumor wegoperieren lassen, heißt es offiziell. Viele Shows fallen aus, auch nach der Genesung. Nicht alle Fans sehen dem Konzert in Oberhausen freudig entgegen - sie glauben nicht an die offizielle Version der Geschichte. Für viele ist die Hallentour ein letztes, zögerliches Goodbye der Band - die mit "Sounds Of The Universe" nicht ihr bestes Album veröffentlicht hat. Klar, die ausgefallenen Termine in Düsseldorf werden im Februar nachgeholt. Aber was wird dann sein?

Zurück nach Oberhausen: Die anfängliche Euphorie wird gebremst, als "Wrong" aus dem neuen Album angespielt wird. Klingt es nur für mich so oder stimmt hier was nicht mit dem Sound und dem Gesang? Mein Blick schweift über die Gesichter der Nebenstehenden - sie sehen eindeutig gequält aus - nur die Menschen vor dem Wellenbrecher im Innenraum, sie singen noch mit. Und dann: Der dritte Stimmungskiller, pardon, Song aus dem neuen Album: "Hole To Feed". Panik macht sich breit - die werden doch wohl nicht das neue, von mir und vielen anderen ungeliebte Album in einem Rutsch durchspielen? Da kann auch kein noch so hübscher Hüftschwung und kein virtuos herumgewirbelter Mikrofon-Ständer die Laune heben. Doch dann erklingt ein wohlbekanntes Intro, auf den Leinwänden ist eine Wüstenlandschaft zu sehen. Ein Rabe stakst durchs Bild, eines seiner Augen schaut auf die Zuschauer hinab. Depeche Mode starten durch - und zwar mit "Walking In My Shoes" und den Videoprojektionen von Anton Corbijn. Es folgt ein Streifzug durch die Jahrzehnte: "It’s No Good", "A Question Of Time", "Precious" und "Fly On The Windscreen".

Das Jubelgeschrei der Zuschauer will nicht abebben, dann jedoch verlässt Dave zusammen mit Andrew und Christian die Bühne - nur Martin und Peter bleiben zurück. Während sich der eigentliche Frontmann von Depeche Mode während des kompletten Konzertes noch nicht einmal ans Publikum gewandt hat, spricht Martin das Auditorium direkt an. "Wir haben diesen Song noch nie auf diese Weise gebracht. Möglicherweise müsst ihr aushelfen." Die Unsicherheit, die seine Worte spiegelt, ist dem blonden Musiker im Glitzerdress äußerlich nicht anzumerken. Er konzentriert sich ganz auf sich und seine Gitarre, blendet die vielen gespannten Zuhörer einfach aus. Es ist gespenstig still in der großen Halle. Bis die ersten Takte von "Freelove" erklingen, die mit lauten Pfiffen und einem Applaussturm begrüßt werden. Dann wird es wieder still, die Zuschauer lauschen bedächtig und fallen erst beim Refrain in den Gesang ein. Wieder brandet Jubel auf - die Zuschauer feiern den Song und Gore wie einen Helden. Kein Wunder. Er ist zwar nicht der Entertainer der Band, sein Gesang ist jedoch qualitativ um einiges besser als der des eigentlichen Frontmanns. Gänsehautschauer jagen zumindest einigen Zuschauern über den Körper, als Gore schließlich auch noch das gefühlvolle und ruhige "Home" intoniert. Diesen Moment mit Martin Gore, den möchte das Publikum schließlich nicht loslassen und singt den Text von "Home" immer weiter und weiter. Selbst dann noch, als Gahan und der Rest der Band längst wieder auf der Bühne steht.

Zum Glück kommen sie zum Ende der 120-minütigen Show noch mal in den Genuss eines Martin-Solos, als er schließlich als erste Zugabe "Somebody" anstimmt. Und dazwischen? Da liegen weitere große Depeche Mode-Hits wie "Policy Of Truth", "I Feel You" und natürlich "Enjoy The Silence". Schließlich wird es bei "Never Let Me Down Again" interaktiv - brav schwingen die Zuschauer ihre Arme über ihren Köpfen von links nach rechts und wieder zurück. Das ist - wie immer - ein gigantischer Anblick - aber eben nichts Neues, Spannendes. Nach zwei Stunden geht ganz zögerlich das Hallenlicht an, als die letzten Takte von "Personal Jesus" verklingen. Die Fans strömen aus der Halle - mit gemischten Gefühlen. Die Show war perfekt. Wie immer. Das Mitsingen, das Mitwippen, das Armehochreißen, das Schwitzen, der Bass, der den Herzschlag durcheinander bringt, das Mitfiebern - das ist alles großartig. Und allein dafür hat es sich schon gelohnt dabei zu sein. Aber irgendwas hat gefehlt. Vielleicht Herzblut?

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Text: -Esther Mai-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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