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Vertraut und doch fremd

Megaherz

Moers, Bollwerk
27.11.2009

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Megaherz
Ein lautes Klirren ist zu hören, als das Glas auf den Pflastersteinen zerspringt. Ein paar hundert Meter weiter, sind ein paar Jugendliche kurz davor sich zu prügeln. Punks, betrunkene Normalos, Jungs mit Rastazöpfen, gepiercte Mädels mit bunten Haaren lungern vor der Tür rum. Sie saugen gierig an ihren Zigaretten, betrinken sich, wenn sie nicht schon vollständig betrunken sind. Im Innern des Moerser Bollwerks geht gerade das Licht aus, während die Mitglieder einer wohlbekannten Münchener Band die Bühne stürmen. "Es ist nicht leicht ein Gott zu sein" - diese Songzeilen katapultieren die Zuschauer tief in die Vergangenheit der Megaherz-Geschichte. Es ist wie eine Zeitreise ins alte Jahrtausend, genauer gesagt ins Jahr 1997, nur dass der muskulöse, charmante Glatzkopf da oben auf der Bühne nicht der damalige Sänger Alexander Wesselsky ist - sondern Alexander Wohnhaas, kurz Lex. Er hat mittlerweile den Platz des Frontmanns eingenommen, nachdem Alexx 2002 aus der Band ausstieg und zusammen mit einem anderen ehemaligen Megaherz-Mitglied, Noel Pix, die Rockcombo Eisbrecher gründete.
Vertraut und doch fremd - so könnte man das Gefühl beschreiben, dass zumindest mich beschleicht, als Lex zu brachialen Gitarrenklängen den Megaherz-typischen Sprechgesang anstimmt. Vertraut, weil ich früher viele, viele Konzerte von Megaherz besucht habe, das letzte im Jahr 2002, als die Münchener das Album "Himmelfahrt" veröffentlichten. Vertraut, weil ich den Gitarristen X-Ti und den Bassisten Wenz schon damals sehr sympathisch fand - und sie sich aus meiner Sicht nicht verändert haben. Und fremd, weil da anstatt Gitarrist Noel Pix und Sänger Alexx nun Roland Venceli (Gitarre) und Lex (Gesang) auf der Bühne stehen - und die ganzen Megaherz-Klassiker wiederbeleben. Wie beispielsweise die "Perfekte Droge", einen Song, den ich zuletzt zusammen mit ein paar Freunden im Frühjahr diesen Jahres a-cappella in einem Münchener Club auf einer Party vom ursprünglichen Autor vorgesungen bekommen habe.

Zugegeben, ich habe vor ihrem Gastspiel in Moers viel über die aktuelle Besetzung von Megaherz gehört. Nichts Gutes, wenn ich ehrlich bin. Und die Platte "Heuchler", die ich mir aus nostalgischen Gründen zugelegt habe, verstaubt auch im Schrank, während "Herzwerk II" aus dem Jahr 2002 einen festen Platz in meinem MP3-Player hat. Doch dann rocken Megaherz los, beginnen gleich mit einem Klassiker, der mich zuerst innehalten lässt und dann völlig mitreißt. Lex Stimme ist anders als die von Alexx - anders, aber kraftvoll und richtig gut. Er rennt und springt über die Bühne, animiert die Fans zum Mitsingen und -klatschen. Er hält Kontakt zu seinen Mitmusikern, springt auf die Podeste, auf denen sich die Jungs postiert haben, und rockt mit ihnen um die Wette. Nicht nur mich begeistert das sympathische Nordlicht auf Anhieb - auch die anderen Gäste wippen zumindest den Takt mit, wenn sie nicht lauthals mitsingen, klatschen oder tanzen. Es herrscht eine super Stimmung. Dabei ist Lex nach eigenen Angaben gesundheitlich nicht besonders auf der Höhe, trinkt ein merkwürdiges, rotes Gebräu (Tee?), anstelle von Whiskey.

Bemerkenswert ist, dass es vor allen Dingen die alten Industrial- und Pathos-Rock-Nummern, wie "An deinem Grab", "5. März" und "Kopfschuss" sind, die besonders gut beim Publikum ankommen. Auch der Klassiker "Miststück" darf in Moers natürlich nicht fehlen. Hier ist dann für die Fans, die auch Eisbrecher kennen, ein Direktvergleich möglich, da Eisbrecher diesen alten Megaherz-Song ebenfalls im Repertoire haben. Technisch perfekt, mit viel Herzblut vorgetragen, kommt er daher - nur die obligatorische Clawfinger-Rap-Einlage, die Alexx jedes Mal bei den Konzerten von Eisbrecher in den Song einfließen lässt, entfällt völlig.

Dunkel ist es, im Moerser Bollwerk. "Sagt mal, sind wir so hässlich, dass wir fast die ganze Zeit im Dunkeln auf der Bühne stehen müssen", fragt Lex seine Techniker. Dann endlich geht das Licht auf der Bühne an und nun ist auch der optische Vergleich möglich. Lex sieht Alexx im Dunkeln zum Verwechseln ähnlich. Viele der alten Fans dachten zuerst, dass der alte Frontmann wieder zu Megaherz zurückgekehrt sei, als Lex das Mikro von Matze übernahm. Beide tragen einen markanten Bart, Glatze und sind recht muskulös. Im Hellen sind die Unterschiede jedoch gut erkennbar. Lex Gesicht ist kantiger, er wirkt eckiger - das Lachen ist ein völliges anderes, wenn auch ebenfalls gewinnend und sympathisch. Und während Alex sich mit im edlen Zwirn auf die Bühne schwingt, scheint Lex es martialischer zu mögen: Bekleidet ist er mit einer schwarzen Schutzweste, einer schwarzen Armeehose und einem schwarzen Kappi.

Aber zurück zum wesentlichen, der Musik: Auch die neuen Songs kommen bei den wenigen Besuchern im Moerser Bollwerk recht gut an - "Heuchler" und "Mann von Welt" klingen besser, satter und vor allen Dingen auch gesanglich viel klarer als auf Platte. Bei der Zugabe "Himmelfahrt" recken die Fans schließlich noch einmal ihre Hände nach oben - dann ist es schon vorbei, das Gastspiel der Rock-Combo um Lex Wohnhaas im Moerser Bollwerk.

Das Fazit fällt schließlich gemischt aus: Megaherz ist eine technisch perfekte Band. Und auch, wenn keines der Gründungsmitglieder mehr mit auf der Bühne steht, hat sie musikalisch durchaus ihre Daseinsberechtigung. Nur ein paar eigene Songs, die vielleicht auch von Lex eingesungen sind, würden ihnen gut zu Gesicht stehen. Dann müsste sich Lex solch persönliche Texte wie den von "5. März" vielleicht nicht zu Eigen machen. Wer Megaherz in jetzt erst kennen lernt, erlebt eine großartige Band, die es versteht, das Publikum mitzureißen. Für alle anderen wird es am Freitag beim Castle-Rock in Mülheim an der Ruhr interessant, wenn nacheinander Megaherz und Eisbrecher auf der Bühne stehen werden. Dann ist der direkte Vergleich, wie in diesem Jahr beim WGT und vor einigen Jahren bei Uni-Festival in Paderborn, erneut möglich.

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Surfempfehlung:
www.megaherz.de
www.myspace.com/megaherz
Text: -Esther Mai-
Foto: -Esther Mai-


 
 

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