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Konzert-Bericht
 
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Air
George Pringle

Berlin, Huxley's
27.01.2010

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Air
Es gibt mindestens zwei Dinge, die felsenfest stehen, wenn sich Air zum Konzert ankündigen. Zum einen ist es die Gewissheit, dass die Band vor ausverkauftem Haus spielen wird. Zum anderen bekommt man dann am besagten Abend den Beweis, dass Jean-Benoît Dunckel und Nicholas Godin um ihre Stilsicherheit wissen und diese gleich auf mehreren Ebenen perfekt in Szene setzen. Berlin war dabei keine Ausnahme. So war auch die Wahl des Veranstaltungsorts, dem Berliner Huxley's, irgendwie typisch und fügte sich wie ein weiteres Puzzleteil in das Gesamtbild. Das elegante Ambiente, das mit goldenen Verzierungen an den Wänden glänzte, wirkte fast schon so, als hätte es sich extra noch einmal für diesen Anlass herausgeputzt.
Die anfängliche Neugier für den Auftakt des Abends verpuffte leider schnell. George Pringle und ihre mit elektronischer Musik vertonten Monologe im Stream of Consciousness-Stil konnten nicht begeistern. Mimik und Gestik schienen zu verraten, dass sie sich in ihrer Rolle auf der Bühne mehr als unwohl fühlte. Noch schlimmer war aber die Tatsache, dass sie den Eindruck erweckte, selbst von ihren eigenen Songs gelangweilt zu sein. Stellen, bei denen sie nicht sang, wurden mit Augenrollen und saloppen Bewegungen gefüllt, was sogar soweit reichte, dass sie im letzten Song einfach die Vorspultaste bediente, damit es nicht allzu unerträglich für sie oder das Publikum wurde. Da stellte sich am Ende wirklich die Frage, welche Argumente ihren Support Slot überhaupt rechtfertigen sollten.

Zum Glück weiß man, dass man so einen Reinfall bei Air nicht erleben wird. Auch wenn das Publikum zum größten Teil unheimlich verhalten war, lieferte das französische Duo eine Show, deren klare Linien sich wie ein roter Faden durch das gesamte Konzert zogen. Mit großer Leinwand im Rücken, die die Augen bei jedem Song mit stimmigen Bildern und Farbreflexen versorgte, strahlten Jean-Benoît Dunckel und Nicholas Godin in ihren weißen Outfits von der Bühne herab und von ihnen ging während der gesamten Zeit über eine Ruhe aus, die sich anscheinend auch auf die Zuschauer übertrug. Entweder das, oder das ausverkaufte Huxley's war einfach zu sehr von der Musik gefangen genommen. Air lassen prinzipiell lieber ihre Songs für sich sprechen und so wurde nicht allzu viel außerhalb dieser Ebene kommuniziert. Wenn aber doch, dann verriet die Wortwahl, dass die Band ihren Spaß hatte. So belegte Jean-Benoît ihre weißen Outfits mit dem Vergleich, dass draußen so viel Schnee liegen würde und man sich deswegen entschlossen hätte, einfach als Schneemänner aufzukreuzen.

Vieles gibt die musikalische Karriere der Band her, alles konnte verständlicherweise nicht den Weg auf die Setlist finden. Dennoch wirkte die Auswahl der Lieder wie eine Sammlung an Hits, die so vertraut erschien, dass keine Enttäuschung aufkommen konnte, falls der persönliche Lieblingssong vielleicht nicht darunter war. Selbst die Songs vom neuen Album "Love 2" gesellten sich gekonnt zum restlichen Repertoire und fügten sich nahtlos ein. Gleich die ersten drei Stücke "Do The Joy", "So Light Is Her Footfall" und "Love" machten Lust auf mehr und stimmten die Zuschauer galant auf alles noch Kommende ein. Dabei überzeugte vor allem die Klarheit der Musik, die über den gesamten Abend hinweg bestehen blieb. Jedes noch so kleine Zupfen der Bass- bzw. Gitarren-Saite oder Anschlagen der Taste des Moog-Synthesizers übertrug sich deutlich hörbar, verstärkte das Gefühl der Direktheit der Töne und ermöglichte völlige Konzentration auf den Klang. Konzentriert wurde auch auf der Bühne gearbeitet. Während bei Monsieur Dunckel die Mundwinkel ab und zu Gefallen versprachen, fiel die leichte Anspannung bei Monsieur Godin erst nach dem jeweiligen Song und ein Lächeln huschte über das Gesicht. Da die Französischkenntnisse der Zuschauer für gut befunden wurden, folgte auch gleich mit einem zwinkernden Auge die Aufforderung, von ihm bei "Alpha Beta Gaga" doch bitte mitzusingen. Diesen Wunsch erfüllten ihm die Fans und Pfiffen im schönsten Französisch den Refrain mit.

Wer sich angesichts der Darbietung von "Kelly Watch The Stars" nicht automatisch um Jahre zurückversetzt fühlte, der war entweder noch zu jung oder hielt sich in einem Moment der Abwesenheit an der Bar auf. Allein das groß auf die Leinwand projezierte Bild des Atari Tennis-Spiels weckte Erinnerungen, die schon lange zurück liegen. Im Zugabenblock wurde ebenfalls ein "Moon Safari"-Klassiker ausgegraben und "Sexy Boy" schallte wirkungsvoll wie eh und je durch die Lautsprecherboxen. So stilvoll und elegant wie die gesamte Akustik und Optik den ganzen Abend über hinweg, fiel dann auch die Verabschiedung aus und es wurden eine Reihe von Kusshändchen in den Zuschauerraum geworfen, aber erst, nachdem sich die beiden Herren standesgemäß verbeugt hatten. Dabei wäre genau dies die angemessene Reaktion ihnen gegenüber gewesen. Als Dank für so eine gelungene Vorstellung.

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Surfempfehlung:
ww.en.aircheology.com
www.myspace.com/intairnet
Text: -Annett Bonkowski-
Foto: -Anne Bonkowski-


 
 

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