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Wie immer. Und anders.

Bad Religion

Hamburg, Docks
09.06.2010
Bad Religion
In Hamburg ist Sommer. Es ist heiß, es ist schwül, die Massen treffen sich am Elbstrand und im Stadtpark. Das Leben ist schön, die Stadt ist es auch, man grillt und lacht und entspannt. Eine Gruppe von Menschen aber kümmert sich nicht darum. Sie drängelt sich in einen dunklen, schwitzenden Club, um ihre Helden zu sehen. Bad Religion sind in der Stadt. Das Docks ist ausverkauft, jeder möchte persönlich gratulieren.
30 Jahre gibt es die kalifornischen Punkrocker jetzt schon. Aus diesem Anlass haben sie ein wundervolles Livealbum zum kostenlosen Download auf ihre Seite gestellt und sind auf Jubiläumstour. Sie legen mit „Do What You Want“ grandios los und versetzen den Club in Wallung. Alles tanzt und springt, singt und feiert. Niemand möchte jetzt am Wasser sitzen, alle wollen Greg Graffin und seine Mannen sehen. Brett Gurewitz ist natürlich nicht dabei. „In Kalifornien war er mit auf Tour“, erzählt uns Drummer Brooks Wackerman im Interview. „Derzeit mixt er in den Staaten unsere neue Platte und kümmert sich natürlich um Epitaph“. Alle anderen geben ihr Bestes. Hetson macht den gewohnten Flummi, Baker sieht fast erschreckend alt aus, Bentley bleibt die coole Socke und Graffin gratuliert dem FC St. Pauli zum Aufstieg.

Die Setlist ist wie immer. Denn wie immer anders. „Sinister Rouge“, „New Dark Ages“, „Flat Earth Society“, „Before You Die“. “Die Leute werden mit der Setlist sehr zufrieden sein” kündigt Wackerman schon vorher an. Er hat irgendwie Recht. Manches haben sie schon auf „30 Years Live“ gespielt. „Man With A Mission“ zum Beispiel oder „Germs Of Perfection“, „Los Angeles Is Burning“ und „A Walk“. Dazu gibt es heute „Requiem For Dissent“ und „Sanity“ und natürlich manch großen Klassiker. „Generator“ und „Recipe For Hate“, „I Want To Conquer The World” und “Along The Way”. Es ist fantastisch. Wie immer.

Nach "Atomic Garden" erzählt Graffin, dass die Band ihr neues Studioalbum fertig gestellt hätte. Es würde im Herbst erscheinen und jeder im Haus freut sich auf eine neue Nummer. Doch Bad Religion reiten weiter durch die Geschichte und spielen "Suffer". Später "Fuck Armageddon" und "American Jesus" und als Zugabe unter anderem "21. Century (Digital Boy)" und "Sorrow". Man hätte noch mehr vertragen. Weil die Band noch so viel mehr Songs, so viel mehr Klassiker hat und kann. Aber für diesen Abend ist es vorbei. Wir freuen uns auf die nächsten 30 Jahre.

NACHGEHAKT BEI: BAD RELIGION

Es ist nur ein paar Jahre älter als die Band selbst. Brooks Wackerman zählt gerade 33 Jahre Lenze und stieß erst 2001 zur Bad Religion. Zuvor trommelte er für Bands wie die Suicidal Tendencies oder The Vandals, half bei Korn aus und spielte ein Album für Avril Lavigne ein. Doch vor allem ist er ein verdammt noch mal netter Kerl. Wir treffen ihm vor dem Konzert in den unteren Räumen des Docks.

GL.de: Wann hast du die Jungs das erste Mal getroffen?

BW: Tatsächlich erst, als ich bei ihnen vorgespielt habe. Ich hatte vorher keinen gekannt, aber wir hatten gemeinsame Freunde und als sie einen Drummer suchten, kamen sie auf mich. Ich hatte drei Monate zuvor die Suicidal Tendencies verlassen und Brett Gurewitz rief mich an. Wir haben dann im Proberaum drei Songs von "Stranger Than Fiction" gespielt und es fühlte sich gleich gut an. Es war ein bisschen so, als ob man seine Frau trifft. Man weiß sofort, dass sie es ist. Der Rest ist Geschichte.

GL.de: Muss man sich so ein Vorspielen wie in einer Castingshow vorstellen? Alle Augen auf dich?

BW: Ein bisschen (lacht), sie schauen auf einen, aber wir haben natürlich gemeinsam gespielt. Anfangs war es dann auch ein seltsames Gefühl, doch kaum hatte ich angefangen zu spielen fühlte ich mich gut.

GL.de: Was war der größte Augenblick, den du mit der Band erlebt hast?

BW: Da gab es einige. Einer aber war, als ich nach den Aufnahmen von "The Empire Strikes First" das erste Mal die CD bekam und im Auto hörte. Es war meine zweite Bad Religion-Platte, unsere Beziehung hatte sich entwickelt und inzwischen waren wir Freunde geworden. Ich bin herum gefahren und war einfach stolz und glücklich in der Band zu sein.

GL.de: Bist du bei jeder Platte aufgeregt, wenn du sie erstmals hört?

BW: Das kommt ganz auf die Session an. Bei Bad Religion schon, das ist immer spannend. Aber ich habe auch Alben gemacht, auf denen ich gespielt habe, weil der Produzent ein Freund von mir ist und mich gefragt hat oder weil ich die Musiker kannte. Zwar gebe ich natürlich auch auf diesen Platten mein Bestes, aber sie bedeuten mir halt nicht so viel.

GL.de: Was ist deine Lieblingsplatte von Bad Religion?

BW: Die beste, die ich nicht eingespielt habe, ist "Stranger Than Fiction", weil wirklich jeder Song gut ist. Mit dieser Veröffentlichung habe ich damals auf der Highschool die Band kennengelernt. Die beste mit mir ist das neue Album, auf das ist wirklich stolz bin. Die Lieder haben eine ungeheure Kraft und es gibt einen guten Mix aus typischen Zwei-Minuten-Liedern und Midtempo-Songs. Wir haben es kurz vor der Tour fertig aufgenommen und es wird in diesem Oktober noch erscheinen.

GL.de: Werdet ihr heute Abend neue Sachen spielen?

BW: Nein, diesmal nicht, das haben wir in Amerika zwar schon gemacht, aber hier wird es vieles geben, was wir sonst eher selten im Programm haben.

GL.de: Wie viele Songs eurer Seltlist wollt ihr spielen, weil ihr Bock habt, und wie viele müsst ihr spielen, weil die Fans einfach danach verlangen?

BW: Glücklicher Weise lieben wir es immer noch, die populären Sachen zu spielen.

GL.de: Du spielst immer noch gerne "American Jesus"?

BW: Ja, absolut. Nur nicht, wenn ich Kopfschmerzen habe (lacht). Nein, ehrlich, es macht immer noch großen Spaß, die Klassiker zu spielen und dabei die Energie zu spüren, die vom Publikum auf die Bühne kommt.

GL.de: Wie oft sprecht ihr innerhalb der Band über die Vergangenheit?

BW: Natürlich quatscht man beispielsweise im Tourbus über alte Geschichten, aber wir leben schon sehr im Jetzt. Du weißt ja, in der Vergangenheit gab es manche Probleme in der Band und da sollen sie auch bleiben. Wir schauen also lieber nach vorne.

GL.de: Seid ihr mit eurem Status und eurer Situation zufrieden? Schon 1993 haben Bad Religion hier im Docks gespielt, 2010 schon wieder bzw. noch immer.

BW: Natürlich sind wir sehr dankbar und glücklich, dass wir die Möglichkeit haben, den ganzen Sommer durch Europa zu reisen, viele Shows und Festivals zu spielen und die ganzen Leute zu treffen. Aber wenn eine Band dir sagt, dass sie mit ihrem Level zufrieden ist, lügt sie dich an. Jede Band, jeder Schauspieler, jeder Künstler will immer das nächste Level erreichen. Das ist auch unsere Motivation bei jeder Platte. Manche Bands hatten vor 20 Jahren einen Hit und gehen immer noch mit dieser Platte auf Tour, das ist nicht unser Ding. Wir lieben es, neue Musik zu kreieren, neue Songs auf Tour zu spielen und so lange unsere Fans sich noch auf neue Bad Religion-Scheiben freuen, machen wir auch welche.

GL.de: Wie viele Leute haben sich denn euer Live-Album downgeloadet?

BW: Es sind weit mehr, als wir erwartet haben, derzeit sind es 40.000 Downloads und das ist großartig!

GL.de: Gibt es deine andere Band Hot Potty noch?

BW: Nein, wir haben eine Platte gemacht, aber uns aufgelöst. Aber ich habe eine neue Band namens Kidneys gegründet. Ich singe und spiele Gitarre und wir haben auf Greg Hetsons Porterhouse-Label eine Platte veröffentlicht.

Surfempfehlung:
www.badreligion.com
www.myspace.com/badreligion
www.myspace.com/kidneys
www.porterhouserecords.com
Text: -Mathias Frank-
Foto: -Pressefreigabe-


 
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