Das kleine aber feine Hamburger Label Arctic Rodeo Recordings hat es irgendwie geschafft, eine gehörige Anzahl eben solcher Helden der späten 1990er und frühen 00er Jahre unter seinem Dach zu vereinen. Dazu gehören ehemalige Mitglieder von Bands wie Small Brown Bike, LaSalle und Coalesce, The Promise Ring, The Gloria Record, Jonah Matranga, Matt Pryors The New Amsterdams, Solea, Jets To Brazil, Garret Klahn von Texas Is The Reason, Chamberlain und Far in Originalbesetzung, Ian Love von Rival Schools, Kevin Devine und nicht zuletzt der unvergleichliche Walter Schreifels - solo und mit seinen Walking Concert. Kurzum: Einige der wichtigsten Leute der damaligen Szene kriechen seit drei bis vier Jahren zum Glück wieder aus ihren Löchern - landen bei Arctic Rodeo - und kaum jemand merkt's. Und jetzt ist eben auch Chris Higdon hier angekommen.
So jedenfalls ist der ohnehin ziemlich kleine Bühnenraum des Grünen Jägers nicht besonders gut, dafür aber umso gemütlicher gefüllt. Ein paar treue Fans und Kenner hat es halt doch hier her verschlagen. Frontier(s) legen auch gleich los und geben dabei Vollgas. Nach nur einem Song ist Frontmann Chris Higdon komplett durchgeschwitzt. Er ist eben doch etwas in die Jahre gekommen. Ein bisschen kräftiger sieht er aus, dafür aber auch gesünder - selbst im verschwitzten Zustand. Seine Gitarre spielt er aber auch genauso wie damals - immer mit dem ganzen Arm, unverkennbar. Und er versteht es nach wie vor wie kaum ein zweiter, seine gesamte Energie in einen Song zu legen und diese Energie auf das Publikum zu übertragen.
Dieses ist sofort hin und weg und man kann förmlich beobachten, wie Higdons Stimme einen wohligen Schauer nach dem anderem durch die Reihen jagt. Natürlich klingt das alles ein bisschen nach Elliott - diese Stimme ist einfach zu prägnant. Doch Frontier(s) gehen wesentlich druckvoller, rauher und härter ans Werk. Wo Elliott sich spätestens mit ihrem letzten Album "Song In The Air" wortwörtlich in himmlische Sphären aufschwangen, bleiben Frontier(s) auf dem Teppich und spielen sich stattdessen mit ehrlichen Post-Hardcore-Songs die Seele aus dem Leib.
Zwischendurch freut sich die Band, (bis auf Higdon) zum ersten Mal in Deutschland zu sein und ist ganz begeistert von den hiesigen sparsamen und schicken Autos. Vier mehr oder weniger junge Männer, denen es einfach nur noch darum geht, ein bisschen gute Musik zumachen, auf großer Abenteuerfahrt. Gut gelaunt, bescheiden und dankbar, hier sein zu dürfen. Das hat man sicher auch Arctic Rodeo ein stückweit zu verdanken.