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Walter Schreifels

Berlin, Comet Club
04.02.2011
Walter Schreifels
Wenn man so viele Musikerjahre auf dem Buckel hat und sich darüber hinaus in so zahlreichen Bands ausgetobt hat wie Walter Schreifels, dann muss das Songschreiben einem wohl kaum noch Sorgen bereiten. Selbst dann nicht, wenn man nach diversen Projekten inmitten von Bandkollegen sein erstes Soloalbum herausbringt. Nachdem Walter Schreifels bereits in der Vergangenheit seine Vielseitigkeit bewiesen und den Wandel von Hardcore zum Singer-Songwriter mit Pop-Ambitionen glaubwürdig vollzogen hat, ist sein CIV Cover "Don't Gotta Prove It" nicht nur eine nette Hommage an alte Zeiten, sondern ebenfalls eine Feststellung, die man in seinem Fall blind unterschreiben kann.
Wirklich beweisen muss sich der stets umtriebige zum Solokünstler gewandte Wahlberliner im Studio wohl kaum noch, denn die Veröffentlichungen sprechen für sich. Auch das Bühnengeschehen hat er dank seiner unzähligen Touren bestens im Griff und er scheint die Bühne fast schon zu seinem Wohnzimmer erkoren zu haben. Der Wohlfühlfaktor scheint ähnlich zu sein, denn sobald Walter die Bühne betritt, darf er ausgelassen und spielerisch uneingeschränkt wie über den heimischen Teppich fegen und sich ganz wie zu Hause fühlen. Das Publikum übrigens ebenfalls. Auf Berliner Boden fällt ihm das offensichtlich nicht im Geringsten schwer und so verwandelte der gebürtige New Yorker auch bei seinem neuerlichen Halt in der Hauptstadt den Comet Club in Windeseile zu seinem persönlichen Spielplatz, wo er ganz eindeutlich den Finger am Spaßregler hatte.

Wüsste man es nicht besser, könnte man glatt meinen, die vierziger Grenze wäre spurlos an ihm vorbei gegangen. Das Haar locker sitzend, die ausgelatschten Turnschuhe an den stets wippenden Füßen und der schelmische Blick lassen kaum einen Zweifel daran, dass Walter Schreifels wenig von seiner Jugendlichkeit eingebüßt hat. Allein das adrette Jacket und das säuberlich gebügelte Hemd bringen ein wenig mehr Seriösität ins Spiel. Diese wird während des rund 75 minütigen Sets jedoch wiederholt ins Wanken gebracht und unterliegt am Ende des Konzerts dem Humor eindeutig. Dass der Schalk ihm immer noch im Nacken sitzt, verraten die Ansagen zwischen den Songs, die für so einige Lacher beim Publikum sorgen. Diese treibt Walter gerne einmal so auf die Spitze, dass seine spontanen Eingebungen und unmittelbaren Reaktionen auf sein Umfeld fast schon als eigene komödiantische Nummern abseits der eigentlichen Songs durchgehen. Wer sich hörbar laut die Nase schnaubt, muss zum Bespiel mit einem Kommentar von der Bühne aus rechnen, aber erfährt auch den Dank "The Silence Is Broken...finally!"

Doch auch musikalisch weht ein oftmals mit viel Witz angereicherter Wind. So wird der Walking Concert Song "Mustang Ford" hurmovoll neu interpretiert und das Publikum kann sich dank einer schauspielerisch eindrucksvollen Darbietung bestens vorstellen wie es so ist, wenn Walter auf der Autobahn den Ton angeben will und am Steuer nach Lust und Laune agiert. Dennoch lässt das abendliche Programm auch Raum für ernsthaftere Momente zu und so spielt sich die Band durch Material, das ansatzweise die vielen musikalischen Stationen im Lebenslauf von Walter Schreifels verdeutlicht, wobei besonders die Stücke seines Soloalbums "An Open Letter To The Scene" eine etwas mehr in sich gekehrte Seite zum Vorschein bringen. Auch eine Reihe brandneuer Songs, die während des Konzerts zum Besten gegeben werden, deuten in eine ähnliche Richtung.

Trotzdem bleibt der Eindruck, dass der lockere Umgang mit den eigenen Songs und die allgemein heitere Stimmung unter den Bandkollegen schlicht und einfach die Oberhand gewinnt. Sichtlich davon angetan tänzelt Walter Schreifels da schon mal vergnügt auf der Stelle, wirft das Tamburin verzückt in die Luft oder kniet sich huldigend auf den Boden, weil seine Mitstreiter so viel Herzblut in ihre Soli mit einfließen lassen. Angesichts der beschwingten Atmosphäre braucht es auch nicht viel Überredungskunst von Seiten der Zuschauer, um ihn für ein paar Zugaben erneut auf die Bühne zu locken. Es schien ohnehin so, als ob er noch längst nicht aufhören wollte. Nach einem Abend wie diesem ist es umso wahrscheinlicher, dass Walter Schreifels in Kürze mit neuen Songs um die Ecke kommt, weiterhin fleissig von A nach B tourt und sich den Spaß des Tourens noch lange nicht nehmen lassen wird.
Surfempfehlung:
www.waltertown.com
www.myspace.com/walterschreifelsmusic
Text: -Annett Bonkowski-
Foto: -Annett Bonkowski-


 
 

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