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Konzert-Bericht
 
Cold War Kids lassen kalt

Cold War Kids
Wye Oak

Hamburg, Uebel & Gefährlich
10.02.2011
Cold War Kids
Manchmal ist ein Konzertbericht auch eine Albumkritik. Denn ohne gute (neue) Songs gibt es schließlich kein gutes Konzert. Gerade in heutiger Zeit, wo ein Album häufig nur noch aufgenommen wird, um einen Grund für eine weitere Tour zu haben - ist doch das Touren für viele Bands ob der mit konstanter Bosheit sinkenden Plattenverkäufe die letzte Möglichkeit, überhaupt noch ein paar Taler mit ihrer Musik zu verdienen. Dies hier ist so ein Fall.
Den Abend im großen Ballsaal des Hamburger Uebel & Gefährlich eröffnet das wundervolle Duo Wye Oak aus Baltimore. In der Kalenderwoche 35 im Jahr 2009 machten wir ihr zweites Album "The Knot" noch zum Album der Woche. Anfang März erscheint nun ihr drittes Album. Dass die Vorfreude darauf berechtigt ist, zeigt die leider viel zu kurze halbe Stunde, die Wye Oak in Hamburg spielen dürfen.

Es macht Spaß, den beiden zuzusehen, wie sie voller Inbrust ihre so intimen, melancholischen Songs zu spielen. Besonders faszinierend ist es zu beobachten, wie Schlagzeuger Andy Sack mit den Füßen und einem Arm sein Drumkit bedient, während er mit der linken Hand auch noch Keyboard spielt. Selbst in so einem großen Venue schaffen sie es in der kurzen Zeit, eine besondere Atmosphäre vor dem schwierigen Hamburger Publikum zu erzeugen. Sängerin und Gitarristin Jenn Wasner und Sack sind ganz begeistert, in so einem schönen Club vor so vielen Leuten spielen zu dürfen, das Uebel & Gefährlich ist nämlich mal wieder ziemlich voll. In den 30 Minuten Spielzeit bringen die zwei Amerikaner natürlich auch einige Songs unter, darunter das Titelstück vom kommenden Album "Civilian". Wye Oak beenden ihr Set mit einer großartig langgezogenen Version von "I Hope You Die" von der "My Neighbour / My Creater"-EP. Schade, von diesen beiden hätte man gerne mehr gesehen.

Nach der Umbaupause kommen unter tosendem Applaus die Cold War Kids auf die Bühne. Viele junge Leute sind gekommen, um die Kalifornier zu sehen, die sich 2007 mit ihrem knarzigen und schmuddeligen Debütalbum "Robbers & Cowards" viel Achtung verschafft haben. Nun gilt es also, die Stücken ihres neuen, im Januar veröffentlichten Albums "Mine Is Yours" vorzustellen. Während die Single "Louder Than Ever" noch stark an den Sound des zweiten Albums "Loyalty To Loyalty" erinnerte, konnte man anhand des Titelstücks "Mine Is Yours" bereits ahnen, dass sich bei den Cold War Kids einiges getan hat. Bassist Matt Maust formulierte es in unserem Interview neulich noch so: "Wir machen keine so großen Sprünge wie Radiohead, aber tendenziell wollen wir ebenfalls Veränderungen zulassen und nicht auf der Stelle treten."

Was das genau das neue Album bedeuten würde, konnte man ja noch nicht ahnen, wenn man es denn noch nicht gehört hatte. Für den hartgesottenen Fan des disharmonischen Bluesrocks der Cold War Kids wurde das in Hamburg jedenfalls zum kleinen Schock. Die neuen Songs sind fast durchgängig auf Hochglanz polierte Stadionrock-Nummern. Vom unperfekten Charme der älteren Stücke ist im Prinzip lediglich Nathan Willets klagende Stimme geblieben - der Rest wurde ordentlich glattgebügelt. Die Enttäuschung angesichts dieser Entwicklung steht auch dem Großteil des Hamburger Publikums ins Gesicht geschrieben. Alte Songs wie "Hang Me Up To Dry", bei dem Willet vorn am Bühnenrand wie ein schwarzer Pfarrer in einem Gospel-Gottesdienst predigt oder das traurige "Hospital Beds" werden vom Publikum gefeiert - bei den neuen Songs gibt es bis auf vereinzelten Applaus nur ratloses Kopfschütteln. Für schmalzigen Bombast-Pop mit triefendem Pathos hätte man auch zu einem U2-Konzert gehen können.

Eins steht fest: An diesem Abend waren Wye Oak trotz ihrer kurzen Spielzeit die deutlich bessere Band. Mit ihrem neuen Album "Mine Is Yours" haben sich Cold War Kids einfach so sehr in die Beliebigkeit hineinmanövriert, dass auch bei einer Live-Show nicht mehr viel hängen bleibt. Da reißt es auch das phänomenale "We Used To Vacation" mit Nathan Willet am Keyboard als letzte Zugabe nicht mehr raus. Schade um diese so vielversprechende Band, die 2007 mit einem erfrischend anderen Sound den Indierock-Zirkus aufmischte. Der ist jetzt scheinbar leider abhanden gekommen.
Surfempfehlung:
www.coldwarkids.com
www.myspace.com/coldwarkids
www.wyeoakmusic.com
www.myspace.com/wyeoak
Text: -Felix Maliers-
Foto: -Pressefreigabe-

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Mehr über Cold War Kids:
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