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Konzert-Bericht
 
Messe, leicht entrückt.

Austra

Hamburg, Molotow
10.06.2011
Austra
Das Hamburger Molotow soll mal wieder abgerissen werden. Ginge es nach dem Grundstückseigentümer, sollen der Club und die umliegenden Gebäude inkl. der berühmt-berüchtigen Esso-Tankstelle an der Ecke Spielbudenplatz/Taubenstraße 2014 einem Komplex von Neubauten weichen, der wiederum Raum für überteuerte Apartments und Büros bieten soll. Warum das nicht passieren darf, zeigte der legendäre Club auf St. Pauli am Freitag mal wieder: Das Molotow ist schließlich berühmt für seinen Riecher, völlig unbekannte Bands zu buchen, die später internationalen Ruhm erlangen sollen. Von der Zahl und den Namen solcher Bands kann man sich direkt über der Eingangstür des Clubs überzeugen. Auch an diesem Freitag sind heiße Anwärter zu Gast: Austra aus Toronto, Kanada.
Erst vor Kurzem erschien ihr hervorragendes Debütalbum "Feel It Break", doch schon seit dem Vorab-Track "Lose It" sind die Kanadier ein Geheimtipp. Offensichtlich haben auch einige Hamburger davon Wind bekommen, denn das Molotow ist gut gefüllt. Wie immer wird es schnell viel zu heiß in dem kleinen Keller, die kräftige Lüftung sorgt jedoch schnell für Ausgleich und steife Nacken. Wenige Minuten vor 21 Uhr betreten dann Sängerin und Frontfrau Katie Stelmanis und ihre MitstreiterInnen die Bühne. Mit dem Album-Opener "Darken Her Horse" eröffnen die sechs Musiker ihr Set und das Publikum beginnt sogleich, sich im schleppenden Beat des Songs zu bewegen. Stelmanis scheint die wellenartigen Bewegungen mit ihren Armen zu dirigieren, nach der sich die Menschen vor der Bühne wiegen. Dabei trägt sie ein weites weißes Gewand, unzählige vergoldete Armreifen und türkis funkelnden Gesichtsschmuck auf der Stirn. In der lettischen Mythologie ist "Austra" die Göttin des Lichts (Katie Stelmanis hat kanadische und lettische Wurzeln) - auf der Bühne gibt sich die Sängerin beinahe so, als sei sie eine Priesterin dieser und das Publikum ihre Jünger, die dieser leicht entrückten Messe beiwohnen.

So entsteht auch ohne viele Worte seitens der Band sofort eine besondere Atmosphäre, die exzellent zur düsteren, hypnotisch-treibenden Musik der Band passt. Natürlich ist es besonders Stelmanis' vielgepriesene Stimme, die die Show trägt. Live weiß sie genau so zu überzeugen wie von Platte - ziemlich phänomenal. Doch auch die beiden Background-Sängerinnen leisten gute Arbeit und tragen maßgeblich zum Sound der Live-Performance bei. Austra ziehen nun mit jedem Stück das Tempo ein wenig an. Besonders die schnelleren Stücke wie "Spellwork", "The Choke", "Hate Crime" und "The Villain" kommen beim Publikum an, welches mittlerweile ausgelassen feiert. Dabei profitiert die Band vor allen von ihren stampfenden Industrial-Beats, durch die ihre Songs fast durchgehend clubtauglich und somit zum Tanzen bestens geeignet sind. Nachdem ein paar junge Damen vorne rechts im Publikum mit ihren "Woo"-Rufen die Menge ordentlich angeheizt haben und die Kanadier dann kurz vor Schluss auch noch die Single "Lose It" anstimmen, gibt es kein Halten mehr.

Leider ist das Konzert danach viel zu schnell vorbei - was aber verständlich ist, haben doch Austra gerade erst ihr Debüt vorgelegt. Nachdem die Band die Gegebenheiten im Molotow - dass Künstler für eine Zugabe die Bühne mangels echtem Backstage-Raum nur sehr schwer verlassen und wieder betreten können - mit Humor quittiert hat, werden als Abschluss noch das epische "The Noise" und "Woodstock" von Joni Mitchell geboten. Etwas mehr als 50 Minuten durfte man einer der derzeit spannendsten Bands im Indie-Zirkus beim Spielen zusehen und lauschen. Für das Booking kann man die Leute vom Molotow nur immer wieder beglückwünschen - und hoffen, dass es solche Konzerte am Spielbudenplatz noch viele Jahre geben wird.
Surfempfehlung:
www.austramusic.com
www.myspace.com/austra
austramusic.tumblr.com
www.lastfm.de/music/AUSTRA
en.wikipedia.org/wiki/Katie_Stelmanis
www.facebook.com/pages/Molotow-Must-Stay/211420525558979?sk=info
www.initiative-esso-haeuser.de
Text: -Felix Maliers-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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