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Reykjavík Rock City

Iceland Airwaves 2011 - Tag 3

Island, Reykjavík
15.10.2011

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Olafur Arnalds
Nachdem Tag 2 dank Dauerregen, Schlangestehen und anstrengendem jugendlichem Publikum im NASA doch kräftezehrender geraten war, als morgens noch gedacht, waren wir über den Start in den Samstag sehr dankbar: Um 12 Uhr mittags gings los zum "Iceland Airwaves Blue Lagoon Chill". Die Blaue Lagune ist das weltberühmte Geothermalbad in der Nähe des Keflavík International Airport, über den man auch ins Land gelangt. Nach knapp 40-minütiger Busfahrt - die verkaterten Festivalgäste wurden mit Bussen an ihren Unterkünften eingesammelt - landeten wir in einer pechschwarzen Mondlandschaft aus Lavagestein, die wirklich aussieht wie auf einem anderen Stern. Mitten darin - die dampfende Blaue Lagune.
Leider zeigte sich bei der Ankuft ein weiteres Mal, dass das Festival in diesem Jahr vielleicht doch etwas überfüllt war: Hunderte Menschen standen vorm Eingang des Schwimmbades Schlange. Als wir nach etwa 20 Minuten Wartezeit endlich den Eingangsbereich betreten konnten, ging plötzlich ein brutaler Hagelschauer auf die noch draußen wartenden Gäste nieder - Glück gehabt. Und dann konnte der Spaß zum Glück endlich losgehen. Die gesamte Anlage ist modern und luxuriös, doch die Faszination des berühmten Bades erkennt man erst, wenn man endlich ins Freie gelangt und das Wasser sieht: Selbst bei grauem Himmel es so unwirklich blau wie sonst vielleicht nur in der Karibik. Die Luft am Samstag war zwar wärmer als den vergangenen Tagen, doch naturgemäß immer noch eiskalt - erst recht in Bikini oder Badehose.

Umso wohltuender war es, endlich ins Wasser zu kommen - die Temperatur beträgt nämlich stets zwischen 40 und 45 Grad Celsius - ohne künstliche Heizung. Laut Broschüren ist das Wasser durch Mineralien und Mikroorganismen auch noch besonders heilsam und wohltuend für die Haut, ebenso wie der weiße Schlamm, der teilweise den natürlichen Beckenboden bildet und als Gesichtsmaske verwendet werden kann. Doch das war ja noch nicht alles: Mitten im Becken - eine Biertheke. Und gleich schräg dahinter: das DJ-Pult. DJ Margeir legte hier fette Elektrobeats auf und brachte die Menge langsam aber sicher zum Ausflippen, nachdem alle noch von Freitagnacht gerädert hier ankamen. Als dann plötzlich "Love Is In The Air" gespielt wurde, gab es kein Halten mehr und die Party vom Vortag wurde einfach fortgesetzt.

Im Bus zurück wurde dann erst mal kollektiv der fehlende Schlaf nachgeholt, der während eines Festivals eben so anfällt. Ein weiterer Effekt der blauen Lagune: Man kommt völlig entspannt heraus und schläft einfach ein. Derartig ausgeruht konnten wir ins weitere Samstagsprogramm starten, das insgesamt etwas gitarrenlastiger ausfiel als das der beiden ersten Tage. Los ging's zunächst mit den entzückenden Veronica Falls im Harpa. Das Quartett aus London bezauberte uns mit ihrem süßen Twee-Pop in bester Talulah Gosh-Tradition. Der Saal im Harpa war vielleicht etwas groß für Band und lud auch nicht so recht zum Tanzen ein, Veronica Falls gaben aber ihr Bestes und bedankten sich artig für den Applaus. Wir freuen uns schon auf ihr Debütalbum, das am 21. Oktober 2011 erscheint, das die Band aber leider noch nicht mit nach Island gebracht hatte.

Direkt im Anschluss konnte man ebenfalls im Harpa, dem Konzerthaus "that we all love so controversially" - so Ólafur Arnalds, eines der immer wieder umwerfenden Konzerte des isländischen Komponisten erleben. Der junge Mann hatte ein Streicherquartett und tolle Videoprojektionen mitgebracht. Schüchtern und sympathisch wie immer spielte er ein hervorragendes Set aus Stücken von seinem aktuellen Album "...And They Have Escaped The Weight Of Darkness" und neueren Kompositionen, das uns und das Publikum im großen Konzertsaal sprachlos zurückließ.

Die darauffolgende Band hieß Treefight For Sunlight und stammt das Dänemark. Mit ihrer sehr vergnüglichen Mischung aus Beach Boys-Harmonien und Beatles-Sounds sind die Jungs derzeit schwer im Kommen. Nach anfänglicher Nervosität - die Band hatte nach eigenen Angaben noch nie vor so einem großen Publikum gespielt - groovten sie sich schnell ein und zeigten, warum das so ist. Ihr toller, bis zu vierstimmiger Gesang und ihre melodischen, optimistischen Songs machen einfach Spaß. Leider mussten wir vorzeitig gehen, um noch rechtzeitig zu We Were Promised Jetpacks ins Idno zu kommen.

Die spielten nämlich schon kurz darauf und boten eine der vermutlich mitreißendsten Shows des Samstags, vielleicht sogar des ganzen Festivals. Sänger Adam Thompson bedurfte nicht vieler Worte - der Gassenhauer "It's Thunder And It's Lightning" als Opener genügte bereits, um im ganzen Saal Gänsehaut zu erzeugen. Darauf spielte die Band ein Best of aus Songs von Ihrem Debütalbum und dem kürzlich erschienenen Zweitwerk "In The Pit Of The Stomach", das im Publikum standesgemäß abgefeiert wurde.

Danach lernten wir der Schlange für Iceage zwei nette Isländer kennen, von denen uns einer direkt für das nächste Jahr in seine kleine Pension einlud. Wie das in Reyjavík eben so ist, spielt er ganz nebenbei auch in zwei Bands, die ebenfalls beim Airwaves aufgetreten waren. Oben im Gaukur A Stöng angekommen, wurde klar, dass wir nicht den einzigen waren, die den Braten mit Iceage gerochen haben: Viele waren gekommen, um die junge Punk-Hoffnung aus Kopenhagen zu sehen. Dass ihr Album "New Brigade" super ist, hatten wir kürzlich bereits festgestellt. Nun galt es zu überprüfen, wie die Jungs sich live schlagen. Und man muss sagen: Schwer zu sagen. Sicher, die Band bringt jede Menge jugendlicher Energie mit auf die Bühne und nach kurzer Zeit gab es auch einen anständigen Moshpit davor. Aber die zur Schau getragene Angepisstheit des Sängers wirkte dann doch etwas künstlich und... nun ja... stumpf. Hinzukommt, dass die Band auf dem Album durchaus abwechslungsreich und geschickt im Umgang mit verschiedenen Stilen umgeht. Live war davon jedoch leider wenig zu sehen und zu hören - die Show war ein einziges, möglichst schnelles Runterdreschen ihrer Songs, ohne auf deren musikalische Feinheiten einzugehen. Vielleicht waren wir aber auch einfach noch nicht betrunken genug, um eine Punk-Show dieser Art richtig zu würdigen.

Um nach all den Gitarren-Bands des Abends noch ein bisschen tanzen zu gehen, probierten wir vergeblich, in die Faktorý zu gelangen. Dort spielte nämlich der legendäre James Murphy von Ex-LCD Soundsystem ein zweistündiges DJ-Set. Das wollten sich aber auch viele andere Leute nicht entgehen lassen, wie man an den etwa 300 Leuten, die vor der Tür Schlange standen, ablesen konnte. Man muss dazu sagen, dass Murphy zu diesem Zeitpunkt schon etwa eine Stunde auflegte, also sich auch schon Menschen im Club befinden mussten. Die Menschenschlage schien es nicht zu kümmern - das Durchhaltevermögen der Isländer im Anstehen ist wirklich bemerkenswert. Wir hingehen ließen es für diesen Abend gut sein, um das verbliebene bisschen Kräfte für den letzten Tag aufzusparen.


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Surfempfehlung:
www.icelandairwaves.com
www.lastfm.de/festival/1725110+Iceland+Airwaves+2011
www.facebook.com/icelandairwavesfestival
www.flickr.com/photos/icelandairwaves
de.wikipedia.org/wiki/Iceland_Airwaves
Text: -Felix Maliers-
Foto: -Svea Schuhmann-


 
 

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